Angriffe, Drohungen

Notschlafstelle: Mitarbeiter proben den Aufstand

Tirol
23.05.2026 05:01

Mit einem verzweifelten Hilferuf wandte sich die große Mehrheit der Mitarbeiter der Tiroler Sozialen Dienste (TSD) in der Notschlafstelle Innsbruck an die „Krone“. Die dort herrschenden Arbeitsbedingungen seien nicht mehr tragbar.

Hoffnungslose personelle Unterbesetzung, eine dramatische Zahl an Übergriffen durch Klienten, keine Schutzkleidung, nur Vertröstungen seitens des Managements – den TSD-Mitarbeitern in der Notschlafstelle Innsbruck reicht es. Nicht weniger als acht von zehn kontaktierten die „Krone“, um die Missstände öffentlich zu machen.

Eklatanter Personalmangel
Eines der Hauptprobleme sei der eklatante Personalmangel in der Notschlafstelle. „Zwischen 17.30 und 23.30 Uhr sind oft nur zwei Mitarbeiter eingeteilt, bei Krankenständen ist es manchmal gar nur einer“, heißt es in dem Hilferuf der Gruppe, die anonym bleiben möchte.

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Die Leistungsvereinbarung mit dem Land sieht vor, dass bis zu fünf Mitarbeiter in der Notschlafstelle sind.

TSD-Mitarbeiter Notschlafstelle

Die müssen sich um fast 100 Klienten im Haus kümmern. Security-Personal sei Fehlanzeige, dabei gebe es laufend Bedrohungen und Übergriffe auf die Mitarbeiter.

Wurden Vorfälle vertuscht?
Seit Juli 2025 seien fast 80 Vorfälle unter Klienten protokolliert. Dazu kommen noch rund 20 als „Arbeitsunfall“ deklarierte Vorfälle – Morddrohungen, Angriffe, Bettwanzenbisse etc. In dem Zusammenhang stelle sich die Frage, weshalb im ersten Halbjahr 2025 unter der – später gekündigten – Teamleiterin nur zwei Vorfälle festgehalten wurden.

Eine der Verletzungen, die Laith Makki beim Angriff eines Klienten mit einer Flasche erlitt
Eine der Verletzungen, die Laith Makki beim Angriff eines Klienten mit einer Flasche erlitt(Bild: Privat)

Von Klient schwer verletzt, jetzt von Firma gekündigt
Eines der Opfer der Übergriffe ist der gebürtige Iraker Laith Makki. Er wurde 2025 von einem Klienten mit einer Flasche attackiert. Mit viel Glück endete der Vorfall für ihn nicht tödlich. Allerdings trug er schwere Verletzungen davon – unter anderem an der Hand. „Als ich im März der Firma mitteilte, dass ich nun operiert werden müsse, hat man mich Ende des Monats postwendend gekündigt“, schildert Makki, inzwischen österreichischer Staatsbürger.

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Zum Vergleich: Bei der Notschlafstelle in München stehen schon am Eingang fünf Security-Mitarbeiter.

TSD-Mitarbeiter Notschlafstelle

Wieder Treffpunkt Arbeitsgericht?
Kündigungsgrund nannten die TSD freilich keinen, Makki war seit 2019 TSD-Mitarbeiter. „Ich ließ mir nie etwas zuschulden kommen, wurde auch nie verwarnt“, betont der 33-Jährige. Intern heißt es, der Grund könne nicht genannt werden, weil er anfechtbar sei. Genau das hält sich Makki offen. Er wäre damit nicht der erste TSD-Mitarbeiter, der den Weg zum Arbeitsgericht geht.

Funkstille im Büro des zuständigen Landesrats
Alle Missstände seien TSD-Geschäftsführer Florian Stolz lange bekannt, konkrete Maßnahmen habe es aber keine gegeben. Die Mitarbeiter verlangen als Team ein Gespräch mit der Geschäftsführung unter Anwesenheit der Generalversammlung. Stolz zeigte sich in einer Antwort dazu zurückhaltend. Vom zuständigen Landesrat Philip Wohlgemuth (SPÖ) gab es bisher keine Antwort.

Maßnahmen schon umgesetzt?
Stolz räumte gegenüber der „Krone“ ein, dass Verbesserungen notwendig seien. Kurzfristig wurden bzw. werden bereits mehrere Maßnahmen umgesetzt, heißt es.

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