Der Wiener Matthias Weisz (25) krönte sich in Griechenland erstmals zum Europameister im Jiu-Jitsu – um sich seinen Sport finanziell leisten zu können, baut er sich an der Seite von Sportlern wie Ski-Olympiasiegerin Ariane Rädler ein zweites Standbein als Justizwachebeamter auf.
„Wenn man sein ganzes Leben auf so einen Erfolg hintrainiert und dann kommt er, ist das schon ein gewaltiges Gefühl“, grinst Matthias Weisz. Der sich im griechischen Kreta zum Europameister im Jiu-Jitsu krönte – und anschließend von Familien und Freunden in der Heimat mit einer Überraschungsparty empfangen wurde. „Ich bin eigentlich nicht so der große Partymensch – aber in dem Fall habe ich es genossen“, meint der 25-Jährige.
Dessen Vater selbst den ursprünglich aus Japan, nun aber in Europa verankerten Kampfsport ausübte, ihm quasi in die Wiege mitgab. Wiewohl das erste Kennenlernen keine Liebe auslöste. „Mit sechs Jahren war ich das erste Mal beim Training – aber es haben alle japanisch geredet, das hat mir nicht gefallen“, erinnert sich Weisz. Der sein Glück ein Jahr später erneut versuchte, gemeinsam mit seiner Schwester zum Training ging. Und seine Leidenschaft entdeckte. „Bei den Neulingsmeisterschaften habe ich gleich gewonnen, dank eines späten Wurfs in den letzten Sekunden – das hat meine Motivation geweckt“, grinst Weisz.
Auch im EM-Finale gegen einen unter neutralen Flagge startenden Russen entschied eine Wertung binnen der letzten Sekunden den Kampf für ihn. „Ein gewaltiges Gefühl – aber es dauert, das zu realisieren“, nickt Weisz. Der in seiner Jugend auch Fußball spielte, bei ASK Elektra. „Aber ich musste mich entscheiden – und der Einzelsport hat mich mehr fasziniert.“ Judo oder Karate sei ihm aber zu „einseitig“: „Jiu-Jitsu ist eine Kombination aus beidem, es gibt Wurf-, Schlag- und Bodenelemente – das macht es so komplex.“
Traum von Olympia
Während Judo regelmäßiger Bestandteil von Olympischen Spielen ist, Karate 2020 in Tokio dabei war, wartet Jiu-Jitsu noch auf seine Premiere unter den fünf Ringen. „Aber“, sagt Weisz, „ich habe den Traum noch nicht aufgegeben.“ Für Paris 2024 war es in der engeren Auswahl, letztlich entschieden sich die Organisatoren aber für Break-Dance. „Los Angeles 2028 ist kein Thema – aber hoffentlich Australien 2032, das wäre sicher meine letzte Chance.“
Vorher heißt das große Ziel WM-Gold, das Turnier steigt im Herbst in Rom. Anfang Juni warten die Staatsmeisterschaften in Wien – erstmals ist Jiu-Jitsu Teil der Austrian Finals, die Finalkämpfte finden am Rathausplatz statt. „Das wird ein Highlight, macht unseren Sport noch sichtbarer“, freut sich Weisz, der vor Kämpfen einst klassische Musik hörte, etwa Mozart oder Beethoven. Und als Europameister und Nummer drei der Welt nicht lange um den heißen Brei herumredet: „Das Ziel kann nur Gold sein.“ Sechsmal krönte er sich bisher schon zur Nummer eins des Landes.
An der Seite von Olympiasiegerin
Und das alles trotz finanzieller Bürden. Denn obwohl Reisen vom Verband abgedeckt werden, ist der Leopoldstädter für sein tägliches Training finanziell auf Sponsoren angewiesen – und ein zweites Standbein. Seit April ist er Teil des Leistungssportmodells „BMJ Athleta“, absolviert eine dreijährige Ausbildung zum Justizwachebeamten. „Wir sind der erste Jahrgang, 29 Sportlerinnen“, erzählt Weisz. Auch Ski-Olympiasiegerin Ariane Rädler oder Magdalena Egger sind beim Programm dabei. In dem der Theorieteil in Steinbrunn am Neufeldersee, der Praxisteil in den Gefängnissen stattfindet. „Es ist sehr lehrreich und abwechselnd“, weiß Weisz, der sagt: „Gerade für Sportler wie mich aus Randsportarten ist es wichtig, sich ein zweites Standbein aufzubauen und die finanzielle Sicherheit zu haben.“
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