Vom Widerstand gegen AKWs zur Regierungsverantwortung und wieder zurück in die Opposition: 40 Jahre nach ihrer Gründung stehen die Grünen erneut vor einer Zeitenwende, der sie mit einem neuen Leitbild begegnen wollen.
„Damals wurden noch Flüsse verschmutzt, Wälder gerodet und AKWs geplant – so kann’s nicht weitergehen“, blickt Grünen-Chefin Leonore Gewessler während einer Pressekonferenz anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums am Freitag zurück. Aus diesem Gefühl heraus – „aus Mut und Wut“ – sei vor 40 Jahren eine politische Bewegung entstanden, die Österreich nachhaltig prägen sollte.
Ihre Wurzeln liegen in den Protestbewegungen der 1970er- und 1980er-Jahre, etwa rund um die Besetzung der Hainburger Au. Doch schon damals ging es um mehr als Widerstand: „Es ging nicht nur um Protest, sondern um die Überzeugung: Österreich kann mehr“, so Gewessler. 1986 schafften die Grünen erstmals den Einzug in den Nationalrat – seit 2003 waren die Grünen auch in unterschiedlichen Landtagen und Landesregierungen vertreten. Aktuell befindet sich die Partei nur im Burgenland in einer Koalition. Der vorläufige Höhepunkt: 2020 der Einzug in die Bundesregierung: „Dort, wo Grüne mitentscheiden, passiert etwas“, ist sich Gewessler sicher.
Die Menschen brauchen eine Partei, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben will.

Stefan Kaineder, stellvertretender Bundessprecher der Grünen
Bild: APA/GEORG HOCHMUTH
„Grüne Handschrift in den Regionen“
Laut Stefan Kaineder, stellvertretender Bundessprecher, seien die letzten 40 Jahre „eine Geschichte des Umsetzens. Denn die Wirklichkeit wird nicht besser durch theoretische Papiere. Und in Österreichs Regionen findet man mittlerweile sehr viel grüne Handschrift.“
Klimakrise, Teuerung, geopolitische Konflikte und das Erstarken autoritärer Systeme würden die Gegenwart prägen. „Die Trumps und Putins dieser Welt bringen die Nachkriegsordnung ins Wanken. Angriffe auf unsere Demokratie nehmen zu“, wird seitens der Grünen gewarnt. Demokratie sei „nicht selbstverständlich“, so auch Ex-Justizministerin Alma Zadic. Hetze und Ausgrenzung seien wieder salonfähig geworden: „Menschen werden aufgrund ihrer Herkunft zu Feindbildern erklärt. Dabei sind wir Grüne nicht still, wir stehen auf.“ Kritik gibt es insbesondere an der FPÖ: Sie profitiere davon, „wenn es den Menschen im Land schlecht geht“.
Neues Leitbild für die Grünen
Zum 40. Geburtstag wollen die Grünen nicht nur zurückblicken, sondern vor allem nach vorne schauen. Vier Jahrzehnte nach der Gründung hat sich die Welt grundlegend verändert. „Zukunft passiert nicht einfach, sondern wird von Menschen gemacht.“ Unter Leonore Gewessler soll nun ein neues Leitbild entstehen – kein klassisches Parteiprogramm, sondern ein „Kompass“ für die kommenden Jahre, der Werte und Antworten auf die aktuellen Fragen enthalten soll. In den nächsten Monaten wolle man erarbeiten und schärfen, wo die Partei in dieser Zeitenwende stehe.
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