Brechen alle Regeln

Diese Ameisen verzichten komplett auf Männchen

Wissen
25.02.2026 18:18

In Japan haben Forschende eine Ameisenart entdeckt, die mit allem bricht, was man über Ameisenstaaten zu wissen glaubt: Es gibt weder Arbeiterinnen noch Männchen – sondern ausschließlich Königinnen. Und diese vermehren sich auch noch ohne Befruchtung. Jahrzehntelang galt das als Vermutung, nun wurde es erstmals eindeutig belegt.

Die Art heißt Temnothorax kinomurai und kommt nur in Japan vor. Normalerweise besteht ein Ameisenstaat aus einer oder mehreren Königinnen, vielen Arbeiterinnen, die sich um Brut und Nahrung kümmern, sowie Männchen, die nach der Paarung rasch sterben. Abweichungen von diesem Muster sind zwar bekannt – etwa parasitische Arten ohne eigene Arbeiterinnen oder Arten ohne Männchen. Doch dass beides gleichzeitig fehlt, wurde bisher nicht nachgewiesen.

Schon seit fast 40 Jahren vermuteten Forschende, dass Temnothorax kinomurai ausschließlich Königinnen hervorbringt. Der endgültige Beweis fehlte jedoch. Eine nun in der Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlichte Studie bestätigt: Diese Ameise besteht tatsächlich nur aus Königinnen – und sie braucht keine Männchen zur Fortpflanzung.

Klonen statt Paarung
Die Königinnen vermehren sich durch sogenannte Jungfernzeugung. Das bedeutet: Aus unbefruchteten Eiern entstehen neue weibliche Tiere. In diesem Fall sind es wieder Königinnen – genetisch praktisch identische Klone ihrer Mutter. Männchen wurden weder im Freiland noch im Labor gefunden.

Für die Untersuchung sammelten Forschende sechs Kolonien und zogen sie im Labor auf. Dabei entstanden 43 Nachkommen – alle weiblich, alle Königinnen. Eine genaue Untersuchung ihrer Fortpflanzungsorgane zeigte, dass diese offenbar nicht zur Speicherung von Spermien genutzt werden. Spermien wurden nie gefunden.

Angriff auf fremde Nester
Doch wie überlebt eine Ameisenart ohne Arbeiterinnen? Temnothorax kinomurai ist eine parasitische Art. Junge Königinnen dringen in die Nester einer verwandten Art ein, der Temnothorax makora. Dort töten sie die ansässige Königin – teils auch einige Arbeiterinnen – und übernehmen das Nest. Die verbliebenen Arbeiterinnen kümmern sich dann um den Nachwuchs der Eindringlinge.

Dass Arbeiterinnen ihre eigene Königin töten oder dulden, dass sie getötet wird, ist äußerst selten. In einem Ameisenstaat dreht sich normalerweise alles um das Überleben der Königin.

Die Strategie ist riskant. Von 43 im Labor getesteten Jungköniginnen schafften es nur sieben, ein fremdes Nest erfolgreich zu übernehmen und selbst Nachwuchs zu produzieren. Doch jede erfolgreiche Königin erzeugte wiederum ausschließlich neue Königinnen – insgesamt 57 weitere Tiere, ebenfalls ohne Männchen.

Ein Extremfall der Evolution
Die Forschenden sprechen von einer einzigartigen Kombination aus „arbeiterlosem Parasitismus“ und Jungfernzeugung. Andere parasitische Ameisenarten kommen zwar ohne eigene Arbeiterinnen aus, vermehren sich aber weiterhin sexuell. Umgekehrt gibt es Arten mit Jungfernzeugung, die dennoch Arbeiterinnen besitzen. Die vollständige Abschaffung beider Gruppen gilt als bislang einmalig.

Warum sich diese Lebensweise entwickelt hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Forschenden vermuten, dass es ein Vorteil sein kann, keine Energie in die Produktion von Männchen zu investieren – besonders dann, wenn jede Nachkommin selbst wieder eine fortpflanzungsfähige Königin ist.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt