In Korallenriffen haben Forscher Hunderte Arten von bislang unbekannten Mikroben identifiziert. Diese Mikroorganismen produzieren eine Vielfalt an Naturstoffen mit ungeahntem Potenzial für Medizin und Biotechnologie. Doch mit dem Absterben ihrer Wirte, den Korallen, sind auch sie vom Aussterben bedroht.
In Korallenriffen wimmelt es nur so von Leben: Sie beherbergen über ein Drittel aller marinen Tier- und Pflanzenarten, obwohl sie nur weniger als ein Prozent des Meeresbodens bedecken. Doch diese immense Vielfalt ist durch die Erwärmung der Weltmeere bedroht. Seit den 1950er-Jahren ist bereits die Hälfte des Korallenbestandes verschwunden.
Die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich hat gemeinsam mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) und dem internationalen Forschungsteam „Tara Pacific Konsortium“ 645 verschiedene Arten von Bakterien sowie sogenannten Archaebakterien identifiziert. Archaebakterien sind eine andere Form von Mikroorganismen. Über 99 Prozent davon waren der Wissenschaft bislang unbekannt.
800 Korallenproben untersucht
Grundlage der Studie waren rund 800 Korallenproben, die während einer Expedition des Forschungsschiffs Tara im Pazifik gesammelt wurden. Mittels Hochleistungscomputern setzte das Team aus den in den Proben enthaltenen DNA-Schnipseln das Erbgut der Mikroorganismen zusammen. Die Analyse zeigte, dass die Mikroben meist auf eine bestimmte Korallenart spezialisiert sind.
Ungeahntes medizinisches Potenzial
Im Erbgut der Mikroorganismen entdeckten die Forschenden ein großes Potenzial für die Produktion von Naturstoffen. Diese Substanzen könnten für medizinische Therapien oder biotechnologische Anwendungen genutzt werden. Laut den Forschenden ist das Potenzial im Riff größer als im gesamten offenen Ozean.
Verlust der Natur-Apotheke droht
Die hohe Dichte an Lebewesen im Riff könnte der Grund für die Vielfalt an Abwehrstoffen sein. Die Studie zeige, wie immens der Verlust dieser Natur-Apotheke wäre, so die Wissenschaftler. „Wir stehen unter Zeitdruck, dieses Potenzial zu erschließen und zu behüten“, warnte Studienleiter Jörn Piel am Donnerstag in einer Aussendung der ETH Zürich.
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