Trotz ihres Harmoniegesangs nehmen sich die „Poxrucker Sisters“ kein Blatt vor den Mund – schon gar nicht, wenn es um Diskriminierung, fehlende Gleichberechtigung und mangelnde Frauensolidarität geht. Wer sie deshalb als „Pussy“ oder „Dramaqueen“ bezeichnet, bestätigt sie in ihrer Meinung umso mehr.
Seit 13 Jahren stürmen die „Poxrucker Sisters“ Stefanie (38), Christina (35) und Magdalena Poxrucker (31) aus Freistadt im Mühlviertel mit ihren bodenständigen Popdialekt-Songs über Heimat, Familie, Zusammenhalt, Glaube und Lebensfreude die österreichischen Charts.
Ehen mit Teamwork
Aktuell arbeiten sie an einem neuen Studioalbum mit dem Titel „DNA“. Erscheinen wird es im September. Danach planen die Schwestern eine Release-Tour durch Österreich. Aber wie gelingt den Amadeus Austrian Music Awards-Preisträgerinnen der Spagat zwischen Familienleben und Karriere? Immerhin sind alle drei verheiratet, zwei von ihnen haben sogar kleine Kinder – Stefanie eine fünfjährige Tochter und einen zweijährigen Sohn, Christina einen siebenjährigen Sohn und eine zweijährige Tochter.
„Ganz einfach! Wir haben Männer an unserer Seite, mit denen wir eine sehr gleichberechtigte Partnerschaft und Arbeitsaufteilung leben. Wir machen wirklich Halbe-Halbe. Und hin und wieder springen auch unsere Eltern ein. Auch da Oma und Opa gleichberechtigt“, sagt Stefanie, die eine Ausbildung als Sozialarbeiterin abgeschlossen hat und mit Konrad, einem leitenden Juristen verheiratet ist.
„Sei nicht so eine Pussy!“
Um ebenfalls eine gleichwertige Partnerschaft leben zu können, mussten ihre Schwester Christina und Magdalena wiederum alte Rollenbilder erst bewusst verlernen. „Ich hatte lange im Kopf, dass Frauen oft als kompliziert dargestellt werden. Auch das Pick-Me-Girl-Denken, wie ‘Ich bin anders als andere Frauen‘ hat mich geprägt. Heute weiß ich: Das stimmt nicht, und Frau sein ist nichts Negatives. Sätze wie ‘Sei nicht so eine Pussy und Dramaqueen‘ zeigen, wie sehr Weiblichkeit abgewertet wird. Das bewusst zu erkennen und abzulegen, war wichtig für mich“, erzählt Magdalena, die Jüngste im Bunde.
„Ich hatte verinnerlicht, dass ich mich als Frau automatisch um alles kümmern muss: dass das zuhause schön, gemütlich und stets aufgeräumt ist, dass alles harmonisch läuft und ich immer da sein muss. Mein Partner musste mich teilweise fast zwingen, dass ich Verantwortung abgebe“, gesteht Christina, die mit Stefan, einem Volksschullehrer glücklich ist. Auch in ihrem weiteren Bekanntenkreis höre sie Frauen immer wieder sagen, dass man es Männern nicht zumuten könne, den Nachwuchs zu versorgen oder ins Bett zu bringen. „Seit eine Freundin meinte, dass es auch im Sinne der Männer sei, dass ihre Kinder überleben, meine auch ich: Traut den Männern mehr zu, wenn es um Kinderbetreuung geht. Nur dann können sie diese Aufgabe lernen und übernehmen.“
„Wo sind denn eure Kinder?“
Doch auch wenn die „Poxrucker Sisters“ gleichrangige Partner haben und mit ihnen Beziehung auf Augenhöhe leben, werden sie im männlich dominierten Musikbusiness ständig mit altem Rollendenken konfrontiert. Immer wieder werden sie gefragt: „Wo sind denn eure Kinder? Wer passt auf sie auf?“ „Wer hat sie denn gemacht?“, entgegnen sie dann keck und lassen damit so manches männliche Gegenüber sprachlos zurück.
Machen Frauen Karriere, gelten sie als gefühlskalt. Arbeiten sie und haben Kinder, sind sie Rabenmütter. Priorisieren sie die Familie sind sie „nur“ Hausfrau.
Magdalena Poxrucker über Diskriminierung, die oft bagatellisiert wird
Ein Monat im Zeichen der Frauenpower
Um auch andere Mädchen und Frauen in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, sind die Poxrucker Sisters bereits zum vierten Mal Gastgeberinnen des gefeierten Konzertformats „#WeAre“, das jedes Jahr rund um den Weltfrauentag am 8. März stattfindet und meist restlos ausverkauft ist.
Am 1. März laden sie zu einem inspirierenden Abend ins Musiktheater in Linz. Am 14. März stehen sie im Zuge der beliebten Eventreihe auch im Kulturzentrum in Eisenstadt auf der Bühne. Da findet „#WeAre“ nämlich unter der Patronanz der bekannten Sängerin Ulrike Mayer alias „Die Mayerin“ und Isabel Gaber, der Frontfrau der Musikkabarettgruppe „Die Duetten“, erstmals auch im Burgenland statt.
Es wird mit zweierlei Maß gemessen
„Solidarität unter Mädchen und Frauen ist nicht selbstverständlich. Das habe ich schon in meiner Jugend erlebt, als ich bei Schulkonzerten als einzige in der Klasse Solo singen durfte und deshalb viel Neid erlebte“, erzählt Christina, die die „Ungerechtigkeit im Musikgeschäft“ oft sehr wütend macht.„Ich sehne mich nach Diversität, Quoten und Sicherheit für Frauen – und dass sie nicht von alten weißen Männern abhängig sind, die über Erfolg, Überleben und finanzielle Absicherung entscheiden“, zürnt die 35-Jährige, die schon bei der Führerscheinprüfung merkte, dass für sie andere Regen gelten als für gleichaltrige Jungs: „Da wurde ich ernsthaft gefragt, ob mir Papi eh beim Reifenwechseln helfen könne!“
Stefanies Aha-Erlebnis war in der Jugendarbeit, als sie nach ein paar Jahren erfuhr, dass ein Kollege, der formal noch keinen Abschluss hatte, höher eingestuft worden war als sie, die einen Abschluss hatte: „Er hatte sich das einfach ausverhandelt.“ „Und ich habe gemerkt, dass mit zweierlei Maß gemessen wird, als wir unsere ersten Songs veröffentlichten, mit Trachtenstoff-Outfits auf der Bühne standen und Jodel-Elemente in unsere Musik eingebaut haben. Sofort wurde uns der Stempel ‘uncool‘ aufgedrückt. Männliche Musikkollegen, die in Lederhosen auftreten und jodeln, gelten als hingegen als cool“, sagt Magdalena und schüttelt den Kopf.
Wahre Mentoren
Angeheizt werde diese Ungleichbehandlung auch auf Social Media, warnen die Schwestern. Damit die persönliche Entwicklung junger Menschen keinen Schaden nimmt, empfehlen sie, derlei Plattformen zu meiden, weil dort durch „andauernde Vergleiche und Angriffe wahnsinnig viel Druck und Stress erzeugt“ werde. Das sei gefährlich. Klüger sei es, wenn Mädchen und Burschen „sich im echten Leben an Menschen halten, die einen sehen und Talente fördern.“ Sie selbst hätten diesbezüglich mit ihren Lehrerinnen und Lehrern viel Glück gehabt und so den Grundstein für ihre heutige Karriere legen können.
Statt über faire Löhne nachzudenken, machen sich viele Mädchen und Frauen Sorgen über ihr Aussehen und ob sie als Mütter, Töchter und Partnerinnen versagen.
Stefanie Poxrucker
Und was, wenn man den Poxrucker Sisters die Bühne morgen wegnimmt? Wer sind sie dann? „Dann bin ich als Pädagogin, Mama, Freundin und Frau glücklich. Es wollen weiterhin alle mit mir ins Bett gehen und Zeit mit mir verbringen“, sagt Christina augenzwinkernd und lacht.
Karten für den Konzertabend „#WeAre – Starke Stimmen, starke Frauen“ am 14. März im Kulturzentrum in Eisenstadt gibt es ab 32,50 Euro. Tickets für das #WeAre-Konzert am 1. März 2026 im Musiktheater Linz kosten 59,70 Euro. Buchungen: www.oeticket.com
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