Misstrauen in ihre Fähigkeiten bis hin zu sexistischen Kommentaren von Patienten, Kollegen und Vorgesetzten sei für viele Wiener Ärztinnen nach wie vor bittere Realität, wie eine neue Studie zeigt.
Nach wie vor haben es Ärztinnen in ihrem Arbeitsalltag schwerer als ihre männlichen Kollegen, wie aus einer von der Ärztekammer Wien in Auftrag gegebene Umfrage hervorgeht. So gaben 64 Prozent von den 1409 befragten Medizinerinnen an, dass sie am Arbeitsplatz nach wie vor mit Benachteiligungen konfrontiert sind.
Die Familienplanung sowie die Kinderbetreuung wurden in der von Meinungsforscher Peter Hajek durchgeführten Umfrage als größtes Hindernis genannt.
In Spitälern angestellte Ärztinnen empfanden auch, dass sie zu wenig gefördert werden und ihnen zu wenig zugetraut wird. 68 Prozent gaben an, dass Männer mehr unterstützt werden.
Jede zweite Ärztin erlebt anzügliche Kommentare
Außerdem sei Frauenfeindlichkeit nach wie vor präsent. Sechs von zehn Ärztinnen gab an, von Vorgesetzten und Kollegen regelmäßig geringschätzende Kommentare zu hören.
Über die Hälfte (54 Prozent) erlebt auch anzügliche Bemerkungen, 27 Prozent sogar einschlägige Berührungen. Vier Prozent gaben zudem an, selbst mit sexuellen Übergriffen von Vorgesetzten konfrontiert gewesen zu sein.
Patienten würden gegenüber Ärztinnen (62 Prozent) eher Misstrauen hegen, heißt es in der Studie.
Nicht nur Problem in der Medizin
„Das geht einfach nicht“, sagt dazu Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart. Er sieht darin auch ein gesellschaftliches Problem, das nicht nur den medizinischen Bereich treffe. Die Studienergebnisse seien ein Handlungsauftrag an die Politik.
Im niedergelassenen Bereich können Ärztinnen ihre Arbeitssituation zwar besser bestimmen, doch es werde der Wunsch nach flexibleren Vertrags- und Arbeitsmodellen deutlich, so Kammer-Vizepräsidentin und Obfrau der Kurie niedergelassener Ärzte Naghme Kamaleyan-Schmied.
Sie fordert flexiblere Öffnungszeiten, Job-Sharing-Modelle und mehr Gruppenpraxen. Außerdem brauche es die Einführung des Mutterschutzes.
Der Obmann der Kurie angestellte Ärzte und ebenfalls Kammer-Vizepräsident Eduardo Maldonado-González appelliert wiederum an die Zivilcourage von Männern. Bei geringschätzenden oder anzüglichen Kommentaren sollten sie einschreiten, sagt er.
Mehrheit mit Karriere zufrieden
Positiv kam in der Studie hervor, dass die Zufriedenheit der Ärztinnen mit der Karrierentwicklungen insgesamt groß ist. Vor allem aber im niedergelassenen Bereich (88 Prozent).
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