Zwischen Bergen, Ölen und Wasserstoffträumen wirkt der Ökopionier Klaus Fronius im Traunviertel. „Krone“-Umweltredakteur Mark Perry hat die Produktion am Hof besucht.
Der Morgen liegt noch weich über dem Traunviertel, wenn sich der Blick vom Schlattbauerngut Richtung Schnee bedecktem Traunstein öffnet. Nebelstreifen ziehen langsam ab, als würden sie Platz machen wollen für einen Mann, der nie stehen geblieben ist. Klaus Fronius tritt vor die Tür, prüft nachdenklich den Winterhimmel – und denkt bereits a das Nächste. „Man darf nie stehen bleiben. Ideen sind wie die Sonne – man muss sie fangen, bevor sie untergeht“, sagt er lächelnd, während er den Blick über die Hügel der Heimat schweifen lässt.
Ein Leben nach dem Ausstieg
Vor 13 Jahren hat Klaus Fronius das getan, wovon andere nur reden: Er ist ausgestiegen. Nicht aus Erschöpfung, sondern aus Neugier. Nach 45 Jahren im Familienunternehmen Fronius International, das sein Vater gegründet und er selbst zu einem Weltunternehmen mitgeformt hatte, zog er 2012 einen klaren Schlussstrich – und begann neu.
„Ich wollte wieder spüren, was echte Arbeit ist – auf der Erde, im Labor, bei Menschen, nicht nur auf dem Papier“, erzählt Fronius. Was folgte, war kein Rückzug, sondern eine Rückkehr. Zur Erde. Zur sanften Technik. Und zu einer Vision, die größer ist als jede Bilanz es je sein kann. Seit 2002 betreibt Fronius das Schlattbauerngut in Rührsdorf bei Ried im Traunkreis - ein Anwesen, das Landwirtschaft, Handwerk und Haltung miteinander verbindet. Hier entstehen Öle und Essige, die mehr sind als Produkte: Sie sind Geschichten aus Erde, Sonne und Sorgfalt.
„Jedes Öl hat seine eigene Seele“, sagt Fronius, während er eine Flasche Leinöl in die Hand nimmt. „Man schmeckt die Sonne, den Regen, die Arbeit, die Liebe dahinter.“ Die Vielfalt an außergewöhnlichen Bio-Ölen lässt keinen Geschmack unerfüllt: Hanföl, nussiges Leindotteröl, exotisch angehauchte Chili-Öle bis hin zum klassischen Sonnenblumenöl – und immer wieder saisonale oder ganz neue Kreationen. „Wir experimentieren ständig, manchmal kommt etwas völlig Unerwartetes heraus – und genau das macht es spannend“, erzählt er.
Abgefüllt in elegant gebrandete Flaschen, verkauft im Hofladen, online oder im Lebensmittelhandel, können Besucher im Showroom nicht nur probieren, sondern erleben, riechen, spüren: Die Philosophie des Hauses, die gesundheitliche Wirkung der Öle und Essige – und die Freude, die in Handarbeit entsteht.
Besonders sichtbar wird diese Haltung an einem Detail, das leicht übersehen wird: Die markanten Papierlaschen an den Flaschenhälsen werden in Zusammenarbeit mit einem Sozialverein von beeinträchtigten Menschen gefertigt. „Wir wollen, dass alle, die mitwirken, stolz sein können. Das ist ein Teil unserer Verantwortung“, sagt Fronius.
Kein Ruhestand, nirgends
Im nächsten Jahr feiert Klaus Fronius seinen 80. Geburtstag. Den Begriff „Ruhestand“ kennt er nicht. Um fit zu bleiben, schwingt er sich regelmäßig auf sein E-Rennbike und fährt zum Almsee. „Wenn man den Berg hochfährt und den See sieht, fühlt man sich lebendig. Das hält Geist und Körper jung“, sagt er. Doch der eigentliche Herzschlag des Schlattbauernguts schlägt hinter verschlossenen Türen. In einem öffentlich nicht zugänglichen Bereich arbeitet seit sechs Jahren ein kleines Team von Technikern an nichts Geringerem als der Energie-Revolution.
Im Rahmen der Grünland Innovations GmbH forscht Fronius an der kostengünstigen Erzeugung, Nutzung und Speicherung von grünem Wasserstoff – nicht für Industriegiganten, sondern für Haushalte. Es blubbert und surrt im Labor. Ein Hydrolyse-Reaktor speichert überschüssige Energie aus Photovoltaikanlagen und macht sie bei Bedarf wieder verfügbar. Strom und Wärme entstehen in einem System, das am Ende Batteriespeicher und Wärmepumpe überflüssig machen soll.
Die genaue Chemie wird geheim gehalten, aber so viel sei verraten – dahinter ist sie ebenso schlicht wie genial: Magnesium reagiert mit verdünnter Essig- oder Zitronensäure, erzeugt Wasserstoff, der über eine Brennstoffzelle in Gleichstrom und via Wechselrichter in haushaltsüblichen Strom umgewandelt wird.
„Als wir mit den ersten Versuchen begonnen haben, wurde mir klar, dass wir damit die Wirtschaftlichkeit lösen könnten. Wir können Wasserstoff für unter einen Euro pro Kilogramm herstellen. Das ist die Quadratur des Preises“, sagt Fronius stolz.
Der Menschenfreund
Klaus Fronius ist dennoch vieles mehr: Ökopionier, Biobauer aus tiefster Überzeugung und noch tieferem Herzen Erfinder, Unternehmer. Vor allem aber ist er ein Menschenfreund. „Es geht nicht darum, was sich rechnet, sondern darum, was sinnvoll ist“, sagt er. Einer, der mit fast 80 nicht zurückblickt, sondern voraus. Wenn am Abend wieder Ruhe über das Schlattbauerngut zieht und der noch Schnee bedeckte Traunstein im letzten Licht erglüht, dann steht Fronius vielleicht wieder da, prüft den Himmel – und denkt an das Nächste. „Die Revolution passiert leise, aber beharrlich – und wir sind mittendrin.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.