Mikroben im Vormarsch

Klimawandel treibt „hirnfressende“ Amöben an

Wissen
06.02.2026 10:48
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine Wissenschaftlerin warnt vor sogenannten freilebenden Amöben, mikroskopisch kleinen Organismen, die in Seen, Flüssen und sogar in Leitungswasser vorkommen können. Manche von ihnen, darunter die berüchtigte „Gehirnfresser-Amöbe“ Naegleria fowleri, können beim Eindringen in die Nase schwere Hirninfektionen auslösen. Angesichts steigender Temperaturen durch den Klimawandel und teilweise maroder Wassersysteme besteht weltweit dringender Handlungsbedarf.

Mikrobiologin Manal Mohammed von der University of Westminster erklärt in „The Conversation“: „Die Infektion passiert, wenn kontaminiertes Wasser durch die Nase gelangt, typischerweise beim Schwimmen. Von dort aus wandert die Amöbe entlang der Nasengänge zum Gehirn, wo sie Gewebe zerstört. Das Ergebnis ist meist verheerend, mit einer Sterblichkeitsrate von 95 bis 99 %.“

„Trojanisches Pferd“ für Krankheitserreger
Doch die Gefahr beschränkt sich nicht auf diese seltenen Hirninfektionen. Freilebende Amöben können auch als „Trojanisches Pferd“ für andere Krankheitserreger dienen, darunter Bakterien wie Legionella oder Mycobacterium tuberculosis sowie Viren und Pilze. Diese Pathogene werden innerhalb der Amöben vor Desinfektionsmitteln geschützt und können so länger überleben und sich ausbreiten.

Amöben brauchen warmes Wasser
Der Klimawandel verschärft das Problem dabei zusätzlich: Wärmeliebende Amöben wie Naegleria fowleri finden zunehmend auch in vormals kühleren Regionen geeignete Lebensräume. Längere warme Perioden und häufigere menschliche Kontakte mit Gewässern erhöhen das Risiko von Infektionen, wie aktuelle Ausbrüche bei Freizeitnutzung von Gewässern zeigen.

Das Risiko einer Ausbreitung in Österreich ist derzeit aber extrem gering, da unsere Gewässer nur selten die für den Parasiten notwendigen Temperaturen von über 30 Grad Celsius erreichen – in Urlaubsregionen steigt die Gefahr aber zunehmend.

Aufspüren erfordert spezialisierte Tests
Die Überwachung der Wasserqualität auf Amöben erfolgt bislang selten. „Die meisten Wassersysteme werden nicht routinemäßig auf freilebende Amöben geprüft. Die Organismen verstecken sich in Biofilmen oder Sedimenten und erfordern spezialisierte Tests“, so Mohammed. Deshalb setzen Behörden vor allem auf Chlorierung, regelmäßiges Spülen der Systeme und richtige Wartung.

Noch selten, aber gefährlich
Prävention liegt in der Vermeidung von Kontakt mit warmem, stehendem Wasser: Kopf beim Schwimmen über Wasser halten, Nasenclips benutzen, Pools gut gepflegt halten und Kontaktlinsen niemals mit Leitungswasser reinigen. Bei Nasenspülungen sollten sterile, destillierte oder abgekochte Wässer verwendet werden. Wer nach Wasseraktivitäten starke Kopfschmerzen, Fieber oder Nackensteifigkeit entwickelt, sollte sofort ärztliche Hilfe aufsuchen – eine frühe Behandlung ist entscheidend.

Freilebende Amöben sind selten, aber gefährlich. Experten betonen, dass ein integrierter Ansatz nötig ist, der Umweltüberwachung, Wasseraufbereitung und medizinische Sensibilisierung kombiniert, um Risiken zu minimieren, bevor Infektionen auftreten.

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