Der US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der High Society Kontakt, darunter Regisseur Woody Allen, Milliardär Elon Musk und der ehemalige britische Prinz Andrew. Das mache ihn für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB sehr interessant, sagte jetzt der deutsche Politologe Stefan Meister.
Epstein habe Zugang zu allen wichtigen Personen der US-Elite gehabt und über diese auch sensible Informationen und Fotos gesammelt. „Das hat enormes Erpressungspotenzial, was für den russischen Geheimdienst von Interesse ist. Viele Frauen, die Epstein missbraucht oder angeboten hat, kamen aus Russland, was wiederum Möglichkeiten auch für russische Dienste eröffnet hat, für Zugänge und kompromittierendes Material“, erläuterte der Russland-Experte von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.
Der Kreml wies die Vorwürfe zurück und sprach von „Lügen satanistischer liberaler Eliten“. Sprecher Dmitri Peskow hatte zuvor gesagt, dass Epstein kein russischer Spion gewesen sei. Machthaber Wladimir Putin hat demnach auch nie eine Einladung zu einem Treffen von dem Straftäter erhalten. Russische Staatsmedien und ihnen nahestehende Netzwerke greifen den Epstein-Komplex derzeit auf, um westliche Demokratien als moralisch bankrott darzustellen.
„Mächtige scheren sich weniger um Regeln“
Eine korrupte Elite, die unbehelligt finsteren Machenschaften nachgeht, ist seit vielen Jahren der Stoff für Verschwörungstheorien. „Es gibt Studien dazu, dass Macht auf Dauer den psychologischen Effekt hat, dass man sich weniger um die Regeln schert, weniger dafür interessiert, was andere denken. Dafür ist der Fall Epstein sicherlich ein gutes Beispiel“, sagte der Psychologe Roland Imhoff von der Universität Mainz dazu. Allerdings gebe es Unterschiede zwischen dem Netzwerk und klassischen Verschwörungsszenarien. Letztere seien etwa oft überzeichnet und würden sich immer um einen großen Plan drehen.
Will Trump ablenken?
Spekuliert wird derzeit darüber, dass US-Präsident Donald Trump Anfang dieses Jahres ganz bewusst die Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro eingeschoben haben könnte, um von einem neuen Schwung Epstein-Akten abzulenken. „Je stärker Trump versucht, von Epstein abzulenken, desto größer wird das Risiko für ausländische Ziele, die ihm gerade gelegen kommen“, vermutete etwa die Zeitung „Sydney Morning Herald“, bezog sich dabei aber auf eine mögliche militärische Intervention im Iran. Trump taucht in den veröffentlichten Epstein-Akten tausendfach auf. Seine Anhängerinnen und Anhänger konzentrieren sich aber eher auf die Verbindungen des Verbrechers zu demokratischen Politikerinnen und Politikern wie Bill und Hillary Clinton.
Der New Yorker Finanzberater Jeffrey Epstein hat jahrelang einen Missbrauchsring betrieben. Er missbrauchte zahlreiche Minderjährige und junge Frauen und bot diese auch in seinem Freundeskreis an. 2019 starb er in seiner Gefängniszelle, bevor es zu einem zweiten Prozess gegen ihn kommen konnte.
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