Iran-Experte im Talk
„Teheran nimmt die Drohkulisse nicht mehr ernst“
Die USA und der Iran haben Gespräche im Oman aufgenommen. Ein Schritt, der auf den ersten Blick überrascht: Noch vor wenigen Wochen hatte US-Ex-Präsident Donald Trump offen einen Regimewechsel in Teheran gefordert. Nun wird wieder verhandelt. Nahost-Experte Walter Posch ordnet die Geschehnisse im krone.tv-Talk ein.
Für den Nahostexperten ist eines jedoch klar: Allein die Tatsache, dass gesprochen wird, ist bemerkenswert. Ursprünglich hätten die Gespräche in Istanbul stattfinden sollen, begleitet von einer demonstrativen Machtdemonstration der USA – inklusive Flugzeugträgern in der Region. Doch Teheran zeigte sich davon unbeeindruckt. Dass die Verhandlungen nun dennoch zustande gekommen sind, wertet Posch als einen kleinen diplomatischen Erfolg für den Iran.
Inhaltlich liegen Washington und Teheran weiterhin weit auseinander. Die USA verlangen ein Ende der nuklearen Anreicherung, den Stopp der Unterstützung schiitischer Milizen sowie ein grundsätzliches Einlenken in mehreren regionalen Konflikten. Der Iran wiederum lehnt diese Forderungen ab – und macht deutlich, dass er sich nicht erpressen lassen will.
„Neuer Atomdeal für beide Seiten wichtig“
Dennoch deutet alles darauf hin, dass sich die Gespräche zunächst auf das Nuklearprogramm konzentrieren. „Das ist tatsächlich ein internationales Problem“, so Posch. Ein neuer Atomdeal – möglicherweise gegen eine Lockerung der Sanktionen – wäre für beide Seiten von großer Bedeutung. Allerdings: Gerade die Sanktionserleichterungen waren einer der Gründe, warum die USA einst aus dem Abkommen ausgestiegen sind. Ein einfacher Weg zurück ist es also nicht.
Parallel zu den Gesprächen bleibt die Drohkulisse möglicher US-Militärschläge bestehen. Laut Posch sollte man diese grundsätzlich ernst nehmen – „nur werde sie in Teheran längst nicht mehr gefürchtet“. Die aktuelle iranische Führung habe den Iran-Irak-Krieg, Luftangriffe und jahrelangen internationalen Druck erlebt und daraus gelernt.
Luftschläge allein reichen nicht aus
Die Schlussfolgerung in Teheran sei klar: Luftschläge allein reichen nicht aus, um das Regime zu stürzen. Der Iran ist ein riesiges Land – ohne massive Bodentruppen wäre ein Regimewechsel kaum durchsetzbar. Und genau das macht eine militärische Eskalation für die USA extrem riskant.
„Regime ist stabil im Sattel“
Der Nahost-Experte schätzt das iranische Regime derzeit als deutlich stabiler ein, als viele im Westen annehmen. „Tatsächlich ist das Regime stabiler im Sattel, als viele gerne hätten“, sagt er. Zwar gebe es Unsicherheiten - etwa mit Blick auf die Zeit nach dem Revolutionsführer - doch ein unmittelbarer Zusammenbruch sei nicht absehbar.
Ein entscheidender Faktor sei, dass wichtige gesellschaftliche Gruppen bisher nicht Teil der Protestbewegung waren. „Es gibt eine große Unbekannte, die bei den Protesten nicht mitgetan hat – und das sind die Sunniten Irans“, erklärt er. Das zeige, dass regionale Faktoren eine große Rolle spielen.
Auch geopolitisch werde ein Machtwechsel skeptisch gesehen. „Saudi-Arabien hat klar signalisiert: Lieber ein Iran unter Druck, der das Land zusammenhält, als einen Zusammenbruch des Regimes“, so Posch. Bei einem Land mit rund 90 Millionen Einwohnern sei ein Kontrollverlust für die Region gefährlicher als Stabilität unter autoritären Bedingungen.
Für die Zukunft müsse man sich daher an neue Realitäten gewöhnen: „Es ist nicht mehr der Westen, der alles dominiert.“ Stattdessen hätten Regionalmächte wie Saudi-Arabien, Katar und selbst Afghanistan „bei der Zukunft Irans sehr viel mitzureden“.









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