Österreich setzt auf Tierwohl statt Käfige – doch genau solche Eier landen trotzdem auf unseren Tellern. Über Umwege aus Drittstaaten wie der Ukraine gelangen sie in verarbeiteten Lebensmitteln unbemerkt ins Land, während die Vogelgrippe den Eiermarkt zusätzlich unter Druck setzt.
Österreichs Legehennen leben ohne Käfige, picken im Freien und legen ihre Eier unter strengen Tierwohlstandards. Doch während heimische Bauern diese hohen Vorgaben erfüllen, drängen immer mehr Eier aus Drittstaaten wie der Ukraine in die EU – viele davon aus Käfighaltung. Gleichzeitig ist der Eiermarkt seit Dezember angespannt: Die Vogelgrippe hat europaweit Legehennenbestände dezimiert, Eier – vor allem Bio-Eier – werden knapp, die Nachfrage steigt, das Angebot sinkt und die Preise ziehen an.
Dabei wäre Österreich eigentlich gut versorgt: Rund 2,2 Milliarden Eier werden hierzulande jedes Jahr produziert, der Selbstversorgungsgrad liegt bei stolzen 90 Prozent. Und vor allem: Österreich produziert ohne Käfige. Diese besonders tierquälerische Haltungsform ist verboten. Ein Erfolg für den Tierschutz – sollte man meinen.
Kuchen, Nudeln oder Mayonnaise
Doch die Realität sieht anders aus. Denn was hier nicht mehr erlaubt ist, darf trotzdem importiert werden. Täglich (!) kommen rund 1,5 Millionen Eier aus dem Ausland nach Österreich. Ein großer Teil davon über Deutschland – doch viele dieser Eier wurden gar nicht von deutschen Hennen gelegt. Sie stammen aus Ländern wie der Ukraine, wo Käfighaltung weiterhin erlaubt ist. Über sogenannte Re-Exporte gelangen sie in unseren Großhandel oder versteckt in Lebensmitteln wie Kuchen, Nudeln oder Mayonnaise.
Nicht deklariert
Für Konsumenten ist das kaum zu erkennen. Denn bei verarbeiteten Produkten und in der Gastronomie muss die Herkunft der Eier nicht angegeben werden. Ob das Ei aus dem glücklichen österreichischen Freilandstall stammt oder aus einem engen Käfig im Ausland – bleibt geheim.
Herkunftszeichnung würde helfen
„Eine bewusste Entscheidung ist nur möglich, wenn man weiß, woher das Essen kommt“, sagt Hannes Royer vom Verein „Land schafft Leben“. Er fordert eine klare Herkunftskennzeichnung – überall. Während heimische Bauern um jeden Cent kämpfen und in Tierwohl investieren, drücken billige Importe den Markt. Ein unfairer Wettbewerb, der jene bestraft, die es richtig machen – und Tiere, die hierzulande längst besser geschützt sein sollten.
Die Lage dürfte sich weiter zuspitzen. Der Eierverbrauch ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, jeder Österreicher isst mittlerweile rund 250 Eier pro Jahr. Nach Weihnachten und der Wintersaison steht mit Ostern bereits der nächste Nachfrage-Höhepunkt bevor. Am Ende bleibt eine unbequeme Wahrheit: Wer billige Eier kauft, zahlt oft nicht an der Kassa – sondern ein Tier im Käfig. Österreich zeigt, dass es auch anders geht. Jetzt braucht es Transparenz, damit Tierwohl nicht nur ein Versprechen bleibt, sondern auch im Einkaufswagen ankommt.
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