Eigentlich wollte die Staatsanwaltschaft in Trient die Ermittlungen gegen Rekordpleitier René Benko einstellen. Doch ein Gericht hat dieses Ansinnen abgelehnt – und die Justizbehörde beauftragt, Anklage gegen den in Innsbruck in U-Haft sitzenden Finanzjongleur zu erheben.
Wie Benkos Anwalt Norbert Wess gegenüber der „Krone“ bestätigte, hat ein Gericht in Trient am Donnerstag den Vorschlag der Staatsanwaltschaft, die eine Einstellung sämtlicher Vorwürfe beantragt hat, offensichtlich verworfen und vielmehr der Staatsanwaltschaft per Gerichtsentscheidung – „entgegen deren Überzeugung“ – aufgetragen Anklage zu erheben.
„In höchstem Maße ungewöhnlich“
„Ein solches Vorgehen ist – wie uns die italienischen Kollegen bestätigen – im höchsten Maße ungewöhnlich“, so Wess. Und weiter: „Nicht unerwähnt kann in diesem Zusammenhang bleiben, dass die heutige Entscheidung dasselbe Gericht getroffen hat, das in der Vergangenheit die Zwangsmaßnahmen bewilligt hat. Das ergibt gesamthaft kein gutes Bild und wäre so in Österreich auch nicht möglich beziehungsweise der Fall.“
Nur vier kleinere Vorwürfe wurden ausgeklammert. Innerhalb von zehn Tagen muss die Staatsanwaltschaft nun den Anklagesatz erstellen, wie es aus Trentiner Justizkreisen verlautete. Danach muss in Italien noch ein anderes, vom dem Fall unabhängiges Gericht die nunmehr einzubringende Anklage überprüfen. Ob und für welche Vorhaltungen bzw. Personen es zum Hauptverfahren kommt, entscheidet dann der Vorverhandlungsrichter.
„Mafia“-Methoden für Immo-Deals?
Benko und weiteren Beschuldigten wird vorgeworfen, durch Bestechung von Beamten und mafiaähnlicher Druckausübung große Immobilienprojekte an Land gezogen zu haben – wir berichteten ausführlich. Bereits im Dezember hatten die Ermittlungsbehörden allerdings einen Antrag zur sogenannten Archivierung eines tragenden Teils der Ermittlungen gestellt.
Die Fahnder waren damals zum Schluss gekommen, dass der ursprüngliche „Mafia“-Vorwurf hinfällig sei. Doch das Gericht in Trient hält die Vorwürfe offenbar relevant genug, um nun doch eine Anklageerhebung anzuordnen. Wie auch immer die Sache in Italien ausgeht – ausgeliefert wird Benko, der seit Jänner 2025 in U-Haft sitzt, jedenfalls nicht.
Für einige der 77 Personen, gegen die anfangs wegen verschiedener Verdachtsmomente ermittelt worden war, hatte der U-Richter schon im Sommer den Schlussstrich gezogen. Vorwürfe zu 21 Einzeldelikten seien aber noch aufrecht, hieß es weiter. Benko sei davon aber nicht betroffen, ihm seien keine Einzeldelikte zur Last gelegt worden. Für ihn und alle weiteren Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.