„Ohne Freigabe“

Aufregung um russisches Fernsehen an Wiener Schule

Wien
05.02.2026 19:31

Innerhalb von 15 Monaten hat das russische Staatsfernsehen einer Floridsdorfer Mittelschule zwei Besuche abgestattet, um angeblich die „Islamisierung Österreichs“ zu beleuchten. Doch danach gab es ein böses Erwachen für den Direktor der Schule: Seine Aussagen waren manipuliert worden. Die Bildungsdirektion stellt auf „Krone“-Anfrage klar: „Eine Freigabe (...) wäre nie erteilt worden.“

Wer russisches Fernsehen konsumiert, findet sich in einer Parallelwelt wieder: Dramatisch flitzen mit entsprechender musikalischer Untermalung Bomben und Raketen über die Bildschirme. Dann ertönt die Stimme von Star-Moderator und Chef-Propagandist Dmitri Kisseljow, dessen Rhetorik an Verdrehung kaum zu überbieten ist. Der Westen sei ein angriffslustiger Feind, der nach wie vor tobende Krieg sei von der Ukraine provoziert, Europa leide unter einem Werteverfall und die Einwanderer würden die Gesellschaft ruinieren, wird gewettert.

Unter dem Vorwand, über sein neues Buch sprechen zu wollen, schaute ein russischer Reporter bei einer Floridsdorfer Schule vorbei. Als Direktor Christian Klar von der entsprechenden russischen Berichterstattung erfuhr, verstand er die Welt nicht mehr. 

Christian Klar ist in der Öffentlichkeit kein Unbekannter. Nach der Veröffentlichung der Bücher ...
Christian Klar ist in der Öffentlichkeit kein Unbekannter. Nach der Veröffentlichung der Bücher „Was ist los in unseren Schulen?“ (2024) und „Wie retten wir die Zukunft unserer Kinder?“ (2025) wurde er zu zahlreichen Diskussionsrunden eingeladen.(Bild: krone.tv)

„So etwas habe ich nie gesagt“
Kinder von Migranten hätten keine Grundbildung, sie könnten weder lesen noch schreiben oder mit Besteck essen, wird der Direktor der Franz Jonas Europaschule, Christian Klar, in einem Interview mit „Rossija 1“, einem der reichweitenstärksten Sender in Russland, auf Russisch komplett falsch wiedergegeben. „So etwas habe ich nie gesagt“, bestätigt er der „Krone“.

Angeführt wird auch eine Isabella Lichtenegger, die angeblich an der Schule unterrichtet, von der Klar bis jetzt jedoch noch nie gehört hat. „Sie wissen nicht, dass sie eine Serviette verwenden sollen. Sie waschen sich die Hände nicht. Sehr oft erhalten diese Kinder in ihren Familien nicht die grundlegende Erziehung, die Zehn- bis Elfjährige haben sollten. Das ist ein viel ernsthafteres Problem“, wird die Sprachtrainerin von russischen Medien zitiert.

Bildungsdirektion prüft Konsequenzen
Ebenso überrascht wie der Direktor zeigt sich auch die Wiener Bildungsdirektion: „Dass Schulleiter Klar Interviews mit dem russisch staatlichen Fernsehsender geführt hat, wissen wir seit der gestrigen Anfrage durch den Falter (Wiener Wochenzeitung, Anmerkung). Nach Rücksprache mit dem damals zuständigen Schulqualitätsmanager sowie anhand unserer Dokumentationen, lässt nichts auf eine Genehmigung eines Interviews seitens Bildungsdirektion für Wien schließen. Ganz ausschließen können wir es aber aufgrund der personellen Veränderung im Pressebereich und der zeitlichen Komponente nicht.“

Klar ist für die Bildungsdirektion, dass niemals eine Freigabe für das Interview stattgefunden habe. Denn eine solche hätte „jedenfalls eine vertiefte Prüfung erfordert und wäre zu keinem der genannten Zeitpunkte erteilt worden. Aktuell werden unsererseits daher entsprechende Maßnahmen vorbereitet.“

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