In Abu Dhabi haben sich Vertreterinnen und Vertreter aus Russland und der Ukraine wieder auf einen Gefangenenaustausch geeinigt. 314 Kriegsgefangene würden freigelassen, sagte der US-Sondergesandte Steve Witkoff am Donnerstag. Es handle sich um den ersten derartigen Schritt seit Oktober 2025, die Gespräche würden fortgesetzt.
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Austausch von jeweils 157 Soldatinnen und Soldaten. Zudem seien drei Zivilpersonen aus der Region Kursk nach Russland zurückgekehrt. Beide Kriegsparteien bewerteten die Gespräche unter US-Vermittlung grundsätzlich positiv. Der russische Gesandte Kirill Dmitrijew kritisierte allerdings die europäischen Verbündeten der Ukraine. Die „Kriegstreiber aus Europa“ versuchten ständig, den Prozess zu stören, sagte er. Je mehr solche Versuche es gebe, desto deutlicher sehe man den Fortschritt.
Anzeichen für einen Durchbruch gab es zunächst aber nicht. Die Positionen liegen weit auseinander. Die russische Führung fordert weiter den Abzug ukrainischer Truppen aus dem gesamten Gebiet Donezk in der Ukraine und nun auch Kontrolle über das besetzte Atomkraftwerk Saporischschja. Kiew lehnt einen einseitigen Rückzug weiter ab und fordert, dass der Krieg entlang der aktuellen Frontlinien eingefroren wird. Zudem will die ukrainische Regierung die Kontrolle über das größte Kernkraftwerk Europas behalten. Der Chef des russischen Staatskonzerns Rosatom schlug am Donnerstag eine internationale Zusammenarbeit vor.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an, dass bald die nächste Gesprächsrunde in den Vereinigten Arabischen Emiraten folgen werde. Steve Witkoff rechnet laut eigener Aussage mit weiteren Fortschritten. „Wir arbeiten im gleichen Format wie gestern: trilaterale Konsultationen, Gruppenarbeit und weitere Annäherung der Positionen“, hatte der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow vor den Verhandlungen am Donnerstag geschrieben.
Ein Fünftel der Ukraine besetzt
Russland hält derzeit etwa ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Laut Analystinnen und Analysten hat die russische Armee seit Anfang 2024 nur etwa 1,5 Prozent an Territorium hinzugewonnen. Während der Gespräche beruhigte sich die militärische Lage etwas. Nach schweren russischen Luftangriffen gab es am Donnerstag weniger Meldungen über Kampfhandlungen. In Kiew wurden laut dem Bürgermeister in der Nacht zwei Menschen durch einen Drohnenangriff verletzt.
Die russische Seite teilte mit, auch an den Beziehungen zu den USA zu arbeiten. Sie wollen nach einer mehrjährigen Unterbrechung wieder direkte Militärgespräche auf hoher Ebene führen. Ziel sei es, Fehleinschätzungen und eine Eskalation zu vermeiden. Diese Gespräche waren kurz vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 ausgesetzt worden. Eine Notfall-Leitung war jedoch eingerichtet worden. Inzwischen haben der russische Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump mehrfach direkt miteinander gesprochen.
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