Die Expertenkommission zum „Fall Rohrbach“ nimmt in ihrem Bericht vor allem ein Spital ins Visier: das Klinikum Wels-Grieskirchen. Dort habe es in der Nacht, als eine 55-jährige Mühlviertlerin - wie berichtet - mit einem Einriss der Hauptschlagader starb, Handlungsspielraum gegeben, die Patientin zu übernehmen. Zu verhindern sei der Tod der Patientin trotzdem nicht gewesen.
In dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Expertenkommission wird die Nichtzusage aus Wels-Grieskirchen „aufgrund nicht freier Intensivkapazitäten“ kritisch hinterfragt. Die Kommission hält fest: Im Klinikum Wels seien Intensivressourcen grundsätzlich vorhanden gewesen.
Konkret wird angeführt, dass in der Anästhesie 16 ICU-Betten und in der Inneren Medizin neun ICU-Betten zur Verfügung standen. Sieben der 16 Betten wurden als „herzchirurgische Intensivbetten“ geführt – betreut durch spezialisiertes Personal. Damit sei eine optimale intensivmedizinische Betreuung aus Sicht des Klinikums nicht sichergestellt gewesen, weshalb man von einer Übernahme abgesehen hatte.
Die Experten halten dagegen: Bei einer akuten Typ-A-Aortendissektion gebe es in solchen Situationen Handlungsspielraum. Eine mögliche Operation dauere im Schnitt mehrere Stunden – in diesem Zeitraum wäre es möglich gewesen, Ressourcen freizumachen oder im absoluten Notfall auch eine interimistische Betreuung sicherzustellen, etwa im Operationssaal selbst, so die Experten. Ein Festhalten an einer strikten organisatorischen Trennung von Intensivbereichen sei in Notfallsituationen nicht sinnvoll.
„Der Verlauf der Erkrankung war fulminant“
Gleichzeitig trifft die Kommission einen zentralen Befund: Der Tod der Patientin gilt nach Einschätzung der ärztlichen Mitglieder als medizinisch nicht mehr abwendbar. Der fulminante Verlauf der Erkrankung habe ein Überleben unmöglich gemacht. Die Zeitspanne zwischen Diagnosestellung und dem Eintritt der Reanimationspflicht sei so kurz gewesen, dass keine Verlegung rechtzeitig hätte erfolgen können.
Auch ein zugesagter Transport hätte – aufgrund der notwendigen Zeitdauer und des Verlaufs der Erkrankung – am Ausgang nichts geändert.
Das Vorgehen im Klinikum Rohrbach selbst wird von der Kommission ausdrücklich als medizinisch korrekt beurteilt. Die Zeit vom Erstkontakt bis zur Diagnosestellung wird von den Experten, darunter führende Mediziner des AKH Wien, als kurz bewertet, die gesetzten Schritte seien fachlich richtig gewesen.
Was in Rohrbach passiert ist:
Der Fall liegt wenige Monate zurück: Am 14. Oktober suchte die 55-jährige zweifache Mutter um 18.48 Uhr mit starken Brustschmerzen die Notfallambulanz im Klinikum Rohrbach auf. Um 21.10 Uhr stand nach einer Computertomografie die Diagnose fest: Stanford-A-Dissektion – ein Einriss der Hauptschlagader in unmittelbarer Nähe zum Herzen.
Die behandelnden Ärzte versuchten in der Folge, die Patientin in ein herzchirurgisches Zentrum zu verlegen. Mehrere Spitäler wurden kontaktiert – darunter das Kepler-Universitätsklinikum in Linz und das Klinikum Wels-Grieskirchen sowie weitere Häuser in Österreich und Bayern.
Verlegung der Patientin
Um 22.09 Uhr erlitt die Frau einen Kreislaufstillstand. Reanimationsversuche blieben erfolglos. Die behandelnden Ärzte versuchten erneut, Spezialkliniken zu erreichen. Um 22.45 Uhr sagten die Salzburger Landeskliniken eine Übernahme zu, fünf Minuten später wurde die Leitstelle des Roten Kreuzes informiert, um eine Verlegung der Patientin per Helikopter zu organisieren. ÖAMTC-Stützpunkte in Niederösterreich (Krems) und in der Steiermark (Niederöblarn) sagten aber wegen der schlechten Wetterbedingungen ab: Ein Transport in der Luft war nicht möglich. Um 23.18 Uhr wurde schließlich der Tod der Patientin festgestellt.
Eine zentrale Bettenkoordination über ein landesweites Dashboard wird im Bericht als nicht sinnvoll bewertet. Kurzfristige Änderungen von Kapazitäten sowie aktuelle Entscheidungen zur Versorgung seien im Akutfall zentral nicht realistisch abbildbar.
Der Bericht wurde am Donnerstag um 9 Uhr zunächst intern einem kleinen Kreis an Verantwortlichen präsentiert – darunter Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP), Vertreter der Oberösterreichischen Gesundheitsholding, der sanitären Aufsicht des Landes sowie Führungskräfte betroffener Spitäler. Danach wurden die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.
„Krone“ deckte den Fall im Oktober auf
Der Fall war durch Recherchen und Berichte der „Krone“ an die Öffentlichkeit gekommen. Danach entwickelte sich eine landes- und bundesweite Debatte über die Notfallversorgung, Zuständigkeiten und Kapazitäten in den Spitälern. Der politische Druck blieb nicht ohne Folgen: Der damalige Chef der Oberösterreichischen Gesundheitsholding und Geschäftsführer des Kepler-Universitätsklinikums, Franz Harnoncourt, kündigte seinen Rücktritt an.
Aktuell läuft die Nachbesetzung beider Spitzenfunktionen. 71 Bewerbungen gingen ein, die Entscheidung soll im März fallen. Bis dahin bleibt Harnoncourt für eine geregelte Übergabe im Amt.
Der Tod der Patientin war eine menschliche Tragödie. Mein Mitgefühl gilt der Familie und den Angehörigen.

Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander, ÖVP
Bild: Markus Wenzel
Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) sagt: „Der Tod der Patientin, die im Oktober 2025 mit einem Aortenriss ins Klinikum Rohrbach gekommen ist, war eine menschliche Tragödie. Mein Mitgefühl gilt der Familie und den Angehörigen.“ Haberlander habe nach Abschluss der Arbeit der Kommission den klaren Auftrag erteilt, die Empfehlungen des Berichts zu überprüfen und rasch die erforderlichen und tragfähigen Maßnahmen einzuleiten.
Und weiter: „Unabhängig vom Expertenbericht haben die Krankenhausträger bereits erste Schlussfolgerungen aus dem Fall für den Bereich der Kommunikation erarbeitet und der Expertenkommission vorgestellt. Diese wurden positiv bewertet und sollen nun zügig umgesetzt werden.“
OÖ Gesundheitsholding richtete eine interne Arbeitsgruppe ein
Die Oberösterreichische Gesundheitsholding, zu der das Krankenhaus Rohrbach gehört, schreibt in einer schriftlichen Stellungnahme: „Wir nehmen den Bericht der Expertenkommission zu diesem äußerst bedauerlichen und tragischen Verlauf sehr ernst. Die bereits bestehende interne Arbeitsgruppe wird ihren ersten Vorschlag anhand der Ergebnisse des Ausschusses adaptieren und in Abstimmung mit der Abteilung Gesundheit des Landes OÖ oberösterreichweit ausrollen, die Aufarbeitung nun zügig weiterführen und die empfohlenen Maßnahmen konsequent umsetzen.“
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