Demenz kann jeden treffen. Was aber tun, wenn es bei einem selbst oder einem Angehörigen so weit ist? Maria Savvidis aus Frauenkirchen hat die Antwort. Sie ist zertifizierte Demenztrainerin.
Wichtig wäre vor allem, dass man die vielschichtige Krankheit möglichst früh erkennt. Sprich: Merkt man selbst, dass man Wortfindungsstörungen hat, sich an Dinge, die früher selbstverständlich waren (wie Wege zu Freunden) nicht mehr erinnert oder vergisst, was man soeben gehört hat, sollten die Alarmglocken klingeln. Heißt: Kommt einem selbst etwas spanisch vor, sollte man handeln.
„Das heißt noch lange nicht, dass es Demenz ist, weil man genauso einfach überlastet sein, eine Depression oder etwas anderes haben kann, aber man sollte die Sache auf jeden Fall abklären lassen“, erklärt die Demenz-Trainerin. Denn: Es gibt Medikamente, die den Krankheitsverlauf verzögern können. Diese wirken aber am besten, wenn das Leiden möglichst früh erkannt wird.
Durch die Mutter zur neuen Berufung
Sie ist Quereinsteigerin und kommt selbst aus der Verwaltung im kaufmännischen Bereich. Als ihre Mutter erkrankte, wollte sie sich um sie kümmern und bemerkte dabei, dass sie sich beruflich gerne neu orientieren würde. Eigentlich wollte sie den wichtigen Job der Heimhilfe ergreifen. Diese Ausbildung kam aber nicht zeitnah zustande, also ließ sie sich zum Senioren-Aktivtrainer ausbilden. Darüber kam sie auch auf das Thema Demenz, das sie faszinierte. Bei der MAS Alzheimerhilfe machte sie dann entsprechende Schulungen samt einem Praktikum.
Seit Jahresanfang ist sie als Demenztrainerin selbstständig und bietet Einzelsitzungen genauso wie Trainings in Kleingruppen an. Außerdem können auch Menschen ohne Demenz bei ihr Gedächtnistrainings buchen.


Besuch bei den Klienten zu Hause
Maria Savvidis kommt bei den Einzeltrainings zu den Klienten nach Hause. Ihr Besuch dauert eineinhalb bis zwei Stunden. Nachdem sie die Personen kennengelernt und abgeklärt hat, in welchem Stadium sie sind, geht es auch schon los. Ihre Trainings beinhalten fünf Säulen. Bewegung gehört dazu, ist immer dabei. „Damit bringt man den Kreislauf in Schwung und das Gehirn bekommt mehr Sauerstoff“, erklärt sie. Je nach Beweglichkeit des Klienten kann es um einfach Ballspiele oder auch nur Sitzgymnastik gehen. Dann geht es um die Wahrnehmung – riechen, sehen, hören und fühlen gehört da dazu. „Alltagstätigkeiten gehören auch zum Training. Genauso wie Spiel und Spaß und Kreativität“, so die Wahl-Frauenkirchnerin.
Wenn Saavidis weiß „was geht“, kann Reime auf Wörter finden genauso auf dem Programm stehen wie gemeinsam zu kochen und vor allem eines: ganz, ganz viel reden. Ihr Training besteht aus 50 bis 60 Prozent tun. Der Rest ist Wertschätzung, Unterstützung, dem Klienten Freude bereiten und ihm eine schöne Zeit machen. „Man muss sich vorstellen, der Mensch hat die Diagnose Demenz bekommen. Egal ob Alzheimer oder eine andere Form. Gerade am Anfang macht das Angst. Die Leute trauen einem nicht mehr so viel zu, die Betroffenen sind verzweifelt. Da tut Wertschätzung und eine unbeschwerte Zeit besonders gut.“
Positiv sind ihre Stunden aber auch für die Angehörigen oder die Pflegenden. Denn: Die haben in diesen zwei Stunden quasi frei und können tun was sie möchten.
Sie würde sich auch freuen, wenn alle offener mit dem Thema Demenz umgehen würden. „Das ist nichts, wofür man sich schämen muss, weder als Betroffener noch als Angehöriger. Wenn man es akzeptiert und sich damit auseinandersetzt, tun sich alle leichter.“
Demenzsprechstunde in Podersdorf am See
Maria Savvidis hält einmal im Monat im Gemeindeamt in Podersdorf eine Demenzsprechstunde ab. Betroffene, Angehörige und Interessierte können hier nach Anmeldung vorbeikommen und sich informieren. Ab April wird die Sprechstunde jeden zweiten Freitag im Monat von 9 bis 12 Uhr stattfinden. Sie würde so eine Sprechstunde auch gerne in anderen Gemeinden anbieten. „Wenn Bürgermeister Interesse haben, bitte einfach melden!“, so Savvidis.
Man kann aber auch selbst aktiv etwas dagegen tun, Demenz zu bekommen. Gesund leben und Bewegung stehen da vor allem auf dem Plan. „Alles, was dem Herzen guttut, tut auch dem Hirn gut“, weiß die Trainerin. Negativ wirken sich Diabetes, Depressionen oder fehlende Sozialkontakte aus. „Fast 45% der Fälle wären vermeidbar“, ist sie sicher. Statistisch gesehen ist nur rund ein Prozent genetisch bedingt. Also: den Kopf benutzen. Nie aufhören, sich für etwas Neues zu interessieren oder etwas Neues zu lernen. Dann kann man das Vergessen wahrscheinlich vergessen! Mehr: demenz-begegnen.at
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.