Am 14. März findet im Kulturzentrum in Eisenstadt mit #weareBurgenland ein neuer Event statt, der die Kraft der Frauen und ihre Stimmen feiert. Gestaltet wird er von Künstlerinnen, mit besonderem Fokus auf burgenländische Acts. Die „Krone“ sprach schon vorab mit den Initiatorinnen. Und Sie haben die Chance, Tickets zu gewinnen.
Die Weltbevölkerung ist zwar zur Hälfte weiblich, trotzdem sind Frauen in vielen Sparten nach wie vor unterrepräsentiert. Auch in der Musik-, Kunst- und Kulturbranche ist das so, obwohl Frauen genauso talentiert und qualifiziert sind wie Männer. Um weibliche Kreativschaffende sichtbarer zu machen, hat die österreichische Singer-Songwriterin und Eishockeyspielerin Virginia Ernst 2018 die Eventreihe „#WEARE – Starke Stimmen, starke Frauen“ ins Leben gerufen. Seither finden jedes Jahr rund um den Weltfrauentag am 8. März Konzertabende statt, die sowohl Newcomerinnen als auch etablierte Künstlerinnen vor den Vorhang holen.
Nach Wien, Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark will nun auch das Burgenland das erfolgreiche Format etablieren. Dabei wird der Abend einen facettenreichen Bogen durch die burgenländische Kulturlandschaft spannen und unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen miteinander vereinen: von Dialektpop bis zur literarischen Lesung, von klassischer Musik bis hin zu modernem kroatischen Farewell-Sound und zeitgemäßer Volksmusik. So sind etwa Singer/Songwriterin Ulrike Mayer alias „Die Mayerin“, Isabel Gaber und Michaela Scheider-Khom vom Kabarettduo „Die Duetten“, Talkmasterin Barbara Karlich, Dialektpopsängerin Birgit Denk, das Schwestern-Trio „Poxrucker Sisters“, die Pianistin Clara Frühstück, die Geigerin Maria Sawerthal, die Band „Idemo“, die blinde Sängerin Sofia Reyna u.v.m. mit von der Partie.
DAS INTERVIEW
„Krone“: Mit dem Motto „‘weare – Starke Stimmen, starke Frauen“ möchtet ihr Mädchen und Frauen bewusst machen, dass ihre Stimme zählt und gehört werden soll. Sichtbar zu sein, bedeutet aber auch angreifbar zu sein.
Die Mayerin: Oh ja, und das ist auch die größte Herausforderung am Sichtbar-Sein! Du musst klare Grenzen setzen und zu 100 Prozent zu dir selbst stehen, und zu allem, was du nach außen trägst. Und: Du musst damit umgehen können, wenn du mal nicht so gesehen wirst, wie du es gerne hättest. Menschen bilden sich immer eine Meinung, und wer schlecht über dich denken will, der findet etwas. Ich habe gottseidank nicht mehr das Gefühl, Everybody‘s Darling sein zu müssen. People pleasing, adé!
Isabel Gaber: Die Bühne ist per se ein sehr riskanter und teilweise unplanbarer Raum. Als Frauenduo „Die Duetten“ sind auch wir immer wieder Kritik ausgesetzt, weil wir Dinge in unseren Liedtexten sehr provokant formulieren. Das ist nicht jedermanns Sache. Die Frage ist: Lässt man sich von diesem Minenfeld der Kritik abhalten oder geht man trotzdem weiter voran? Ich entscheide mich für letzteres. In schwierigen Situationen – etwa, wenn das Publikum nicht so mitgeht wie erhofft – geben wir uns auch gegenseitig Kraft. Was mir außerdem hilft: Ich schaffe mir bewusst Räume, in denen ich nicht funktionieren muss und formuliere meine Grenzen mittlerweile viel klarer als früher.
Manche Frauen mögen es gar nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Sie stellen ihr Licht unter den Scheffel. Wann habt ihr euch selbst kleiner gemacht oder überlegt es tun?
Die Mayerin: Wenn man Familie hat und die Kinder noch klein sind, hat man oft den Eindruck, zurückstecken zu müssen. Dann kann es sich schon auch nach ‘kleiner machen‘ anfühlen, weil die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse der anderen manchmal einfach eine andere Sprache sprechen. Es ist eine Gratwanderung, auf sich selbst zu achten, die eigenen Träume zu leben, sich Raum zu geben, trotzdem aber auch gut auf das große Ganze zu schauen.
Isabel Gaber: Ich habe an der Universität für Angewandte Kunst zu Mentalstrategien bei Künstlerinnen promoviert. Dieses Forschungsfeld ist rar weiblich besetzt. In Diskussionsrunden in männlich gehaltenen Gremien habe ich mich aus Respekt und aufgrund meines jungen Alters nicht getraut, viel beizutragen. Nun gelingt mir das leichter – das ist das Schöne am Älterwerden. Man weiß viel mehr, was man kann und für welche Werte man stehen möchte. Je klarer und transparenter man ist, desto eher wird man gehört und wahrgenommen.
Dazu gehört Mut! Woran merkt ihr als Künstlerinnen, dass ihr mutig seid?
Isabel Gaber: Als Künstlerin hört man sehr oft: „Na gut, so besonders ist das jetzt nicht. Das hätte ich selbst auch machen können.“ Der Unterschied ist: „Du hast es eben nicht gemacht!“ Hier liegt der Schlüssel: Wer etwas schaffen möchte, braucht Mut.
Die Mayerin: Ich finde auch, dass Musikmachen und Songschreiben etwas Mutiges ist. Ich lasse mir in die Seele schauen, öffne mich, mache mich angreifbar und meinen Erfolg und mein Einkommen davon abhängig, ob ein Radiosender meine Musik spielt, ein Veranstalter mich bucht, Menschen zu Konzerten kommen. Ehrlich gesagt ist das auch ein bisschen verrückt (lacht).
Gab es Situationen, in denen du „zu viel“, „zu laut“ oder „zu unbequem“ warst – und wie bist du mit den Reaktionen umgegangen?
Die Mayerin: Ich hatte mal ein Interview im Radio und habe kurz über meine beiden Hausgeburten gesprochen. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass sich die Redaktion darüber lustig gemacht hat. Mich hat das unfassbar verletzt. Meine Lehre daraus: Ich ziehe in Interviews andere Grenzen.
Welche Frauen haben dich geprägt und gestärkt?
Die Mayerin: Meine Mutter. Sie hat mir den Leitsatz ‘Lebe deine Träume‘ wie ein Mantra eingeprägt. Und meine Großmutter. Weil sie einfach immer da war mit all ihrer Liebe.
Was müsste sich ändern, damit Frauen sich generell mehr zutrauen?
Isabel Gaber: Es würde helfen, wenn Scheitern weniger sanktioniert und Ausprobieren mehr ermutigt würde. Wenn Vertrauen früher geschenkt wird, wächst auch der Mut, sich Dinge selbst zuzutrauen. Mit dem Duetten-Motto „Scheiß di net an!“ besingen wir genau das. Fehlermachen ist erlaubt, bringt einen weiter. Ich glaube, dass wir das als Gesellschaft könnten, wenn wir nicht die ganze Zeit damit beschäftigt wären, andere zu bewerten und hinunterzumachen.
Gibt es Frauen, die ihr bewundert und gleichzeitig beneidet?
Michaela Scheider-Khom: Ja. Aber Neid rührt oft daher, dass jemand etwas hat oder kann, von dem man selbst nicht glaubt, dass es für einen möglich ist. Tatsache ist aber, dass wir uns so ziemlich alles ermöglichen können, wenn wir es uns nur zutrauen.
Wie kann Solidarität konkret aussehen – jenseits von Schlagworten?
Isabel Gaber: Solidarität heißt für mich, sich gegenseitig zu stärken, statt zu konkurrieren. Platz zu machen, ohne selbst zu verschwinden.
Müssen Frauen ähnlich ticken, damit sie sich gegenseitig unterstützen?
Michaela Scheider-Khom: Im Gegenteil! Es gibt kaum etwas Cooleres als Frauen, die unterschiedlich sind und sich genau deshalb finden, gegenseitig unterstützen und echtes Interesse füreinander entwickeln. Ein gutes Beispiel dafür sind wir, „Die Duetten“: Wir zwei sind wie Tag und Nacht – und genau das bereichert unser Projekt so ungemein.
Hast du selbst auch schon jemanden gefördert?
Michaela Scheider-Khom: Ich bin neben meiner Bühnentätigkeit auch Voice & Performance-Coach. Diese Arbeit kann man nur gut machen, wenn man ehrliches Interesse hat, Menschen voranzubringen. Dieses Interesse gehört zu meiner Natur. Es lebt sich besser, wenn man sich gegenseitig unterstützt.
Was wird oft übersehen, wenn wir über Gleichberechtigung sprechen?
Isabel Gaber: Dass Gleichberechtigung kein Frauenthema ist, sondern ein Gesellschaftsthema. Fakt ist: Wir sind von Gleichberechtigung noch weit entfernt, wenn man an Einkommensunterschiede, Altersversorgung und unbezahlte Care-Arbeit denkt. Aber Umbrüche funktionieren nicht über Nacht. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass wir respektvoll dranbleiben und in gemeinsamen Gesprächen weiterdenken – gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft spürbar härter und kälter wird und man meint, es gäbe wichtigere Probleme. Wir sollten Themen nicht gegeneinander aufwiegen, sondern die Komplexität des Lebens anerkennen und Verantwortung für ein respektvolles Miteinander übernehmen.
Am Weltfrauentag wünschen wir uns keine Sonderbehandlung, keine Bonuspunkte, keine rosa Bühne, sondern dass Frauen laut, lustig und unangepasst sind.
Ulrike Mayer alias „Die Mayerin“ und Isabel Gaber
Gutes Stichwort. Respektvolles Miteinander beginnt schon in Partnerschaften. Ist Halbe-Halbe realistisch oder ein Mythos?
Michaela Scheider-Khom: Es ist realistisch, aber manchmal sind es 70:30, dann wieder 10:90. Geben und Nehmen sollte man nicht messen. Man gibt so viel, wie man gerade kann. Mein sieben Tage altes Baby liegt gerade auf meiner Brust, ich kann gerade „nichts“ machen, obwohl ich natürlich viel mache. Also muss mein Mann gerade 100 Prozent geben. Wenn ich ab März wieder auf der Bühne stehe, weiß ich auch, dass er mich hinter der Bühne unterstützen wird, weil es für ihn selbstverständlich ist. Dasselbe Commitment kann er auch von mir erwarten. Das ist für uns Beziehung: gemeinsam 100 Prozent schaffen.
Macht macht attraktiv – auch bei Frauen. Warum reden wir so ungern darüber?
Michaela Scheider-Khom: Ich kann mir vorstellen, dass selbstbewusste Frauen schnell als zu dominant oder anstrengend empfunden werden und sich deshalb vielleicht oft zurückhaltend geben, wo sie eigentlich eine Machtposition einfordern sollten, weil sie es gut könnten. Ich persönlich strebe daher Weltfrauschaft an. Wer macht mit?
Wer verliert konkret an Macht, wenn Gleichberechtigung Realität wird?
Die Mayerin: Ein System, dass darauf aufbaut, dass irgendjemand die Verliererin ist.
Wenn man dir deine Bühne morgen wegnimmt – wer bist du dann?
Die Mayerin: Dann bin ich immer noch eine Sängerin und Songwriterin, die es liebt, im Tonstudio zu sitzen und neue Songs zu schreiben. Und eine Psychologin, die sich freut, wenn sich jemand in ihrer Praxis ein bisschen Unterstützung abholt. Ich liebe, was ich tue und tue was ich liebe, aber gottseidank bin ich über den Punkt hinausgewachsen, wo ich Applaus dafür brauche. Das ist sehr beruhigend.
Mitmachen und gewinnen
Die „Krone“ verlost für das Event am 14. März um 18:00 Uhr im Kulturzentrum Eisenstadt (KUZ) 5x2 Tickets. Füllen Sie einfach das untenstehende Formular aus und mit ein wenig Glück können Sie dabei sein, wenn großartige österreichische Künstlerinnen und Krativschaffende sich ein Stelldichein geben. Teilnahmeschluss ist der 12. Februar, 09:00 Uhr