Sorge um Journalismus

500 PR-Profis polieren Image der Ministerien auf

Medien
03.02.2026 15:53
Porträt von krone.at
Von krone.at

Während Redaktionen Personal abbauen müssen, wächst im Hintergrund ein anderer Apparat stetig weiter. Eine neue Erhebung zeigt, wie stark der Staat inzwischen auf Öffentlichkeitsarbeit setzt – und wirft damit Fragen über das Kräfteverhältnis zwischen Politik und Journalismus auf.

Fast 500 Personen sind im Bundeskanzleramt und in den Bundesministerien im weiteren Sinn mit Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Recherche der Tageszeitung „Der Standard“ hervor. Zählt man die Landesregierungen und größere Städte hinzu, steigt die Zahl der PR-Beschäftigten im öffentlichen Bereich auf etwas unter 1000.

Die Erhebung erfolgte vor dem Hintergrund einer seit Jahren sinkenden Zahl an Journalistinnen und Journalisten, die auf immer stärker ausgebaute PR-Abteilungen treffen.

Immer mehr PR, immer weniger Presse
Medienexperte Andy Kaltenbrunner verwies bereits im Vorjahr darauf, dass sich die Zahl der journalistischen Stellen seit der Jahrtausendwende um rund ein Drittel reduziert habe. Laut Kaltenbrunner liege die Zahl der hauptberuflich tätigen Journalistinnen und Journalisten mittlerweile bei deutlich unter 5000.

Zahlreiche gekündigte Journalistinnen und Journalisten würden aus Mangel an Jobs die Branche wechseln, manche davon in die Öffentlichkeitsarbeit, sagte Kaltenbrunner gegenüber dem „Standard“.

Angesichts dieser Entwicklung sieht der Medienhaus-Wien-Geschäftsführer ein wachsendes Ungleichgewicht. „Österreichs Journalismus mit immer weniger Personal muss immer steiler bergauf laufen am Berg der Öffentlichkeitsarbeit von Behörden und Ministerien“, so Kaltenbrunner weiter.

Erhebung zu PR-Jobs

Der „Standard“ stützte sich für seine Erhebung auf Eigenangaben der befragten Institutionen sowie auf eine teilweise eigenständige Zählung. Nicht berücksichtigt wurden Kommunikationsaufträge an externe Agenturen oder Berater. Da nicht alle angefragten Stellen vollständig geantwortet hätten, handle es sich um einen groben Überblick, betonte die Zeitung. Es sei zudem die erste derartige PR-Job-Erhebung im öffentlichen Bereich.

Sorge vor Message Control keimt auf
Entscheidend sei, wie der Personalzuwachs in den öffentlichen Stellen genutzt werde. Öffentlichkeitsarbeit könne sinnvoll sein, wenn sie Bürgerinnen und Bürgern mehr direkte Informationen und Service biete.

Gleichzeitig warnte Kaltenbrunner jedoch davor, dass PR- und Presseabteilungen auch zur politischen Message Control und zur Beeinflussung unabhängiger Redaktionen eingesetzt würden.

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