Bande vor Gericht

Pensionist „ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“

Burgenland
03.02.2026 18:30

Prozess in Eisenstadt: Eine Bande soll einem pflegebedürftigen Nordburgenländer (72) nach der Idee seiner Haushaltshilfe auf abenteuerliche Weise zigtausende Euro entlockt haben: „Er hat alles freiwillig gemacht und das Geld für sich behalten. Was er damit gemacht hat, wissen wir nicht.“

Laut Staatsanwältin habe das Quartett die Gebrechlichkeit des Pensionisten aus dem Bezirk Eisenstadt-Umgebung – er war nach zwei Schlaganfällen nicht mehr voll auf der Höhe – ausgenutzt und ihn „ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“.

Die Idee soll von der Haushaltshilfe gekommen sein, die „ein freundschaftliches Verhältnis“ zum 72-Jährigen pflegte und ihm stets „Notlagen“ vorgaukelte. Regelmäßig händigte ihr der Mann Geld aus, das nie genug war.

„Ich bin der Gerichtsvollzieher“
Die zweifach einschlägig vorbestrafte Bosnierin (53) kennt den Erstangeklagten bestens. Eines Tages im Juni 2022 stand der 50-jährige Serbe im Haus des Rentners und gab sich als Gerichtsvollzieher aus. Sollte die Haushaltshilfe nicht sofort ihre Schulden tilgen, würde sie gepfändet werden und den Pensionisten nicht mehr besuchen dürfen. Er, der Exekutor, sei zufällig auch Kreditvermittler und habe alle Formulare mit.

Der Drittangeklagte holt sich vor dem Prozess noch schnell einen Kaffee. Der gebürtige Serbe ...
Der Drittangeklagte holt sich vor dem Prozess noch schnell einen Kaffee. Der gebürtige Serbe (73) soll in die Pläne eingeweiht gewesen und als Chauffeur sowie „Tippgeber“ fungiert haben.(Bild: Krone KREATIV)

Man brachte das Opfer nach Wien, wo es bei einer Bank einen Kredit über 30.000 Euro abschloss. Das Geld sollen die Angeklagten unter sich aufgeteilt haben.

Kredit über 65.000 Euro aufgenommen
Einen Monat später legte der 72-Jährige beim Kreditvermittler Protest ein, weil ihm die Raten zu hoch schienen. Also „umschulden“ bei einer günstigeren Bank! Man karrte den Mann nach Salzburg, wo er ohne sein Wissen einen Kredit über 65.000 Euro aufnahm, die wiederum geviertelt wurden.

Außerdem soll der Nordburgenländer dem Sohn der Haushaltshilfe ein Auto im Wert von 17.500 Euro zumindest teilfinanziert haben.

Opfer vor zwei Jahren verstorben
„Es war alles freiwillig! Er war bei bester Gesundheit. Ich habe ihm das ganze Geld übergeben und nur die Provision einbehalten. Was er damit gemacht hat, weiß ich nicht“, so der Erstangeklagte beim Prozess in Eisenstadt, bei dem man sich auf die Niederschrift der Anzeige verlassen muss, die im Beisein der Stieftochter erstattet wurde: Das Opfer verstarb im Februar 2023. Nicht zuletzt deshalb plädieren alle vier Anwälte auf Freispruch für ihre Mandanten: „Niemand weiß, was tatsächlich passiert ist.“

Frau Rat vertagt, etliche Zeugen stehen noch aus. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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