„Krone“-Interview

Wincent Weiss: „Bin in einer schönen Lebensphase!“

Musik
04.02.2026 09:00

In einer Welt, die immer schneller wird, setzt Wincent Weiss bewusst auf Entschleunigung. Sein neues Album „Hast du kurz Zeit“ erzählt von Zeit, Liebe und Reflexion. Mit mehr als 1,7 Milliarden Abrufen auf seine Songs und mehr als 2,2 Millionen Follower auf seinen Social-Media-Kanälen zählt der 33-Jährige zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Popkünstlern. Im Interview mit uns spricht er über Zweifel, Heimat und das bewusste Innehalten.

kmm

Wie viel Zeit nehmen wir uns eigentlich für uns selbst? Wie viel braucht es, um sich etwas Gutes zu tun – inmitten eines Alltags, der oft viel zu schnell an uns vorbeizieht? Kann man kurz stehen bleiben, tief durchatmen, vielleicht sogar ein ganzes Album hören und für einen Moment in eine eigene kleine Traumwelt eintauchen? 
Musik kann genau das. Und oft braucht es dafür gar nicht viel Zeit. Manchmal reichen ein paar Minuten, ein Song, eine Melodie, um sich selbst ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Vollblut-Künstler Wincent Weiss hat genau darüber ein Album geschrieben. Über die Zeit. Über das Innehalten. Über das Zurückblicken und das Nach-vorne-Schauen. Sein mittlerweile fünftes Studioalbum „Hast du kurz Zeit“, das vor wenigen Wochen erschienen ist, nimmt sich diese Momente – und lädt dazu ein, sie gemeinsam zu erleben. Kurz vor Release, seinem Geburtstag und mit frisch blondem Look sprechen wir mit dem 33-Jährigen in einem Zoom-Interview über Liebe, Veränderung und das bewusste Ankommen im Jetzt.

„Krone“: Du hast gerade dein neues Album veröffentlicht, „Hast du kurz Zeit“. Wie ist der Titel denn entstanden?
Wincent Weiss: Ich arbeite bei jedem Album mit einem Projektnamen – dieser hieß einfach „Zeit". Anderthalb Jahre lang, während ich an der Platte geschrieben habe. Ich habe gemerkt, dass ich in den letzten zehn Jahren viel erlebt habe und dass alles irgendwie mit Zeit zu tun hatte. Jeder Song hatte diesen Bezug. Kurz vor Schluss ist dann der Track „Hast du kurz Zeit“ entstanden. Diese kleine Frage fand ich spannend, – ob jemand eventuell kurz Zeit hat, sich auf 18 Songs und rund 40 Minuten Musik einzulassen (lacht).

Was bedeutet denn Zeit heute für dich persönlich?
Je älter man wird, desto mehr lernt man, die Zeit wertzuschätzen. Früher konnte sie für mich nicht schnell genug vergehen – ich wollte, dass Weihnachten ist, dass Geburtstag ist, dass Urlaub ist. Heute wünsche ich mir oft, dass die Zeit langsamer vergeht. Ich will mehr genießen, weil ich merke, wie schnell alles vorbeigeht. Das ist manchmal auch beängstigend, weil Zeit die Einzige ist, die man nicht aufhalten kann.

Sein Album ist eine bunte Mischung aus Balladen, Pop-Hymnen und nachdenklichen Zwischentönen.
Sein Album ist eine bunte Mischung aus Balladen, Pop-Hymnen und nachdenklichen Zwischentönen.(Bild: Sebastian Balz)

Auf deinem neuen Album gibt es sehr unterschiedliche Stimmungen – etwa bei „Sommer der bleibt“ oder „Lang nicht hier“. Wie hast du entschieden, welche Songs es auf dem Album schaffen?
Ich habe für das Album ungefähr 35 Songs geschrieben. Am Anfang war es sehr euphorisch, dann wurde es plötzlich deutlich düsterer. Aber das hat nicht zu meiner aktuellen Situation gepasst. Ich bin gerade in einer sehr schönen Lebensphase – und da wollte ich kein Album machen, das sich zu schwer anfühlt. Deshalb habe ich viele düstere Songs rausgenommen und mehr positive behalten. Trotzdem war mir wichtig, dass das Album vielseitig bleibt. 

Was sollen denn die Menschen nach dem Hören fühlen?
Es soll glücklich beginnen, zwischendurch zum Nachdenken anregen und am Ende einfach ein gutes Gefühl hinterlassen. Genau wie meine Konzerte. Ich möchte nicht, dass jemand mit einem Kloß im Hals zurückbleibt, sondern mit positiven Gedanken. Deshalb endet das Album auch bewusst groß und hymnisch – mit dem Gefühl: Das war intensiv, aber gut.

Drei Songs fallen besonders auf und klingen wie eine Trilogie: „Letzte Liebe“, „Letzter Song“ und „Letzter Zug“. 
So geplant war das gar nicht (lacht). Aber es passte dann einfach. Ich bin in einem Alter, in dem man Dinge abschließt. Der Rückblick auf erste große Lieben und auf Erfahrungen, die einen geprägt haben. Es gibt im Leben schlechte letzte Dinge – da ist man froh, dass sie vorbei sind. Aber es gibt auch schöne letzte Dinge, die man für immer festhalten möchte. Die Vorstellung von der letzten großen Liebe gehört für mich einfach dazu.

Zehn Fakten über Wincent Weiss

  • Meer oder Berge?
    Ich bin definitiv Team Meer. Ich komme von der Ostsee – deshalb immer Meer.
  • WhatsApp oder FaceTime?
    Meine Freunde bekommen von mir eher einen Video-Call. Wenn, dann FaceTime.
  • Duschen mit Musik oder in der Stille?
    Immer Stille.
  • Pommes mit Ketchup oder Mayo?
    Ketchup
  • Was darf in deinem Koffer niemals fehlen?
    Meine Zahnbürste. Ich reise mit sehr leichtem Gepäck. Ich war gerade fünf Wochen unterwegs – mit einem Rucksack.
  • Was nervt dich an dir selbst?
    Ich bin oft zu ungeduldig. Vor allem, wenn Technik nicht funktioniert, da könnte ich ausflippen.
  • Was liebst du an dir selbst?
    Dass ich meine Liebe zur Musik nicht verliere und dass ich jeden Tag das mache, was ich liebe – Außerdem bin ich diszipliniert und ehrgeizig.
  • Stressiger Tag: schnell kochen oder gemütlich bestellen?
    Bestellen
  • Lieber unsichtbar sein oder Gedanken lesen?
    Unsichtbar sein.
  • Was willst du in zehn Jahren über dich sagen können?
    In zehn Jahren habe ich wahrscheinlich schon fünf Kinder und bin hoffentlich ein guter Ehemann.

Lässt du bewusst offen, ob diese Liebe real ist oder nur eine Idee?
Ich rede in meinen Alben immer von mir selbst. Wer meine Musik kennt, weiß ziemlich genau, in welcher Lebensphase ich gerade bin (grinst). Das erste Album war Ankommen in der Musikwelt, das zweite die Verarbeitung der ersten Beziehung, das dritte die Findungsphase, das vierte das Wiederankommen im Norden. Und dieses Album steht für das Finden der Liebe. Ich hoffe nämlich, dass das etwas Bleibendes ist.

Du singst in „Gut genug“ erst „Bin ich gut genug?“ – dann ist da diese Pause – und später „Ich bin gut genug“. Was passiert denn in dieser Pause?
Ich bin sehr perfektionistisch und frage mich jeden Tag, ob das, was ich mache, reicht. Man jagt ständig diesem Höher-schneller-weiter-Gedanken hinterher und vergleicht sich mit anderen. Diese Pause ist das Innehalten. Kurz zurückschauen und merken: Eigentlich ist gerade schon sehr viel gut. Man ist gesund, darf seinen Traum leben – und vergisst das viel zu oft. Diese Pause soll daran erinnern, dankbar zu sein.

Zweifel begleiten dich also noch?
Ja, aber ich gehe heute anders damit um. Früher haben mich Kommentare und Meinungen von außen viel stärker beeinflusst. Heute ist mir das meiste egal geworden. Ich kann nicht ändern, was andere denken. Das muss man lernen. Gerade junge Menschen haben damit ein großes Problem, weil alles bewertet wird. Aber wenn man anfängt, mehr auf sich zu hören als auf andere, wird vieles leichter.

Du hast auch offen über schwere Phasen gesprochen. Wie geht es dir heute mental?
Viel besser. Ich habe gelernt, mir Zeit für mich zu nehmen – und Dinge abzusagen. Ich plane mir diese Zeit sogar fest in den Kalender ein: Sport, Motorradfahren, einfach allein sein. Nach Konzerten fahre ich oft allein im Auto, statt direkt wieder unter Menschen zu sein. Diese Ruhephasen sind extrem wichtig, um zu reflektieren und bei sich zu bleiben. Zeit ist da wirklich der Schlüssel.

Du hast lange keinen festen Ort gehabt und bist schließlich in den Norden zurückgekehrt. Ist das bis heute dein Zuhause geblieben?
Ja. Ich lebe auf dem Dorf mit etwa 100 Einwohnern. Die Ostsee ist meine Heimat. Ich pendle zwar zwischen Norden und Süden, habe mir in München eine kleine Arbeitswohnung eingerichtet, aber die Heimat bleibt der Norden.

Dein Song „Lang nicht hier“ klingt sehr nach Heimat.
Das ist er auch. Der Song ist an der Ostsee entstanden. Barfuß im Sand, Fußabdruck, dann kommt die Welle und weg ist der Abdruck und immer so weiter. Für mich geht es darin um den Norden, um Freunde, Familie, dieses Gefühl von Ankommen. Nicht um einen bestimmten Ort, sondern um alles, was Heimat ausmacht.

Wenn du unterwegs bist und gleichzeitig so stark mit dem Gefühl von Heimat verbunden bleibst: Wie fühlt es sich an, diese Songs im August bei deinem Open Air in Wien live zu teilen? Was können die Fans dort erwarten?
Eine bunte Mischung aus allen fünf Alben. Rund 25 Songs, viele Überraschungen, ein neues Bühnendesign. Es soll wie das Album sein: eine Reise. Zwei Stunden abschalten, nachdenken, glücklich nach Hause gehen.

Und privat – bleibt dir ein wenig Zeit für Wien?
Ich war bisher größtenteils beruflich dort. Vielleicht schaffe ich es dieses Mal, zumindest ein bisschen durch die Stadt zu fahren – am liebsten mit dem Rad. Sport gehört für mich auch auf Tour dazu, also werde ich mir dort ein kleines Fitnessstudio raussuchen (lacht).

Und privat – bleibt dir ein wenig Zeit für Wien?
Ich war bisher größtenteils beruflich dort. Vielleicht schaffe ich es dieses Mal, zumindest ein bisschen durch die Stadt zu fahren – am liebsten mit dem Rad. Sport gehört für mich auch auf Tour dazu, also werde ich mir dort ein kleines Fitnessstudio raussuchen (lacht).

Apropos Sport: Du trainierst für einen Marathon und bist leidenschaftlicher Motorradfan. Woher kommt das?
Ja. Ich brauche jedes Jahr eine sportliche Challenge. Letztes Jahr bin ich spontan einen Halbmarathon gelaufen, im April laufe ich in Hamburg den ganzen Marathon. Danach mache ich noch ein Hyrox-Event. Klingt ein bisschen nach Midlife-Crisis, aber ich wollte das immer mal machen. Das Motorrad fahren wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Meine Mama, mein Opa und mein Onkel – alle sind gefahren.

Zum Schluss: Dein Rat an junge Musiker?
Nicht aufhören. Bei mir hat es sechs Jahre gedauert, bis der erste Song funktioniert hat. Heute gibt es so viele kostenlose Plattformen – nutzt sie. Ladet eure Musik hoch, traut euch. Content ist das größte Gut unserer Zeit. Wenn niemand eure Musik hört, kann sie auch niemand lieben.

Wer sich diese Zeit von Wincent nicht nur anhören, sondern live erleben möchte, bekommt dazu am 6. August in Wien in der METAStadt (www.oeticket.com) Gelegenheit, wenn der verträumte Künstler sein neues Album unter freiem Himmel auf die Bühne bringt.

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