„Rudi gib acht“, „Eismeer“ und „Millionen zählen nicht“ – Songs von Minisex, die auch mehr als vier Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung nichts an Charme verloren haben. Zu finden sind sie auf dem Album „Ayo“, das Sänger Rudi Nemeczek im Gespräch mit der APA als „Zeitkapsel“ bezeichnet. Sony Music hat die Lieder nun remastern lassen und auf rotes „marbled“ Vinyl gepresst sowie digital neu herausgebracht.
„Das war eigentlich das erfolgreichste New-Wave-Album“, übt sich Nemeczek nicht in falscher Bescheidenheit. „Man muss sich vorstellen, da sind drei Hits drauf, die immer im Radio gelaufen sind – gemeinsam ungefähr 1000 Mal im Jahr. Und sie werden immer noch gespielt.“
„Wir waren nicht Austropop“
Erstmals auf Schallplatte waren Minisex auf dem legendären, 1979 erschienen Sampler „Blutrausch“ u.a. neben Drahdiwaberl und Chuzpe vertreten. Es folgte das Debüt „Minisex“ und die LP „Bikini Atoll“ mit den Hits „Ich fahre mit dem Auto“ und „Du kleiner Spion“. Nemeczek: „Das war ein Einschnitt. Denn wir waren nicht Austropop. Wir haben Pop neu definiert. Es gab keine Poptradition in Österreich. Im Gegensatz zu den sehr erfolgreichen Liedermachern von damals haben wir eine andere Sprache gepflegt und eingeführt. Sie hat von Verkürzung gelebt.“
Beim Produzieren des „Bikini Atoll“-Nachfolgers „Heiße Spur“ brach allerdings „das große Rätselraten“ aus, „wie wir es angehen sollten. Das war dann ein natürliches Scheitern“, gesteht Nemeczek. Beim Arbeiten an „Ayo“ sollte alles wieder aus der Intuition heraus passieren. „Das ist uns gelungen. Das Album war kommerziell sehr erfolgreich, mittlerweile ist es ikonisch.“
„So deppert kann das nicht gewesen sein“
Seinerzeit seien nicht alle von Minisex, ihren Texten und ihrem Stil überzeugt gewesen, sagt der Sänger. „Manche Leute aus der etablierten Szene haben geglaubt, dass wir Vollidioten sind. Ich war später einer der erfolgreichsten Werbekreativdirektoren in Österreich. So deppert kann das gar nicht gewesen sein.“
Nicht nur mit eigener Musik prägten Minisex die heimische Musiklandschaft. „Wir hatten auch ein Label und produzierten Leute wie Hansi Lang und Tom Petting. Wir sind stolz, einen neuen Impuls mitausgelöst zu haben.“ Vieles, was heute passiert, beziehe sich auf das Schaffen dieser Zeit in den 80er-Jahren, ist Nemeczek überzeugt. „Bilderbuch zum Beispiel haben nicht ohne Grund eine Nummer von uns gecovert.“
Verdammt authentisch
Heuer spielen Minisex als Support von Seiler und Speer bei großen Open-Airs. „48 Jahre nach der Bandgründung empfinde ich das als Kompliment. Warum gelingt uns das? Weil wir verdammt authentisch sind“, schmunzelt Nemeczek. Überzeugen kann man sich davon mit „Ayo“. Wer das lieber digital tut, der bekommt beim Streaming den Christopher-Just-Remix von „Spiele mit den UFOs“ als Bonus.
APA/Wolfgang Hauptmann
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