Verhandlung ausgesetzt

KV-Gespräche: In Gastronomie fliegen die Fetzen

Wirtschaft
04.02.2026 15:20

In der Gastronomie brodelt es – und diesmal nicht wegen Personalmangel. Denn während der Kollektivvertragsverhandlungen soll es zu scharfen Angriffen eines Gewerkschafters gekommen sein, weshalb die Arbeitgeberseite nun das Auftaktgespräch absagte. Die Fronten sind verhärtet. 

Eigentlich hätten die KV-Gespräche am Donnerstag starten sollen, doch daraus wird wohl vorerst nichts. Stein des Anstoßes war eine scharf gehaltene Aussendung des vida-Gewerkschafters Roman Hebenstreit im Vorfeld. 

„Systematischer Subventionsmissbrauch“
Darin sprach Hebenstreit von einem „rekordverdächtiger Skandal hinter der Tourismus-Glitzerfassade“. Während man in Wirtschaft und Politik die Rekordzahlen der Nächtiungen bejuble, würden im Hintergrund millionenschwerer Sozialbetrug, „strukturelles Zwischenparken beim AMS auf Kosten der Steuerzahler“ und ein „systematischer Subventionsmissbrauch“, etwa durch die COFAG, stattfinden. 

Gewerkschafter Roman Hebenstreit erzürnte mit einer Aussendung die Arbeitgeberseite.
Gewerkschafter Roman Hebenstreit erzürnte mit einer Aussendung die Arbeitgeberseite.(Bild: krone.tv)

„Während Beschäftigte im Tourismus jeden ihrer Euros zweimal umdrehen müssen, gilt für Konzerne offenbar das Wall-Street-Gordon-Gekko-Prinzip: Gier ist gut – vor allem, wenn der Staat sie finanziert. Das nenne ich eine fette Rendite auf Kosten der Steuerzahler!“, ließ Hebenstreit wissen. 

Arbeitgeber: „Rote Linie überschritten“
Die Arbeitgeberseite reagierte erwartungsgemäß empört, es sei mit dem „untergriffige Tonfall“ Hebenstreits „eine rote Linie“ überschritten worden: „Wer eine ganze Branche in dieser Form unter Generalverdacht stellt, schadet allen Beteiligten. Nicht, weil Kritik unerwünscht wäre, sondern weil pauschale Unterstellungen Vertrauen zerstören, das die Basis der Sozialpartnerschaft ist.“

In einem offenen Brief der Obleute der Fachverbände Hotellerie und Gastronomie, Georg Imlauer und Alois Rainer, heißt es weiter: „Gerade jetzt, wo es insbesondere wieder der Tourismus ist, der als Wirtschaftsmotor Wertschöpfung und Beschäftigung schafft und in vielen Gemeinden und Tälern die wirtschaftliche und soziale Lebensader ist, betätigen Sie sich als politischer Geisterfahrer und diffamieren mehr als 65.000 Unternehmer:innen sowie deren Mitarbeiter:innen. Das ist kein Beitrag zu besseren Arbeitsbedingungen, sondern zur Spaltung der Bevölkerung.“

Verhandlungen liegen auf Eis
Hebenstreit und die vida würden damit ihren eigenen Mitgliedern einen „Bärendienst“ erweisen: „Solange von Ihrer Seite keine Bereitschaft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit erkennbar ist, fehlt die Grundlage für seriöse Verhandlungen. Daher sehen wir uns als Vertreter der Gastronomie und Hotellerie in Österreich gezwungen, die anstehenden KV-Verhandlungen auszusetzen.“ Von Hebenstreit erwarte man sich, dass er „seine Entgleisungen korrigiere“ sowie eine Entschuldigung. Bis dahin wird erst einmal nicht verhandelt. 

Hebenstreit äußerte am Mittwochnachmittag sein „Bedauern“ über den „überzogenen Schritt“ der Arbeitgebervertreter auf Basis „berechtigter Kritik“. „Verhandlungsverweigerung löst keine Probleme.“ Und: „Gerade um die vielen rechtschaffenen Betriebe nicht in Verruf zu bringen, ist es notwendig, Negativbeispiele klar zu benennen.“ Auf den Ruf nach einer Entschuldigung ging der Gewerkschafter erst gar nicht ein. Er forderte die Arbeitgeberseite auf, rasch Gespräche aufzunehmen.

Unklar, wie es für Mitarbeiter weitergeht
Laut vida-Angaben arbeiten rund 200.000 bis 240.000 Menschen im Regime des Hotellerie-/Gastro-Kollektivvertrags. Saisonbedingt gibt es Schwankungen. In Tourismusbundesländern gibt es einzelne eigene KV-Regelungen. Wie es nun mit den eigentlich anstehenden Gesprächen zu ihrem neuen Kollektivvertrag weitergehen soll, ließen sowohl ihre Vertreter der Arbeitgeber von der Wirtschaftskammer (WKÖ) als auch jene der Arbeitnehmer von der Gewerkschaft vida am Mittwoch offen.

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