„Krone“-Kommentar

Stockers erste große Rede: Ein bisschen mehr Mut

Kolumnen
31.01.2026 12:00

Der ORF legte den Neujahrsauftakt der ÖVP wie einen Staatsevent an. Vorberichterstattung, Livestream, Analyse. Fast zwei Stunden berichtete man, sehr zum Ärger der FPÖ, aus der Wiener Metastadt. Dort hielt Christian Stocker seine erste große Rede als Bundeskanzler – und das nicht nur an eine illustre Schar von Gästen, sondern gleich an die ganze Nation.

Da betrat um 11.27 Uhr ein Politiker die Bühne, der alles andere als ein Showman ist. Sagt „vielen, vielen, vielen Dank“ zum überschwänglichen Applaus. Spannt den Bogen von seinem Großvater in Stalingrad zu den Kindern von heute in einer sich neu ordnenden Welt. Und packt dabei mit gleichbleibend freundlicher Miene alles hinein, was seine Klientel hören will: „Ich werde 2026 zum Jahr des Aufschwungs machen“, sagte Stocker um 11.58 Uhr. Und kündigt auch gleich eine Handelsoffensive an.

Bis auf „Helle Köpfe statt finstere Gestalten!“ war das keine Wutrede. Sondern eine Mutrede.

Ein bisschen mehr Mut hätte hingegen der Vorstoß für ein starkes Bundesheer vertragen. Dass die Österreicher per Volksbefragung entscheiden sollen, in welcher Form die Wehrpflicht verlängert wird, ist prinzipiell begrüßenswert. Aber warum sollten die Soldaten in neun Monaten etwas erlernen, was in sechs Monaten nicht möglich wäre?

Mutiger wäre gewesen, erst ein Verteidigungskonzept vorzulegen und dann jene Ausbildung zu definieren, die es für dessen Realisierung benötigt. Nur länger zu „dienen“, das wird nicht reichen.

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