Happy Birthday

Jerry Cantrell: Die Grunge-Kult-Legende wird 60

Musik
18.03.2026 05:00

Er überlebte als einer der wenigen großen Ikonen die Grunge-Phase und schrieb als Gründer und Haupt-Songwriter von Alice In Chains Musikgeschichte – heute, am 18. März, feiert Gitarrist Jerry Cantrell seinen 60. Geburtstag. Die „Krone“ hat nachgefragt, wie er zu seiner einzigartigen und schwierigen Karriere steht.

kmm

Kurt Cobain, Layne Staley, Chris Cornell, Andrew Wood, Mike Starr oder Mark Lanegan – mit toten Helden aus der Grunge-Ära lassen sich ganze Bücher füllen. Als Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden, Alice In Chains und Co. ab 1991 die Musikwelt eroberten und den grenzenlosen Hedonismus der 80er-Jahre in die Versenkung verbannten, war noch nicht absehbar, dass der intrinsische Szenen-Hedonismus in Form eines toxischen Cocktails aus allerlei Drogen, Depressionen und zu schnellem Erfolg zu so viel Leid führen würde. Der Grunge war vor dem Britpop und dem Nu-Metal die drittletzte wirklich große Revolution im Gitarrenbereich und zerschellte mit Hochgeschwindigkeit am eigenen Image. Eine fast schon tragikomische Geschichte, der es aber völlig an Komik fehlt und wo die Tragödie ausufernd im Vordergrund steht. All diese Dramen bekam Gitarrist Jerry Cantrell aus erster Hand mit. Als Chef der legendären und nach kurzer Pause seit 2005 wieder aktiven Alice In Chains ist er einer der letzten lebenden Hauptprotagonisten des Grunge und feiert heute, am 18. März, seinen 60. Geburtstag.

Rechtzeitig die Reißleine gezogen
Mit einem Soloprogramm war er zuletzt beim Nova Rock 2025 bei uns vorstellig, wo wir den sympathischen wie auch coolen Kultgitarristen zum kurzen Gespräch trafen. Als Chorknabe kann man Cantrell freilich nicht bezeichnen. Suchtmittelmissbrauch und übertriebener Alkoholismus zerstörten auch fast sein Leben. 2003 zog er mithilfe von guten Freunden und einer ausgedehnten Rehab den Stecker, quasi fünf vor Zwölf, und verließ mit Ende 30 einen jahrzehntelangen, toxischen Zirkel, der beinahe so fatal geendet hätte wie bei vielen seiner Freunde. Mit der zweiten Inkarnation von Alice In Chains beruft sich Cantrell nicht nur auf die große Vergangenheit, sondern schreibt mit seinem alten Kompagnon Sean Kinney mit Sänger William DuVall auch gutklassige neue Alben. 2024 erschien zuletzt sein Solowerk „I Want Blood“, das sich unweigerlich mit seiner Bandhistorie messen muss. Davon lässt er sich beim Songwriting aber nicht verunsichern.

(Bild: Andreas Graf)

„Ich tue das, was ich immer tue – ich schreibe einfach Songs. Natürlich weiß ich, dass viele Songs meiner Band kultisch verehrt werden und einen gewissen Zeitgeist prägen, so etwas darf dich als Künstler in der Gegenwart aber nie blenden. Ich gehe mit offenem Herzen und offenem Geist an jedes neue Projekt heran und nach ein paar Wochen oder Monaten formt sich bestenfalls etwas, das dann irgendwann zu einem Album wird. Würde ich nicht hinter dem Material stehen, dann würde ich es nicht veröffentlichen. Es steht und fällt alles mit der Qualität und ich bin zu mir selbst unheimlich streng. Musikmachen ist auch nach mehr als 40 Jahren meine große Leidenschaft. Dann habe ich das Glück, dass ich durch meine Musik die Welt sehen darf und an Ecken komme, die ich sonst nie kennenlernen würde. Ich habe ein durchaus gesegnetes Leben.“ Auf dem letzten Soloalbum arbeitete Cantrell mit Größen wie Greg Puciato (Dillinger Escape Plan), Duff McKagan (Guns N‘ Roses), Robert Trujillo (Metallica) oder Mike Bordin (Faith No More) zusammen.

Ideen niemals wegwerfen
„Ich habe das große Glück, dass einige der besten Musiker der Welt mit mir zusammenarbeiten wollen“, lacht der Gitarrist, „das sind nicht nur herausragende Instrumentalisten oder Sänger, sondern sie gehören außerdem zu Bands, die ich selbst bewundere und über alle Maßen schätze. Es ist immer spannend zu erkunden, wie man miteinander klingt und was man sich gegenseitig alles geben kann. Ich liebe es, mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten, weil es gegenseitig befruchtet und allen hilft.“ Von industriellen Vorgaben oder Deadlines lässt sich eine verdiente Legende wie Cantrell indes nicht mehr außer Tritt bringen. „Ein Album kann ein Jahr dauern, es kann aber auch mehrere Jahre brauchen. Je nachdem, wie die Ideen fließen und ob die Kreativität zuschlägt oder nicht. Ich bin ein regelmäßiger Ideensammler und wenn ich genügend habe, setze ich sie zusammen und erarbeite mir Lieder. Wenn ich in all den Jahren etwas gelernt habe, dann, dass man Ideen niemals wegwirft. Sie mögen im Moment unsinnig wirken, können in anderen Lebensphasen aber Puzzles lösen.“

(Bild: Andreas Graf)

Seit Jahren gibt es Gerüchte über eine Kooperation zwischen Cantrell und Metallica-Frontmann James Hetfield. 2006 verstärkte er beim Nova Rock die Bühne beim Metallica-Gig, um mit ihnen „Nothing Else Matters“ zum Besten zu geben. Wie ist da nun der Status quo? „Wir sind so lange befreundet, Metallica sind wie erweiterte Familienmitglieder von mir. Wir schätzen uns gegenseitig und haben unsere Bands immer gut und respektvoll behandelt. Wir haben schon mal für einen Lynyrd-Skynyrd-Song zusammengearbeitet, aber noch kein Lied gemeinsam geschrieben. Vielleicht wird es irgendwann einmal was damit, aber diese Dinge müssen passieren. Man kann sie nicht erzwingen.“ Dass seine Fans natürlich nach den Klassikern aus den 90ern rufen, sieht Cantrell als Geschenk und nicht als Belastung. „Es ist ein Luxus, wenn man ein abendfüllendes Konzertset mit Songs ausstaffieren kann, die der Großteil der Menschen kennt. Die Menschen nicht nur kennen, sondern sie richtiggehend berühren. Ich bin äußerst dankbar dafür.“

Verdient im Rockclub
Sich mit den Klassikern aus der Vergangenheit zu messen ist freilich schwierig. „Das darf man nicht, denn da spielen Erinnerungen, Nostalgie, der richtige Zeitpunkt und viele andere Dinge eine Rolle. Ich will gute Songs schreiben, die die Leute mögen. Wenn ein Lied längerfristig Erfolg hat, ist das umso schöner, aber es ist kein Muss. Ich verschwende so wenig Lebenszeit wie möglich damit, mir zu überlegen, was die Menschen über meine Musik denken. Ich schätze den Respekt und die Liebe, die vielen Liedern entgegengebracht wird, aber das ändert nichts an meiner Art und Weise, wie ich Songs schreibe.“ Mit seinem Leben ist der frischgebackene 60-Jährige glücklich. „Alles in allem war es bislang ein guter Ritt“, lacht er, „ich wollte schon als Kind Musiker sein und dieser Plan ging früh auf. Ich habe mir den Eintritt in den Rockclub erarbeitet und verdient und es freut mich, auf Festivals all diese jungen Bands zu sehen, die eigene Ideen haben, vielleicht von uns inspiriert sind und die Rockmusik weitertragen. Es gibt keinen Besten in der Musik. Ich bin Teil der ganzen Geschichte und das macht mich glücklich.“

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