Wirt mit Boykottaufruf

Abzocke! Ex-Elitesoldat schießt gegen Gastroszene

Tirol
30.01.2026 18:00

Das große Bier um über sieben Euro, Kaltgetränke für fast sechs Euro oder ein Schmalzbrot für gesalzene 14,50: Solche Preise auf Hütten im Tiroler Tannheimer Tal haben Gastronom Tom Waibel auf die Palme getrieben. Die Wut entlud sich in einem Post in den sozialen Medien. Die „Krone“ traf sich mit dem Ex-Elitesoldaten, der auch in Afghanistan stationiert war.

In der kalten Jahreszeit hat die Fischerhütte Tannheim des gebürtigen Allgäuers geschlossen. Diese Zeit nutzte der 41-Jährige jetzt, um die Preise der diversen Hütten in der Region samt dem benachbarten deutschen Allgäu unter die Lupe zu nehmen. Dabei hat er einige „schwarze Schafe“, wie er sie nennt, entdeckt. Die seien, seiner Meinung nach, ausschließlich auf Gewinnmaximierung aus. 

„Maximales Auspressen“ der Gäste
Das Fass zum Überlaufen brachte, wie der frühere Feldwebel der deutschen Bundeswehr im Gespräch vor Ort mit der „Krone“ betont, die Speisekarte einer Tiroler Alm, die ihm ein Freund zugeschickt hatte. „Dort kostet ein Schmalzbrot 14,50 Euro. Ein Germknödel ist darauf um mehr als 15 Euro erhältlich.“ Und viele andere Preise machten auf ihn den Eindruck, als seien „sie in der Glaskugel entstanden“. Vieles sei nicht seriös und fair kalkuliert, sondern einfach für „maximales Auspressen“ der Gäste.

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Qualität, ja. Regional, ja. Fair kalkuliert, ja. Aber Abzocke? Nein, danke!

Tom Waibel, Wirt der Fischerhütte Tannheim

Nach der Lektüre der Speisekarte konnte sich der wortgewaltige Wirt nicht mehr zurückhalten. Sie bildete die Initialzündung für einen emotionalen Videopost in den sozialen Medien, der mit bisher fast 600.000 Aufrufen durch die Decke ging. Darin fordert er mit deftigen Worten dazu auf, solche „Abzocker“ in der Branche zu boykottieren. „Qualität, ja. Regional, ja. Fair kalkuliert, ja. Aber Abzocke? Nein, danke!“ Rund 20.000 Likes und mehr als 1000 Kommentare waren die Folge. Die überwiegende Mehrheit der Poster stimmte Waibel bei seiner Kritik zu.

Wirt Tom Waibel: Seine Brandrede ging in den sozialen Medien viral.
Wirt Tom Waibel: Seine Brandrede ging in den sozialen Medien viral.(Bild: Peter Freiberger, privat)

„Vertrauen geht verloren“
Freilich sieht der eine oder andere Wirt in Waibel nach seinem Post auch einen „Nestbeschmutzer“. „Ich habe nur einige schwarze Schafe hervorgehoben“, kontert er.

Gastronomen, die nur auf Gewinnmaximierung setzen, würden nämlich der Branche insgesamt und letztlich auch der ganzen Region schaden. „Gäste bleiben weg, Vertrauen geht verloren“, befürchtet Waibel. Die sei in zahlreichen Studien belegt.

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Wie kann ich für ein Skiwasser einen Preis von 5,90 Euro argumentieren? Das ist ein Sirup mit Wasser und gerade bei Kindern sehr beliebt.

Tom Waibel

Er hat einen anderen Ansatz. „Wenn eine Männertruppe bei mir einkehrt und ich es schaffe – durch ein nettes Ambiente, durch einen fairen Preis –, dass die nicht nur ein Bier, sondern mehrere konsumieren und auch noch etwas essen, dann haben am Ende des Tages alle mehr davon“, erklärt er und ergänzt: „Ich rede nicht von billigen Preisen, sondern von fairen!“

Etwas Sirup mit Wasser fast sechs Euro
In seiner Fischerhütte verlangt er für ein großes Bier 4,50 Euro, denselben Preis für ein großes „Weizen“. Kaltgetränke wie ein großer gespritzter Apfelsaft kosten 3,50 Euro, ein Skiwasser schlägt mit drei Euro zu Buche. „Wie kann ich für ein Skiwasser einen Preis von 5,90 Euro argumentieren?“, stellt er in den Raum. „Das ist ein Sirup mit Wasser und ein Getränk, das gerade bei Kindern hoch im Kurs steht.“

Tom Waibel in seinem Element
Tom Waibel in seinem Element(Bild: privat)

Und ein Käsebrot für über 13 Euro
Der Kollege, der Waibel als Nestbeschmutzer sieht, der die Strukturen nicht kenne, verkauft ein Käsebrot für 13,20 Euro. Waibel hält dagegen: „Wenn jetzt dieses Käsebrot irgendwo um den Bereich 9,50 Euro kostet, würde kein Mensch auf dem Planeten irgendetwas sagen. Selbst zehn Euro wären in Ordnung, für den Fall, dass es sich um einen regionalen Bergkäse handelt.  Bei mir kostet eine ganze Käsebrotzeit, ich glaube, 14 Euro – mit vier Scheiben Brot dabei. Bin jetzt ich der Idiot oder ist er der Schlaue?“ Waibel weiß jedenfalls, dass er mit seiner Kalkulation definitiv „durchkommt“.

Der 41-Jährige sieht sich freilich nicht als „Samariter“. „Natürlich möchte ich Geld verdienen“, betont er. Aber er verfolge dafür eben einen anderen Ansatz. „Ich überlege, wie ich es schaffe, mehr Leute zu mir zu bekommen, die mich weiterempfehlen und wieder bei mir einkehren. Wenn mir das gelingt, dann habe ich gewonnen.“

„Dann müssen sie im Winter etwas anderes arbeiten“
Und den Einwand, ein Hüttenwirt müsse im Sommer so viel verdienen, dass er den Winter finanziell übersteht, lässt er ohnehin nicht gelten. „Wenn meine Hütte im Winter geschlossen hat, muss ich in dieser Zeit eben etwas anderes arbeiten“, lacht er.

Gesagt, getan: In der kalten Jahreszeit verdient Tom als Pistenretter am Füssener Jöchl in Grän seinen Lebensunterhalt. Im April geht es dann in der Fischerhütte wieder los.

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