Am 4. Juli hatten mehrere Öffi-Fahrer in Wien einen großen Schutzengel. Ein 36-jähriger Pole schoss mit einem Gewehr aus dem Fenster seiner Wohnung, die Kugel durchschlug eine Straßenbahn. Wegen mehrfacher Mordversuche sitzt der Pole vor Geschworenen und kommt mit der Mindeststrafe davon. Beängstigend: Die Waffe kaufte der Alkoholkranke während einer stationären Therapie.
Riesengroßer Polizeieinsatz in Wien-Penzing am 4. Juli. Die Spezialeinheiten WEGA und Cobra sperren großräumig das Areal um die Hütteldorfer Straße ab – auch mit Panzerfahrzeugen. Im Zentrum: Eine Bim der Straßenbahnlinie 52. Denn rund um Mittag durchschlug auf einmal eine Kugel die Scheibe der Garnitur. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.
„Nur aus Glück nicht getroffen“
Im Wiener Landl sitzt jetzt ein schmächtiger Pole mit eingefallenem Gesicht – der Schütze. „Zwei Personen haben sich genau in der Schussbahn befunden und wurden nur aus Glück nicht getroffen“, klagt die Staatsanwältin den 37-Jährigen wegen mehrfachen versuchten Mordes an.
Während der Therapie ein Gewehr gekauft
Richter Christoph Bauer startet sofort entsetzt: „Drängende Frage von mir: Warum schießen sie am helllichten Tag auf eine Straßenbahn?“ – „Ich hab' viel getrunken an dem Tag. Ich wollte niemanden verletzen oder umbringen“, antwortet der Pole in gebrochenem Deutsch. Schon nach dem Aufstehen begann er ein Bier nach dem anderen zu trinken. Gemischt mit Schnaps.
Dass Alkohol ein riesiges Thema in seinem Leben ist, zeigt auch, dass er von März bis Mai letzten Jahres eine stationäre Entzugstherapie machte. Und ausgerechnet an einem freien Wochenende im April besorgte er sich das Gewehr – legal. „Der Verkäufer hat gesagt, das kann ich zu Hause haben ohne Waffenschein“, erklärt der 36-Jährige. Besonders bedenklich: Im Zuge des jetzigen Ermittlungsverfahrens wurde bei dem Angeklagten eine psychische Störung festgestellt ...
Vier Schüsse aus dem Fenster
Fast drei Monate lag das schwarze Gewehr, verpackt im Karton, in seiner Wohnung – bis zum 4. Juli 2025. Da habe er es plötzlich ausprobieren wollen. „Das war impulsiv. Ich weiß, das war blöd“, sagt er vor den Geschworenen. Dreimal hätte er aus seinem Wohnungsfenster in die Luft geschossen. Und einmal auf die gerade haltende Straßenbahn. „Ich wollte niemanden töten. Ich hab' nicht gesehen, dass da jemand drinnen ist.“
Bei den Haftverhandlungen sprach er noch von der polnischen Mafia. Jetzt: „Ich hab‘ einfach Angst gehabt. Ich wollte einfach eine zu Hause haben. Das war schlecht.“ Nach dem brenzlichen Schuss auf die Bim wurde der 37-Jährige in einem nahegelegenen Café festgenommen – wie er sich gerade noch ein Bier bestellte. Um halb 6 Uhr am Abend, also fünf Stunden nachdem er abgedrückt hatte, ergab eine Alkoholmessung noch immer 2,2 Promille.
Von den Geschworenen wird der schwere Alkoholiker jetzt zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt – die Mindeststrafe bei versuchtem Mord. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.
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