Finanzpolster für Klimabiennale, Festwochen und dergleichen mehr und zugleich Sparen bei Kultur, die auch breiteres Publikum anspricht: Stadträtin Veronica Kaup-Hasler versteht Kritik daran nicht
Dass auch das Kulturressort angesichts leerer Kassen den Gürtel enger schnallen muss, versteht fast jeder – aber wo gespart wird und wo nicht, verstehen nur Vertreter der rot-pinken Rathauskoalition. Diesen Eindruck bekam man zumindest zuletzt bei einer hitzigen Debatte über Kulturförderung im Gemeinderat.
Tatsächlich fällt auf: Avantgarde-Kultur darf weiterhin auf einem sicheren Finanzpolster ruhen: 2,2 Millionen Euro für das KunstHausWien, fast 1,4 Millionen für die Klimabiennale und satte 14 Millionen für die Wiener Festwochen unter der radikal avantgardistischen Führung von Milo Rau sind kein Problem – Geld für das Sommernachtskonzert der Philharmoniker, die Kammeroper und die Öffnung und Renovierung der Hermes-Villa aber schon. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler findet Kritik daran unbegründet.
Die Budgetsituation erlaubt keine mehrjährigen Zusagen – längerfristige Verpflichtungen ohne gesicherte Mittel wären unverantwortlich.
Das Büro von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler zur Kritik an ihrer Förderpraxis
„Vielfalt“ wichtiger als Massentauglichkeit
Eine Diskussion, ob Wiener eher auf „Republik der Liebe“-Aktionismus bei den Festwochen oder auf das Sommernachtskonzert verzichten wollen, will man im Büro der Stadträtin vermeiden: Man solle nicht „Kulturformate gegeneinander ausspielen“. Außerdem gebe es ja immer noch das Praterkonzert der Symphoniker im Zuge des Kultursommers. Auch durch den Gratis-Eintritt im Wien Museum sieht man den Auftrag erfüllt, Kultur für alle Geschmäcker und nicht nur für Eliten zu finanzieren.
Leitprinzip der Wiener Kulturpolitik
„Zentrales Leitprinzip der Wiener Kulturpolitik“ sei aber, dass „Kultur für alle leistbar“ bleiben müsse und „die Vielfalt gesichert“ bleibe, wird selbstbewusst betont. Pro Tag fänden im Schnitt 30 von der Stadt geförderte, frei zugängliche Kulturveranstaltungen statt, unterstreicht Kaup-Haslers Büro. Auf eine Debatte, wie viele von diesen 30 Veranstaltungen für eine Minderheit maßgeschneidert sind, will man sich nicht einlassen.
Warum Musicals nur in Wien Verluste schreiben
Auf zwei Kritikpunkte an der Fördermittel-Verteilung geht man im Kulturressort allerdings ein: Ja, es stimme, dass die Vereinigten Bühnen millionenschwer für Musicals gefördert werden, die anderswo profitable Unternehmen seien. Das liege jedoch daran, dass hier in kleinen, denkmalgeschützten Häusern gespielt werde, wo massenhafte Kartenverkäufe unmöglich seien.
Kruzfristige Planung
Ebenfalls ernst nimmt man die Kritik von Kulturschaffenden wie Stefan Herheim vom Theater an der Wien, dass es nur kurzfristige unberechenbare Budgetzusagen gebe, mit denen sich nichts planen lasse: Das sei kein schlechtes Management, sondern liege an der Budgetsituation. Man arbeite daran, Planungssicherheit „so weit wie möglich“ wieder herzustellen.
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