Dauer-Ruine in Wien?

Warnung vor Abriss von alter WU ohne neue Pläne

Wien
21.01.2026 14:00

Trotz ungewisser Zukunftsaussichten für die geplante „Super-Uni“ am Wiener Althangrund beginnen schon vorbereitende Bauarbeiten bei der ehemaligen Wirtschaftsuniversität. Experten warnen vor einer Bau-Ruine über Jahre hinweg und drängen umso intensiver auf einen Umbau statt eines Neubaus.

Noch weiß niemand, ob beim Architektenwettbewerb für die künftige „Super-Uni“ am Platz der alten WU überhaupt vernünftige Vorschläge eingebracht wurden. Die Einreichfrist endete am 18. Dezember des letzten Jahres. Aber trotzdem läuft schon die Entkernung des Gebäudekomplexes am Althangrund an. Die „Allianz Alte WU“ warnt vor drastischen Folgen für das Grätzel und die ganze Stadt.

„Verlassenes Rohbauskelett über Jahre“?
Die Allianz, bestehend aus Architekten und anderen Experten, macht neben dem Fehlen konkreter Ideen für den Bauplatz auch auf die ausstehende Freigabe des Mega-Projekts durch das Finanzministerium aufmerksam. Der Neubau soll eine Milliarde Euro kosten – in Zeiten budgetärer Sparzwänge noch schwerer zu stemmen als sonst schon. Damit drohe, dass „ein verlassenes Rohbauskelett über Jahre die Nachbarschaft prägen wird“.

Gegen den Abriss regt sich Protest.
Gegen den Abriss regt sich Protest.(Bild: Allianz alte WU)

Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), für das Projekt verantwortlich, betont, dass es sich bei den angelaufenen Arbeiten nicht um Abriss, sondern um „sehr aufwendige Schadstoffsanierung“, die noch mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen werde. Sie verspricht: „Bevor der Wettbewerb nicht entschieden ist, kann und wird nicht mit einem Abbruch begonnen werden.“ Man sei jedoch zum Schluss gekommen, dass eine „zeitgemäße, konkurrenzfähige Nutzung“ der alten WU unmöglich sei.

Umbau als „einmalige Chance“
Dass die alte WU weder ästhetisch noch funktionell auf der Höhe der Zeit ist, ist auch der Allianz bewusst. Sie fordert seit dem Bekanntwerden der Neubau-Pläne ein Nachdenken über einen Umbau der vorhandenen Strukturen. Dass so etwas gelingen könne, zeige sich gleich ums Eck von der alten WU beim Franz-Josefs-Bahnhof und dem darüber liegenden Bürogebäude „Francis“.

Die Allianz sieht in einem Umbau „eine einmalige Chance für ein echtes Pionierprojekt der Bauwende“, mit dem Wien zukunftsgerichtet und nachhaltig „Architekturgeschichte schreiben“ könne, gerade angesichts der Geldnot der öffentlichen Hand. Allianz-Sprecher und Architekt Johannes Zeininger ist überzeugt: „Es braucht keine fette Milliarde – 300 Millionen Euro bei vernünftigem Umgang mit dem Bestand reichen für die geplante Super-Uni aus.“

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