Beim heiklen Pilnacek-U-Ausschuss setzt die SPÖ auf Erfahrung und schickt Jan Kai Krainer als roten „Teamkapitän“ ins Rennen. Und wie tickt der Ausschuss-Routinier? Bemerkt Zahlenmensch Krainer einen Widerspruch, „leuchtet ein rotes Lamperl in meinem Kopf auf“.
Ein Auge für Details hat der 57-jährige, in Wien geborene SPÖ-Politiker allemal. Das hat er nicht nur schon in anderen prominenten U-Ausschüssen bewiesen – er machte sich bereits im Banken-, BVT-, Hypo-, ÖVP-Korruptions- und natürlich dem Ibiza-Untersuchungsausschuss einen Namen. Sondern auch als der damalige Finanzminister Gernot Blümel ausgabenseitig statt 102 Milliarden nur 102.000 Euro beschließen wollte, weil er ein paar Nullen vergessen hatte.
Seit 2002 ist Krainer schon im Nationalrat tätig, seine politischen ersten Schritte liegen aber noch viel weiter zurück. Da engagierte sich der erst zwölfjährige Kai Jan in der Sozialistischen Jugend – auch wenn er die SJ-Gruppe wechseln musste: „In der ersten ging es mehr um Partys – mich interessierte aber Politik“, so der Doppelstaatsbürger. Krainers Mutter ist Amerikanerin, lernte als Germanistikstudentin in Wien seinen Vater kennen – einen großen Teil seiner Kindheit verbrachte der heutige SPÖ-Politiker deshalb in den USA: „Als ich mit zehn Jahren nach Österreich kam, konnte ich kein Deutsch.“ Heute hat er ein Talent für das Sortieren und Organisieren von Wissen, wie er selbst sagt.
Entdecke ich einen Widerspruch, beginnt in meinem Kopf ein rotes Lamperl zu leuchten
Kai Jan Krainer, SPÖ-Fraktionsführer im Pilnacek-U-Auschuss
„Entdecke ich einen Widerspruch, beginnt in meinem Kopf ein rotes Lamperl zu leuchten“, erklärt der frühere wirtschaftspolitische Berater von Ex-Kanzler Werner Faymann: „Auch wenn es nur kleine Widersprüche sind“, was ihm wohl gelegentlich als pingelig ausgelegt wird. Zwar bevorzugt Krainer faktenorientierte und sachliche Diskussionen, „Emotionen hab’ ich aber auch genug“, scherzt er im Gespräch mit der „Krone“.
Frühe SPÖ-Karriere
Nach seiner Matura in Wien trat er das Studium der Wirtschaftsinformatik an, schloss es aber nicht ab. Nebenbei hatte er bereits die Funktionen als Landeskoordinator der Aktion Kritischer Schülerinnen und Schüler (AKS) dann die des Wiener Landessekretärs der Sozialistischen Jugend inne, 1993 wurde er zum Bezirkssekretär der SPÖ Landstraße bestellt, ein Jahr später war er Landstraßer Bezirksrat.
„Keine True-Crime-Show“
Im Pilnacek-U-Ausschuss will Krainer mit seinem Team, das zur Hälfte aus bereits erfahrenen Mitgliedern und zur anderen Hälfte aus U-Ausschuss-Neulingen besteht, eventuelle „relevante Fehler der Behörden und Ämter“ in den Fokus nehmen, eine „True-Crime-Show“ kommt für ihn nicht infrage. Das sei auch nicht Aufgabe eines Untersuchungsausschusses.
Der Naturfreund, der beim Wandern und bei der Bewegung in der Natur gern den Kopf abschaltet, scheint auch nicht an einer Hetzjagd auf die ÖVP interessiert zu sein: „Ich will wissen: Sind Fehler passiert? Sind diese Fehler systemischer oder individueller Natur, oder gab es politischen Einfluss? Und wenn ja, dann kommt die Frage nach dem Motiv.“
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