Industriestrategie

Pro Schlüsseltechnologie ein neuer Lehrberuf

Innenpolitik
16.01.2026 09:31
Porträt von krone.at
Porträt von Jennifer Kapellari
Von krone.at und Jennifer Kapellari

Zur Stärkung des Standorts Österreich will die Bundesregierung der schwächelnden Industrie mit einem Investitionspaket in Milliardenhöhe unter die Arme greifen. Konkrete Maßnahmen wurden am Freitag von der Dreier-Koalition präsentiert.

Kern der Strategie sind neben einem staatlich subventionierten Industriestrompreis auch Investitionen in neun Schlüsseltechnologien. 

2,6 Milliarden Euro
Für die Investitionen sind bis 2029 2,6 Milliarden Euro aus dem Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt (FTI-Pakt) vorgesehen. Außerdem soll es vereinfachte Genehmigungsverfahren geben.

114 Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern
Auch neue Ausbildungsberufe sind geplant, Lehrpläne werden angepasst. Investitionen in die zentralen Technologien sollen durch Garantien und Haftungen unterstützt werden. Insgesamt umfasst die Industriestrategie laut Angaben aus dem Wirtschaftsministerium 114 Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern, mit denen „Österreich unter die TOP-10 der OECD-Länder“ gebracht werden sollen.

Symbolbild
Symbolbild(Bild: go-art Georg Ott www.georgott.co)

Neue Lehrberufe für die Industrie
Auf den über hundert Seiten der Industriestrategie sind Maßnahmen zu finden, die etwa die Innovationsforschung betreffen. So sollen Förderprogramme neu ausgerichtet werden, die Standortagentur soll darauf umgebaut werden, weltweit um führende Betriebe zu keilen. Auch die digitale Souveränität Österreichs soll in den Fokus rücken, um nicht mehr abhängig von ausländischen Digitalprodukten zu sein. Für jede der neun definierten Schlüsseltechnologien soll mindestens ein neuer Lehrberuf entwickelt werden.

Einige Maßnahmen im Überblick:

  • Senkung der Elektrizitätsabgabe auf die Hälfte für 2026
  • Aufhebung des Verbots für „Carbon Capture and Storage“
  • Für jede Schlüsseltechnologie soll ein neuer Lehrberuf entwickelt werden.
  • Leitprinzip „Made in Europe“: Bei Förderungen und öffentlichen Beschaffungen sollen heimische Firmen und Produkte bevorzugt werden
  • Entbürokratisierung-Offensive: Berichtspflichten für Unternehmen werden reduziert, One- bzw. No-Stop-Shop-Verfahren eingeführt.
Die drei Regierungsmitglieder Schellhorn, Hattmannsdorfer und Hanke (von links nach rechts) ...
Die drei Regierungsmitglieder Schellhorn, Hattmannsdorfer und Hanke (von links nach rechts) haben eine Industriestrategie erarbeitet.(Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)

„Vernünftiger Protektionismus“
Zu den neun Schlüsseltechnologien zählen Künstliche Intelligenz und Dateninnovation, Chips und Elektronische Komponenten/Systeme, Fortgeschrittene Produktionstechnologien und Robotik, Quantentechnologie und Photonik, Fortgeschrittene Werkstoffe (Advanced Materials), Life Sciences & Biotech, Energie- und Umwelttechnologien, Mobilitätstechnologien sowie Weltraum- und Luftfahrttechnologien.

In der Siemens Mobility-Halle in Wien präsentierten die Bundesminister Peter Hanke (SPÖ), Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) erstmals eine Industriestrategie für Österreich. Ziel davon sei vor allem langfristiges Wirtschaftswachstum, das Schaffen von Anreizen für Unternehmen und das Stoppen der Deindustrialisierung in unserem Land. „Denn Österreich ist zwar kein Niedriglohnland, hat aber viele Stärken“, wie Hattmannsdorfer meint.

Laut Deregulierungsstaatsekretär Sepp Schellhorn sei Österreich in den letzten fünf Jahren im Wettbewerbsfähigkeit-Ranking abgestürzt: „Ein Alarmsignal!“ Ein Grund dafür sei die überbordende Bürokratie: „Hier soll es Anpassungen geben, etwa bei der Rot-Weiß-Rot-Karte. Auch die Export-Kontrollen werden wir reformieren.“ Ein One-Stop-Shop-Verfahren für Unternehmer sowie ein No-Stop-Shop-Verfahren bei Förderungen sollen forciert und doppelte Berichtspflichten verhindert werden.

„Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben“
„Ohne Industrie geht es nicht“, betont Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer, der auf eine „patriotische Förderpolitik“ pocht, um „Wertschöpfung in Österreich zu halten“. Deshalb eingeführt werden soll ein Industriestrompreis nach deutschem Vorbild.

Neben einem konkreten Umsetzungsprogramm sieht die Industriestrategie bis 2035 auch ein genaues Monitoring vor: „Expertenwissen ist in diese Strategie eingeflossen – und es ist ein klarer Weg, der zu gehen ist. Dieses erste Maßnahmenpaket wird aber nicht das Letzte sein: Wir werden immer wieder nachschärfen. Und dabei müssen wir die Menschen mitnehmen“, betont Innovationsminister Peter Hanke. „Schlüssel-KPIs werden jährlich gemessen, evaluiert und gegebenenfalls angepasst“, so Hattmannsdorfer, der sich auch eine Trendwende im Optimismus wünscht, denn „zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben.“

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