Im Iran sind laut Berichten bereits Tausende Menschen vom Regime getötet worden, nachdem sie dagegen protestiert hatten. Eine allgemein anerkannte Oppositionsbewegung oder Führungsfigur gibt es jedoch nicht. Die Opposition sei unter Auswanderinnen und Auswanderern beliebter als im Land selbst, sagt Nahost-Expertin Sanam Vakil.
„Das Problem ist, dass keine integrative Organisation aufgebaut wurde, die Iraner aus allen Gesellschaftsschichten zusammenbringen kann: religiös, ethnisch, sozioökonomisch“, sagt sie weiter. Die Opposition sei stattdessen tief gespalten, was bereits bis in die Zeit vor der Islamischen Revolution von 1979 zurückreiche. Die größten Gruppen sind die monarchistischen Anhängerinnen und Anhänger von Reza Pahlavi, dem Sohn des gestürzten Schahs, und die linksgerichtete Gruppe der Volksmujaheddin. Wie viel Unterstützung die beiden Bewegungen innerhalb des Iran haben oder wie sie die Ereignisse dort beeinflussen könnten, ist schwer einzuschätzen.
Pahlavi (65) lebt in den USA und wirbt für eine Demokratie im Iran. Seine Anhängerinnen und Anhänger betreiben einen der wichtigsten persischsprachigen Satellitensender, der in den Iran ausstrahlt. Nachdem Pahlavi zu Protesten aufgerufen hatte, stieg die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Unter ausländischen Beobachterinnen und Beobachtern gehen die Meinungen auseinander. US-Präsident Donald Trump zweifelt daran, dass Pahlavi genügend Unterstützung für eine eventuelle Machtübernahme mobilisieren könne. „Er scheint sehr nett zu sein, aber ich weiß nicht, welche Rolle er in seinem eigenen Land spielen würde“, sagte er. Man sei auch „wirklich noch nicht an diesem Punkt“.
Linke und islamistische Ideen
Die Volksmujaheddin (Mujaheddin-e Khalq/MEK) ist wiederum eine Bewegung, die linke und islamistische Ideen verbindet. Ihre Anhängerinnen und Anhänger nutzen oft den Slogan „Keine Monarchie, kein Oberster Führer“. Die MEK wurde 1981 von herrschenden Geistlichen verboten und griff vom Irak aus iranische Truppen während des Kriegs in den 1980er-Jahren an. Das nehmen ihr viele Iranerinnen und Iraner bis heute übel. Bis 2012 wurde sie von den USA als Terrororganisation eingestuft.
Für viele Menschen im Iran sind die Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden Gruppen laut Vakil wohl überholt. Die Demonstrantinnen und Demonstranten fordern derzeit umfassende Veränderungen, nicht nur eine Reform der Islamischen Republik. Die Opposition ist innerhalb des Landes kaum organisiert und zersplittert. Diese Spaltung zeigt sich laut der Nahost-Expertin in sozialen Medien, aber auch bei Protesten in Europa und Nordamerika.
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