Wirbel um Interview

Polens Premier rügt Trump wegen Selenskyj-Kritik

Außenpolitik
15.01.2026 18:28
Porträt von krone.at
Von krone.at

Aus der Sicht von US-Präsident Donald Trump ist Kreml-Chef Wladimir Puin eher zu einem Kriegsende als sein ukrainischer Amtskollege Wolodymyr Selenskyj. Dies erklärte der 79-Jährige zumindest in einem Interview und sorgte damit für gehörigen Ärger – vor allem in Polen.

Trump hatte auf die Frage eines Reuters-Journalisten, warum die von den USA geführten Verhandlungen noch zu keinem Ende des Ukraine-Kriegs geführt hätten, geantwortet: „Selenskyj“. Polens Premier Donald Tusk reagierte mit scharfer Kritik auf die Aussage Trumps. Nicht Selenskyj, sondern Russland lehne den von den USA vorbereiteten Friedensplan ab, schrieb Tusk am Donnerstag auf der Kurznachrichtenplattform X. „Die einzige Antwort Russlands waren weitere Raketenangriffe auf ukrainische Städte.“ Einzige Lösung sei mehr Druck auf Moskau: „Das wisst ihr alle.“

Friedensplan: Moskau weist Anpassungen zurück
Das EU- und NATO-Land Polen ist einer der wichtigsten politischen und militärischen Unterstützer der von Russland angegriffenen Ukraine. Es hat eine zentrale Funktion als logistische Drehscheibe für die Militärhilfe des Westens für Kiew.

Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump bei ihrem letzten Treffen in Mar-a-Lago
Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump bei ihrem letzten Treffen in Mar-a-Lago(Bild: AP/Alex Brandon)

Kiew, seine europäischen Verbündeten und die USA haben sich laut Selenskyj auf einen 20-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges geeinigt. Damit liegt eine überarbeitete Fassung des ursprünglich von den USA vorgelegten 28-Punkte-Plans vor, der als sehr russlandfreundlich kritisiert worden war. Der Kreml hat bisher jegliche Anpassungen zurückgewiesen. Als Vorbedingung für einen Waffenstillstand fordert Putin, dass sich die ukrainische Armee aus Teilen der Ost- und Südukraine zurückzieht. Trump ist angesichts der zähen diplomatischen Bemühungen um eine Beendigung des Krieges zunehmend frustriert.

Russen setzen Angriffe auf Energieinfrastruktur fort
Unterdessen geht Russland gezielt gegen die Energieinfrastruktur der Ukraine vor. In den Gebieten Charkiw und Schytomir seien Verbraucher ohne Strom, teilte das Energieministerium in Kiew mit. „Notfall- und Wiederherstellungsarbeiten werden überall dort durchgeführt, wo es die Sicherheitslage zulässt“, hieß es. Im Gebiet Dnipropetrowsk ordnete der staatliche Versorger Ukrenergo wegen früherer Schäden am Netz Notabschaltungen an. Drohneneinschläge wurden auch aus Lwiw (Lemberg) und Kiew und aus frontnahen Städten wie Slowjansk und Kramatorsk gemeldet. Die neuen Stromausfälle belegen, wie geschwächt die Energieversorgung der Ukraine mittlerweile ist. Denn der russische Angriff war mit 82 Drohnen, wie die ukrainische Luftwaffe zählte, einer der schwächsten der vergangenen Wochen.

Bewohner von Kiew während eines Stromausfalls in einer Notunterkunft
Bewohner von Kiew während eines Stromausfalls in einer Notunterkunft(Bild: AP/Danyil Bashakov)

Selenskyj und Klitschko im Clinch
Seit Anfang Oktober habe Russland elf Wasserkraftwerke, die 45 größten Strom- und Heizkraftwerke der Ukraine, 49 reine Heizkraftwerke und 151 Umspannwerke beschossen, teilte der Geheimdienst SBU mit. Die systematischen Angriffe auf das Energienetz seien wegen ihrer Auswirkung auf die Zivilbevölkerung rechtlich als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen.

Am schwierigsten sei die Lage weiterhin in der Hauptstadt Kiew, teilte das Energieministerium mit. Die Dreimillionenstadt ist seit einem schweren Angriff vom vergangenen Freitag fast vollständig gelähmt. Strom, Heizung und Wasserversorgung können nur allmählich wiederhergestellt werden. Präsident Selenskyj warf deshalb dem Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko mangelnde Vorbereitung auf solche Notlagen vor. Klitschko, bei der Präsidentenwahl 2019 Konkurrent Selenskyjs, sprach von „ununterbrochenem Hass“ seitens der Führung. In fast vier Jahren Krieg habe der Präsident nicht einmal mit ihm gesprochen, bemängelte er.

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