Thomas Mraz

Erstes Kabarett-Solo mit Nahtoderfahrung!

Kultur
15.01.2026 08:00

Schauspieler Thomas Mraz („Aufputzt is’“) wagt nach Jahrzehnten des Zweifels den Sprung auf die Solo-Kabarettbühne. Im Interview mit der  „Krone“ spricht er über sein neues durch und durch egoistisches Programm „Mraz first!“, Schubladenängste und sein Elfriede-Ott-Trauma.

„Krone“: Sie bringen nun Ihr erstes Solo-Kabarettprogramm auf die Bühne. Warum erst jetzt?
Ich habe mit Michael Niavarani 2008 im Simpl gespielt und seitdem immer ein bisschen mit dem Gedanken kokettiert, ein Solo zu machen. Ich habe es aber dann nie wirklich gewollt.

Warum nicht?
Ich hatte Angst, dass ich in eine Schublade rutsche, dass ich dann nur mehr der Kabarettist bin.

Woher kam diese Angst?
Vielleicht, weil ich in der Schauspielschule immer der Lustige war, aber nicht darauf reduziert werden wollte. Denn das habe ich so ganz stark gespürt bei meiner damaligen Professorin Elfriede Ott, die vor allem im Alter wahnsinnig darunter gelitten hat, dass sie immer nur auf „die Lustige“ reduziert worden ist.

Aber gerade die lustigen Rollen sind doch die schwierigsten Rollen und die Lustigen sind doch immer auch die Publikumslieblinge?
Ja, finde ich eh auch. Nichtsdestotrotz hat die Ott darunter gelitten, dass sie nie einen Tschechow gespielt hat, und das hat mir eben auch ein bisschen Angst gemacht.

Wenn nicht jetzt, wann dann: Thomas Mraz wagt nun den Sprung alleine auf die Kabarettbühne
Wenn nicht jetzt, wann dann: Thomas Mraz wagt nun den Sprung alleine auf die Kabarettbühne(Bild: Thomas Mraz)

Im vergangenen Oktober feierten Sie Ihren 50er: Willkommen in der Midlife-Crisis! Da kaufen sich manche einen Porsche, Sie machen Ihr erstes Solo. Vielleicht, um das Elfriede-Ott-Trauma zu überwinden?
(lacht) Ja, „50“ war schon eine Zäsur, wo ich mir gedacht habe: Okay, also, wenn dann jetzt! Irgendwie war das auch ein Kick für mich. Das Verlassen einer Komfortzone. Und es lag sicher auch daran, dass mich Kollegen wie der Nia, der Klaus Eckel und der Gery Seidl immer wieder dazu animiert haben. Aber, und das ist jetzt keine Koketterie, ich finde, es ist tatsächlich eines der schwierigsten Dinge, die ich je gemacht habe.

Inwiefern?
Es schaut von unten so leicht aus, aber mit deinem eigenen Text versuchen, wen zum Lachen zu bringen, erzeugt einen ungeheuren Druck. Es gibt keine lautere Stille, als die, wenn du denkst, das ist jetzt urlustig und dann sagen 100 Leute: Nein, ist es nicht. Das ist eine Nahtoderfahrung.

Wann haben Sie zu schreiben begonnen?
Der Gedanke hat sich vor zwei Jahren geformt, als ich am Linzer Landestheater in der „Fledermaus“ den Frosch gespielt habe. Da spricht er diesen Auftrittsmonolog, der sich immer mit aktuellen Themen befasst. Den habe ich selbst geschrieben und über die ganze Saison, 30 Vorstellungen lang immer mit Pointen aktualisiert. Danach habe ich mir gedacht: So könnte ich eigentlich auch das Kabarett anlegen.

Was erwartet den Zuschauer konkret bei „Mraz first“?
Ich arbeite mich darin am Thema Egoismus ab, anhand dessen wie egoistisch bin ich. Egoismus ist ein Grundproblem in unserer Gesellschaft, dieses Ich-Denken, das immer stärker forciert wird. Das Ganze ist unter Anführungszeichen privat, weil es zu einem sehr biografisch ist. Nicht alles darin ist wahr, aber gut erfunden.

Worauf legen Sie besonderes Augenmerk?
Es ist eine große Herausforderung heutzutage, die Welt nicht in zwei Sätzen zu erklären. Aber das wird halt wahnsinnig gern gemacht. Und das merkt man ja auch, finde ich, in der Politik. Es gibt sie aber nicht, die einfache Antwort. Und es mangelt uns schon ein bisschen an moralischen Instanzen. Was ich keinesfalls versuche, ist, den Leuten die Welt zu erklären.

Das heißt, Sie geben den Zuschauern eine Tachtel à la Nestoy?
Ich halte es mit Klaus Eckel, der sagt: Der Dümmste in dem ganzen Raum ist er selbst! Ich erkläre den Leuten nicht, was sie anders machen sollen, sondern was ich anders mache. Das ist ein entscheidender Unterschied! Und was mir noch wichtig ist: Ich versuche möglichst „underb“ und vielmehr charmant zu sein.

Letzte Frage: Gibt’s eine Wunschrolle, die Sie einmal unbedingt spielen wollen?
Das haben Sie mich schon bei unserem letzten Interview gefragt!

Stimmt, Sie haben recht! Jetzt erinnere ich mich, da haben Sie geantwortet „Bond-Bösewicht“! Hat sich da was geändert?
Ich spekuliere auf eine Christoph-Waltz-ähnliche Entwicklung. Mir fehlt nur dieses eine internationale Casting . . .und dann (lacht) bin ich weg.

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