Monatelang hat die US-Regierung versucht, Nicolás Maduro diplomatisch zur Vernunft zu bringen. Donald Trump soll dem Diktator sogar ein goldenes Exil angeboten haben. Doch dann fing Maduro an, die Tanzlust des US-Präsidenten zu verhöhnen – und besiegelte damit endgültig sein Schicksal.
In den vergangenen Wochen haben die USA den Druck auf Maduro extrem erhöht. Dessen Reaktion verblüffte das politische Washington: Der Diktator fing immer häufiger an, den US-Präsidenten zu imitieren. Trump ist dafür bekannt, auf offener Bühne gerne das Tanzbein zu schwingen. Vorzugsweise zu den Klängen der Band „Village People“. Das dürfte sich auch bis nach Caracas herumgesprochen haben.
Maduros demonstrative Gleichgültigkeit überraschte auch deshalb, da ihm Trump laut „New York Times“ und „Wall Street Journal“ einen großzügigen Exit-Plan angeboten haben soll. Kurz nach Weihnachten war der Republikaner offenbar so gekränkt, dass er die Mission „Absolute Resolve“ freigab und seinen Widersacher am Wochenende festnehmen ließ.
„Das war ein Tanzschritt zu viel“
Maduros Tanzeinlagen hätten den Eindruck der US-Regierung verfestigt, dass der Autokrat für Diplomatie nicht mehr empfänglich sei. „Herrn Maduros öffentliche Tanzauftritte und seine demonstrative Nonchalance in den vergangenen Wochen hatten im Umfeld Trumps den Eindruck verstärkt, der venezolanische Präsident verhöhne sie und wolle einen Bluff entlarven“, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf zwei Insider. „Das Weiße Haus beschloss also, seine militärischen Drohungen wahrzumachen.“
Maduro lehnte Ende Dezember erneut ab, sein Amt niederzulegen und sich in ein goldenes Exil in der Türkei zu begeben, wie mehrere Amerikaner und Venezolaner, die an den Übergangsgesprächen beteiligt waren, berichteten. Maduro schwang seine Hüften einfach weiter im Staatsfernsehen und verhöhnte Trumps „verrückten Krieg“. Die „New York Times“ schrieb dazu: „Das war ein Tanzschritt zu viel für den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro.“
US-Senator: „Er könnte jetzt in der Türkei sein“
Der republikanische US-Senator Lindsey Graham erklärte gegenüber dem Sender Fox News: „Maduro könnte jetzt in der Türkei sein, aber er sitzt im Gefängnis. Alles nur, weil er Trump unterschätzt hat“, und wiederholte damit Berichte, wonach Maduro eine Ausreise angeboten worden sei. Ankara äußerte sich bisher nicht dazu.
Offiziell steht Maduro in New York zwar wegen „Drogen-Terrorismus“ vor Gericht, die wahren Gründe für seine Entfernung dürften jedoch geopolitischer Natur sein. Der Diktator öffnete sich im Zuge der Spannungen mit den USA speziell China, Russland und dem Iran. Peking importierte zueltzt so viel Erdöl wie kein anderes Land aus Venezuela. Maduros Regime baute dem Vernehmen nach iranische Drohnen und erlaubte der proiranischen Hisbollah-Miliz, von Caracas aus ein Netzwerk in Südamerika aufzubauen. Vor allem Außenminister Marco Rubio soll seit geraumer Zeit auf eine Absetzung Maduros gedrängt haben.
Das System bleibt, die Führung wechselt
Die USA bestimmten nun Vizepräsidentin Delcy Rodríguez als Interimsführerin, während die Opposition unter Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado außen vor bleibt. Davon erhofft sich Trump einen „totalen“ US-Zugang zum venezolanischen Öl-Sektor. Trump erklärte: Die USA wollten Venezuela „für eine unbestimmte Zeit leiten“ und amerikanische Ölinteressen „zurückgewinnen“.

„Wir laden die US-Regierung dazu ein, gemeinsam an einem Programm für die Zusammenarbeit zu arbeiten“, erklärte Rodríguez, die am Montag als venezolanische Interimspräsidentin vereidigt wurde. Gleichzeitig verurteilte sie erneut die „Entführung“ von Präsident Maduro. Trump drohte ihr mit einem „noch schlimmeren Schicksal als Maduro“, sollte sie seinen Wünschen nicht entsprechen.
Rodríguez gilt als Wirtschaftsexpertin und stabilisierte zuletzt Venezuelas schwer angeschlagene Ölindustrie unter schwierigen Bedingungen. US-Beamte schätzen ihre Professionalität, obwohl sie Teil von Maduros brutalem Regime ist. „Sie ist keine Dauerlösung, aber jemand, mit dem wir auf einem höheren Niveau arbeiten können“, sagte ein hoher US-Beamter der „New York Times“. Frei nach dem Motto: Das System bleibt, der Diktator geht. Schon 1939 soll US-Präsident Franklin D. Roosevelt über den damaligen Diktator von Nicaragua die bezeichnenden Worte gesagt haben: „Er mag ja ein Hurensohn sein, aber er ist unser Hurensohn.“
Doch die innenpolitische Lage in Venezuela ist nach der US-Intervention höchst angespannt. Ein 90-tägiger Notstandsbeschluss, den Nicolás Maduro am Samstag kurz vor seiner Festnahme unterzeichnet hatte, ist auf Rache ausgelegt. Darin wird der venezolanischen Polizei befohlen, jede Person, die „den bewaffneten Angriff der Vereinigten Staaten“ unterstützt oder daran beteiligt war, „unverzüglich zu suchen und festzunehmen“.
Er wies das Militär zudem an, vorübergehend die Kontrolle über die venezolanische Ölindustrie und andere öffentliche Dienste zu übernehmen. Maduros vorerst letzte Amtshandlung wurde ignoriert – zumindest bis jetzt ...
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