Monatelang geplant
Das Protokoll: So schnappte US-Einheit Maduro
Der US-Angriff auf Venezuela und die Festnahme von Präsident Nicolás Maduro wurde von der Trump-Regierung monatelang geplant. Doch was passierte im Vorfeld der Operation „Absolute Resolve“? Und wie wurde sie durchgeführt? Ein Protokoll.
Fünf Monate Vorarbeit (sogar das Versteck des Diktators wurde nachgebaut), 150 Flugzeuge, Hubschrauber 30 Meter über dem Meer: Die USA überließen in Venezuela wenig dem Zufall.
Riskanteste US-Militäroperation seit Tötung Bin Ladens
Der überraschende Überfall der Eliteeinheit Army Delta Force am Samstag vor Tagesanbruch war die riskanteste US-Militäroperation dieser Art seit der Tötung von Osama bin Laden durch Mitglieder des Navy SEAL Team 6 in einem Unterschlupf in Pakistan im Jahr 2011. Doch am Ende spielte in Venezuela eine Sicherheitsschleuse die entscheidende Rolle ...
So lief die Operation „Absolute Resolve“ (deutsch: „Absolute Entschlossenheit“) nach US-Darstellung ab:
Vorbereitungen. Dem Einsatz gingen eine monatelange Planung und wiederholte Proben voraus. Geheimdienst-Mitarbeiter (CIA, NSA) schlichen sich schon im August nach Venezuela ein und beobachteten Maduro und seine Gewohnheiten ganz genau. Demnach wusste man über sein Essen, seine Kleider und auch Haustiere Bescheid. Es war eine äußerst gefährliche Mission. Da die US-Botschaft geschlossen war, konnten die Geheimdienst-Mitarbeiter nicht unter diplomatischer Deckung operieren. Aber sie waren äußerst erfolgreich. General Dan Caine, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, sagte am Samstag auf einer Pressekonferenz, dass die Vereinigten Staaten dank der vom Team gesammelten Informationen Maduros Routinen bis ins kleinste Detail darstellen konnten.
Anwesen nachgebaut. Im Vorfeld probten Delta-Force-Kommandos sogar die Festnahme Maduros in einem originalgetreuen Modell seines Anwesens, das das Joint Special Operations Command in Kentucky errichtet hatte. Sie übten, Stahltüren in immer schnellerem Tempo zu sprengen. Angesichts der verschärften Spannungen mit den USA hatte Maduro zwischen sechs und acht Standorten gewechselt. Um die Operation durchzuführen, benötigte das US-Militär die Bestätigung, dass Maduro sich in dem Anwesen befand, für dessen Angriff sie trainiert hatten.
So bereitete sich die US-Spezialeinheit auf die Operation vor:
In den Tagen vor dem Überfall entsandten die Vereinigten Staaten immer mehr Spezialflugzeuge, Flugzeuge für elektronische Kriegsführung, bewaffnete Reaper-Drohnen, Such- und Rettungshubschrauber und Kampfjets in die Region. Verstärkung kam in den vergangenen Tagen dazu, die laut Analysten darauf hindeutete, dass die Frage nicht mehr lautete, ob es zu einer Militäraktion kommen würde, sondern wann.
Vier Tage auf richtiges Wetterfenster gewartet. Laut Trump wurde vier Tage auf das richtige Wetterfenster gewartet. Hätte sich das Wetter nicht gebessert, hätte die Mission bis Mitte Jänner verschoben werden müssen. Freitagabend, 22.46 Uhr (US-Ostküstenzeit), ordnete der US-Präsident schließlich den Beginn des Militäreinsatzes an. Der Befehl wurde an die gesamten Streitkräfte übermittelt. Im Verlauf der Nacht wurden Luftoperationen von 20 Stützpunkten an Land und auf See gestartet. Es waren laut Generalstabschef Dan Caine mehr als 150 Bomber, Kampfjets, Aufklärer, Hubschrauber und Drohnen im Einsatz.
Beginn der Operation. Hubschrauber mit Einsatzkräften und Vertretern von Strafverfolgungsbehörden starteten. Sie flogen in extrem niedriger Höhe über das Meer in Richtung Venezuela. Die USA aktivieren nach eigenen Angaben in der Nähe von Venezuela Fähigkeiten aus Weltraum-, Cyber-, Kommunikations- und Geheimdienstbereichen, um einen sicheren Korridor zu schaffen. Trump sagte, dass auch Lichter in Venezuelas Hauptstadt Caracas ausgeschaltet worden seien. US-Luftstreitkräfte begannen daraufhin in der Nähe der Hauptstadt Caracas mit der Zerstörung venezolanischer Luftverteidigungssysteme, um die sichere Passage der Hubschrauber zu gewährleisten. Das Überraschungsmoment sei nach Einschätzung der Einsatzleitung in vollem Umfang erhalten geblieben, sagte Caine. Maduro wurde nicht von der Operation gewarnt.
Landung bei Maduros Anwesen. Samstagnacht 1.01 Uhr (US-Ostküstenzeit) und 2.01 Uhr Ortszeit in Caracas landete der Hubschrauber über Maduros Anwesen. Die Soldaten landeten und sicherten das Gelände. Während der Landung gerieten Hubschrauber unter Beschuss und erwiderten das Feuer, wie es heißt. Ein Helikopter wurde laut Caine getroffen, blieb jedoch flugfähig.
Die Festnahme. Ein US-Beamter sagte, dass die Spezialeinheiten nach dem Sprengen der Tür drei Minuten brauchten, um sich durch das Gebäude zu Maduros Aufenthaltsort vorzuarbeiten. Maduro war laut Trump gut bewacht gewesen, wie „in einer Festung“. Dennoch gelang es den Amerikanern laut CNN, das Ehepaar im Schlaf zu überraschen.
Er hat noch versucht, in seinen Sicherheitsraum zu gelangen. Aber er hat die Tür nicht mehr schließen können.
Donald Trump über die Festnahme Maduros
Kurz vor der Festnahme von Kräften der US-Spezialeinheit Delta Force versuchten beide, in einen mit Stahl gesicherten „Safe Room“ zu gelangen, konnten jedoch die Stahltüren nicht schließen, bevor sie festgenommen wurden. Beide seien daher schnell überwältigt worden, dass ihnen die Flucht nicht mehr gelang, erzählte Trump, der die Operation per Übertragung beobachtete. Später sagte Trump, Maduro hätte bei dem Einsatz auch getötet werden können. Etwa fünf Minuten nach dem Eindringen in das Gebäude meldete die Delta Force, dass sie Maduro und seine Frau – ohne US-Verluste – in Gewahrsam genommen haben.
Vorbereitung des Abzugs. Hubschrauber wurden zur Evakuierung angefordert. Kampfjets und Drohnen sicherten den Luftraum, es kam zu mehreren Gefechten. 3.29 Uhr (US-Ostküstenzeit): Die Kräfte verließen venezolanisches Hoheitsgebiet. Laut Trump brachte ein Hubschrauber Maduro und seine Ehefrau an Bord der „USS Iwo Jima“. Bei dem US-Angriff in Venezuela kamen nach venezolanischen Regierungsangaben sowohl Soldaten als auch Zivilisten ums Leben. Die US-Seite macht in der Pressekonferenz nicht bekannt, wie viele Tote und Verletzte es gab. Zwei US-Beamte gaben an, dass bei der gesamten Operation etwa ein halbes Dutzend Soldaten verletzt wurden.
Haft in New York. Beide wurden in die USA gebracht und sitzen seither in einer Haftanstalt in New York. Ihnen werden laut US-Justizministerin Pam Bondi unter anderem „Verschwörung zum Drogenterrorismus“ sowie „Verschwörung zum Kokainimport“ vorgeworfen. Auf der Pressekonferenz in Mar-a-Lago gibt Trump bekannt, dass die USA Venezuela übergangsweise führen wollen. „Wir werden das Land so lange führen, bis wir einen sicheren, ordnungsgemäßen und umsichtigen Übergang gewährleisten können.“ Wie genau das ablaufen soll, bleibt zunächst unklar.
Politische Folgen noch offen
Aus militärischer Sicht war die Operation „Absolute Resolve“ jedenfalls von Erfolg gekrönt. Politisch sind die Folgen des offenen Bruchs mit westlichen Werten jedoch noch nicht abzusehen. Gut möglich, dass dieser Angriff auf Venezuela erst der Beginn eines Krieges war.
Auf der Pressekonferenz in Mar-a-Lago gibt Trump bekannt, dass die USA Venezuela übergangsweise führen wollen. „Wir werden das Land so lange führen, bis wir einen sicheren, ordnungsgemäßen und umsichtigen Übergang gewährleisten können.“ Wie genau das ablaufen soll, bleibt zunächst unklar.

General Caine zeigte sich jedenfalls zufrieden und auf weitere Operationen vorbereitet: „Unsere Aufgabe ist es, Kampfkraft zu bündeln, damit wir – wenn der Befehl kommt – jederzeit und überall auf der Welt überwältigende Streitkräfte gegen jeden Feind einsetzen können.“









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