Shootingstar Zah1de

„Pretty Privilege“: Zwischen Schulbank und Charts

Kultur
02.01.2026 06:00

„Chabos wissen, wer der Babo … ähm, wer Zahide ist“ – dieser Satz ging durch ganz Deutschland und katapultierte „Mona Lisa Motion“ von Jungstar Zahide Kayaci in die Charts. Dass sie ursprünglich nur Tanzvideos auf TikTok posten wollte, scheint heute kaum vorstellbar. Während andere noch vom Bambi träumen, erhielt Zah1de im November bereits ihren ersten als „Shootingstar des Jahres“. Vor wenigen Wochen erschien ihr Debütalbum „Pretty Privilege“ – wir haben es uns angehört.

Wir schreiben das Jahr 2023 als ein 13-jähriges Mädchen in der Berliner Tanzschule Lunatix ein TikTok-Video zu Beyoncés „Déjà Vu“ dreht und über Nacht zum Star wird. Kurz darauf folgt mit „Mona Lisa Motion“ der erste eigene Hit, inklusive einer augenzwinkernden Neuauflage der wohl bekanntesten Deutschrap-Zeile: „Chabos wissen, wer Zahide ist“. Heute, 8,5 Millionen Follower, mehrere Hits, ein Bambi und zwei YouTube Awards später, zählt Zahide Kayaci alias Zah1de zu den bekanntesten Youngstars ihrer Generation – und mit ihrem Debütalbum „Pretty Privilege“ ist sie endgültig im Mainstream angekommen.

Die heute 15-jährige Berlinerin mit türkischen Wurzeln jongliert Schule und Karriere: morgens Mathearbeit, abends Vertragsunterschrift. Ihr erstes Album erzählt genau davon – von Ehrgeiz, Alltag und Aufstieg. Auch der Manager und Geschäftsführer der Tanzschule, Serdar Bogatekin, bekannt als „Serdar Abi“, bekommt hier Raum, immerhin war Lunatix der Startpunkt ihrer Karriere.

Zwei YouTube-Awards und ein Bambi zieren das Wohnzimmer der 15-jährigen Musikerin.
Zwei YouTube-Awards und ein Bambi zieren das Wohnzimmer der 15-jährigen Musikerin.(Bild: fioniversace)

Eine Hommage an die 2000er
Das Debütalbum wird mit dem Song „TikTok Sportlich“ eröffnet, einem ruhigen Intro mit langsamem, stimmigem Beat. Inhaltlich geht es hier um das Leben, von dem Zah1de früher nur geträumt hat: Erfolg, große Bilder und ein Hauch Hollywood. Gleichzeitig verankert sie sich klar dort, wo alles begann – bei Lunatix und ihrem Umfeld. Diese Mischung aus Traum und Bodenhaftung zieht sich durch das gesamte Werk. Der zentrale Track bleibt aber „Mona Lisa Motion“ – der Song, der Zah1de bekannt gemacht hat. Mit dem Song rappte sie sich in die Top Ten der Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die ikonischen Deutschrap-Zeilen  „Chabos wissen, wer Zahide ist, lange Haare, 14 Jahre, miese Zahl’n, todesfame“ funktionieren als starke Ansage, ohne überstrapaziert zu werden.

Musikalisch wird es besonders spannend bei „Kreuzberg Money“, das bewusst mit 2000er-Referenzen spielt. Das Intro erinnert stark an Destiny’s Childs „Lose My Breath“ – ein perkussiver und eingängiger Sound. Später schwingt der lässige Bounce von „Lean Back“ (Terror Squad feat. Fat Joe) mit, dazu kommt die selbstbewusste Attitüde von P. Diddys „Tell Me“ mit Christina Aguilera aus dem Jahr 2006. Kein direktes Sampling, sondern ein klares Y2K-Moodboard – eine stilistische Collage der 2000er. Produziert von Ghana Beats und Geenaro, wirkt der Song wie eine Verbindung aus frühen Hip-Hop-Vibes und modernem Hoodtrap.

Hühnerhaus 36 statt überteuerte Scampis
Auch viele andere Tracks – darunter „La Bubu Freestyle“, „Zahide Did It Better“, „Uff Ya“ oder „FYP“ – variieren ähnliche Motive: Erfolg trotz jungen Alters, Selbstbewusstsein, Loyalität zu Lunatix und „Serdar Abi“. Auffällig ist, wie selbstverständlich Zah1de dabei Referenzen an ältere Künstlerinnen und Künstler einbaut –  von Eve über Shirin David bis hin zu Kay One, ohne dass es wie bloßes Zitieren wirkt. Die Songs sind kurz, oft unter zweieinhalb Minuten lang, halten das Tempo aber hoch und machen das Album leicht konsumierbar.

Mit „Kotti d’Azur“ zeigt die Berlinerin eine persönlichere Seite. Es ist eher eine Hommage an ihre Lieblingsstadt und das Viertel Kreuzberg und wirkt wie ein versteckter Liebesbrief an das Kottbusser Tor – inklusive Alltagsdetails und Humor: „Ich muss zum Hühnerhaus 36, weil ich schwör‘, ich fühle keine Scampis“. Auch Zeilen über Bambi-Awards oder den Millionärsstatus klingen hier ironisch, gerade weil sie rückblickend Realität geworden sind. Trotz Glamour bleibt die Botschaft aber klar: Berlin bleibt wichtiger als jegliches Bling-Bling.

 Mittagspause mit „Pretty Privilege“
Die einzige Kollaboration des Albums, „Rede“ mit Rapper benno!, passt ins Gesamtbild. Zwei junge Künstler, die ihren Erfolg reflektieren, ohne sich größer zu machen als sie sind. Der ruhigere „Typa Girl“ und der Titeltrack „Pretty Privilege“ schließen das Album ab – letzterer süß im Girlie-Sound, aber inhaltlich deutlich: Morgens Schule, abends Verträge, Einsen in der Klasse und natürlich auch in den Charts. Dass Zah1de diesen Spagat bald erstmals auch live auf die Bühne bringt, wirkt da nur folgerichtig – ihr erstes eigenes Konzert in Deutschland steht bereits Anfang Jänner am Programm.

Fazit: Mit 13 Tracks und 27 Minuten Laufzeit ist „Pretty Privilege“ ein Album für die Mittagspause – egal ob auf dem Schulhof oder im Büro. Es sorgt für gute Laune, verzichtet auf Vulgarität und wirkt genau deshalb authentisch. Man hört, dass dies ein Album einer 15-Jährigen ist, die ihren Alltag verarbeitet und einfach Spaß an Musik hat – und gleichzeitig spürt man deutlich: Das hier ist erst der Anfang einer langfristigen Karriere ...

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