Yannick Nézet-Séguin

Jubel für „Mr. Charming“ beim Neujahrskonzert

Kultur
01.01.2026 14:56

Der 50-jährige Kanadier Yannick Nézet-Séguin ist nach seinem Neujahrskonzert-Debüt der neue „Darling“ der Wiener Philharmoniker und des internationalen Publikums. Ein Entertainer, der das Publikum begeistert, zu Jubel, Bravorufen und stehenden Ovationen hinreißt! Sein Nachfolger – der Russe Tugan Sokhiev – wird es nicht leicht haben ...

Es waren die Grandseigneurs der internationalen Dirigentenszene, die in den lvergangenen 25 Jahren den Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker ihr gewichtiges Flair gaben: Muti, Harnoncourt, Jansons, Prêtre, Barenboim, Thielemann ... Seit dem Neujahrskonzert 2026, das nun der Frankokanadier Yannick Nézet-Séguin (50) leitete, weht ein frischer Wind: Der smarte, modisch mutige Musikdirektor der New Yorker Met, ein Gentleman mit Brillantbrosche, Diamantflinserl im Ohr und silberlackierten Nägeln, fasziniert sein Publikum als begnadeter Entertainer.

„It’s Showtime“, staunte eine Französin neben mir, als Monsieur Yannick in Hans Christian Lumbyes „Kopenhagener Eisenbahn-Dampf-Galopp“ statt des Dirigentenstabs ein Eisenbahnverkehrszeichen schwang und eine Eisenbahnglocke läuten ließ. Oder als er bei Strauss-Vaters Radetzkymarsch nach dem Andirigieren selbst durchs Parterre des in blühende Regenbogenfarben getauchten Goldenen Saals eilte – und dem Publikum Einsatzzeichen fürs Mitklatschen gab.

Vielfalt in der Gesellschaft – und im Programm
Nézet-Séguin erobert alle im Sturm. Ob er in der „Zirkus“-Polka selbst zur Holzklatsche greift und alle zum Mitsingen animiert, ob er mit den Philharmonikern im Egyptischen Marsch im Muslimchor singt oder nach Josef Strauss’ „Friedenspalmen“-Walzer mit offenen Worten für Frieden aller Nationen, Offenheit und – als schwuler Mann – für Vielfalt eine Lanze bricht: Immer ist er „Mr. Charming“, der sich wünscht, dass „Musik alle auf dem Planeten“ zusammenführen möge. Ein Entertainer, der das Publikum begeistert, zu Jubel, Bravorufen und stehenden Ovationen hinreißt.

Eigene Wege ging er auch mit dem Programm: ein exquisiter Mix aus Walzern – wie „Rosen aus dem Süden“ oder „Donausagen“ –, wenig bekannten Polkas, Galopps, Ouvertüren. Reizvolle „Entdeckungen“ waren die brillanten Stücke der Komponistinnen Josefine Weidlich, die „Sirenenlieder“-Polka, und der mondäne „Rainbow-Waltz“ (1939) der US-Amerikanerin Florentine Price, den Wolfgang Dörner für die „Wiener“ instrumentierte.

Und jetzt steht auch der Dirigent des Neujahrskonzerts 2027 fest: der 48-jährige Russe Tugan Sokhiev, der schon beim letzten Sommernachtskonzert in Schönbrunn am Pult der Philharmoniker begeisterte.

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