Appell an Politiker:

Diese Herztechnik könnte sogar Kriege verhindern

Politik
30.11.2025 11:20

Öfter einmal aufs Herz hören. Diesen Rat gibt der Schweizer Psychologe Claude Heini auch Politikern. Sie sind nämlich oft mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert, so wie etwa der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj angesichts der verschiedenen internationalen Pläne für sein Land. Setze man in schweren und komplexen Situation rein auf Kopfentscheidungen, „sind die Antworten beschränkt“, so Heini. In Verbundenheit mit dem Herzen ließen sich Konflikte besser lösen.

In seinem neuen Buch „Auf Knopfdruck runterkommen“ beschreibt der langjährige Führungskräfte-Coach, wie man durch einfache Atemübungen eine Verbindung mit seinem Herzen herstellen, Ruhe finden und die Intuition wirken lassen kann. Die etwas esoterisch anmutende „Herzkohärenz-Methode“ hat laut dem Psychologen auch wissenschaftliche Evidenz. So sei in US-Studien sogar eine Fremdwirkung nachgewiesen worden. Dazu wurden vier Menschen an einen Tisch gesetzt. Während drei Personen die Herzübungen praktizierten, veränderte sich auch bei der vierten die Herzfrequenzvariabilität (HRV), die als Gradmesser für die Harmonie zwischen Herz und Hirn gilt.

Würden alle Menschen die Methode anwenden, würde die Welt zu einem friedlichen Ort, ist Heini überzeugt. Doch der Weg dorthin ist ein weiter. Auf die Frage, ob ihm ein Politiker aufgefallen sei, der womöglich die Herzkohärenz-Methode praktiziere, antwortet er eidgenössisch trocken: „Das könnte ich nicht sagen.“

„Faszinierendes Tool, das zu wenig genutzt wird“
Tatsächlich scheinen gemeinsame Herzübungen von Selenskyj und Kreml-Chef Wladimir Putin aktuell schwer vorstellbar. Dabei würde eine stärkere Besinnung auf den lebenswichtigen Muskel „die Chance erhöhen, dass Entscheidungsträger bessere Entscheidungen treffen“, betont Heini. Das Herz sei nämlich viel mehr als eine Blutpumpe. Es habe nämlich mehr als 40.000 Nervenzellen, die ähnlich funktionieren wie jene im Gehirn, aber nicht so stark äußeren Einflüssen ausgesetzt sind wie dieses. „Das Herz ist ein faszinierendes Tool, das viel zu wenig genutzt wird.“

Wladimir Putin und Viktor Orbán
Wladimir Putin und Viktor Orbán(Bild: AFP/ALEXANDER NEMENOV)

Heini spricht aus eigener Erfahrung, hat er doch jahrzehntelang viele andere Methoden der „Selbststeuerung“ probiert und zahlreiche Kurse absolviert. Durch eine Arbeitskollegin sei er dann auf die vom Heart Math Institute in den USA propagierte Methode gestoßen. Diese sei im Vergleich zu anderen einfacher zu praktizieren und zugleich wirksamer.

Die Anwendungsgebiete sind mannigfaltig. In seinen Coachings mit Führungskräften diene die Methode dazu, besser mit Konflikten umzugehen, aber auch der Entscheidungsfindung, erzählt Heini. Eingesetzt werde sie etwa auch von der US-Armee oder der niederländischen Polizei. Die Trainings helfen dabei, dass Einsatzkräfte in belastenden Situationen die Ruhe bewahren und intuitiv die richtigen Entscheidungen treffen.

„Verstand als Diener des Herzens“
Herz oder Kopf? Das oft ins Schicksalshafte überhöhte Dilemma will Heini mit seiner Methode nicht bedienen, im Gegenteil. „Ich bin eher überzeugt, dass es eine Kombination ist. Es kommen Impulse vom Herz ins Hirn, aber auch vom Hirn ins Herz.“ Im Herzen befinden sich aber bereits viele „Informationen, die wir nicht wahrnehmen“. Mit der Herzkohärenz-Methode komme man an diese Informationen heran, um sie dann mit dem Verstand auszuwerten. „Der Verstand als Diener des Herzens“, bringt es Heini auf den Punkt.

Wer auf das Herz hört, kann den „vielen Gedankenkonstrukten“ in seinem Kopf entkommen, um stimmigere Entscheidungen zu treffen, so Heini. Während Normalbürger oft einen besseren Zugang zu sich selbst haben, tun sich gesellschaftlich Höhergestellte damit schwerer. Dies liege daran, „dass sie sich konditioniert haben, damit sie nicht unter die Räder kommen und das führt ein Stück weit weg von sich“. Bei Managern herrsche zudem immer noch die Vorstellung, dass man nicht führen könne, „wenn man den Menschen zu nahe ist“.

Kein Ersatz für Therapie bei psychischen Problemen
Die Herzkohärenz-Methode ist laut dem Experten auch eine Hilfe für psychisch belastete Menschen. Eine Therapie könne sie aber ebenso wenig ersetzen wie das zugrunde liegende Problem lösen, betont Heini. Ein Hindernis für die konsequente Anwendung der Methode seien auch Begegnungen mit anderen Menschen. Damit sie ihre Wirkung entfalten könne, „muss man nach innen gerichtet sein. Das ist schwierig, wenn man in einem Strudel von Begegnungen ist.“

Obwohl die existenziellen Fragen oft im privaten Bereich angesiedelt sind, fließen weitaus mehr Ressourcen in Coachings am Arbeitsplatz. Das liegt laut Heini nicht nur daran, dass Unternehmen das nötige Geld dafür hätten. Sie sähen auch den unmittelbaren Nutzen solcher therapeutischen Ansätze. „Im wirtschaftlichen Kontext hat sich das etabliert, weil es den Gedanken gibt, dass es einen Nutzen für das Unternehmen hat.“ Im privaten Bereich sei der Nutzenaspekt hingegen nicht so greifbar.

Klarheit über eigene Bedürfnisse und mehr Empathie für das Gegenüber
Dazu kommen unterschiedliche Erwartungshaltungen. Während man im Arbeitsleben eher kompromissbereit sei, stelle man im privaten Bereich die eigenen Bedürfnisse stärker in den Vordergrund. „Da braucht es mehr, um Lösungen zu entwickeln, die funktionieren.“ Diesbezüglich betont Heini, dass die Herzkohärenz-Methode keineswegs auf reine Selbstverwirklichung hinauslaufe. Vielmehr gehe es darum, sich über die eigenen Bedürfnisse klarer zu werden und auch mehr Empathie für das Gegenüber zu entwickeln.

Wenn alle Menschen auf ihr Herz hörten, schwände der Drang zu gewaltsamen Konfliktlösungen. Wenn Menschen sich über ihre Herzen verbinden, gehen sie Probleme anders an und müssten nicht miteinander kämpfen, so Heini. „Krieg ist ein Kampf und führt nirgendwohin.“

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