Seit mehr als drei Jahren steht LH Anton Mattle an der Spitze Tirols. Im Radio-U1-Interview mit Vitus Amor gewährt er persönliche Einblicke – so verrät er, welche Persönlichkeiten ihn besonders geprägt haben, aus welchem Grund er in der Schule rebelliert hat und warum es ihm heute noch guttut, über das Lawinenunglück von Galtür 1999 mit 31 Toten zu reden.
„Wie geht’s da?“ Diese Frage stellt Vitus Amor in seiner Radio-U1-Sendung seit 2024 Tiroler Persönlichkeiten. In Folge 20 ist LH Anton Mattle zu Gast, die Sendung wird am 2. Dezember um 20 Uhr ausgestrahlt.
„Ich bin ein typischer Tiroler. Einer, der praktisch denkt, die Berge mag, seine Heimat liebt und die Menschen lieber umarmt als ihnen die Faust zeigt“, beschreibt sich Mattle selbst. An die „großen Freiheiten“ in seiner Kindheit in Galtür erinnere er sich besonders gerne zurück. „Auf dem Land gab es so viele Abenteuer zu erleben. Wir waren damals viel freier als die Kinder heute, das war natürlich wunderschön.“
„Er musste in den Krieg ziehen, ohne etwas darüber zu wissen“
Zu jenen Menschen im Paznauntal, die den 62-Jährigen geprägt haben, zählt neben seinem Großvater – „ein Mensch, der erzählen hat können“ – auch Herbert Sonderegger, bei dem er seine Lehre als Elektriker absolviert hat.
„Er war ein Pionier, hat 1972/73 eine Kabelfernsehanlage gebaut, damit wir zusätzlich zu den österreichischen TV-Sendern auch jene aus Deutschland und der Schweiz empfangen konnten“, erinnert sich der Tiroler, „als 17-Jähriger musste Sonderegger in den Krieg ziehen, ohne auch nur irgendetwas darüber zu wissen, was sich in der Welt abspielt. Daher wollte er, dass das Tal umfassend informiert wird“.
„Wir haben 30 Jahre Tür an Tür gearbeitet“
Im Familienunternehmen von Sonderegger habe sich Mattle immer sehr wohl gefühlt. „Ich nahm an Lehrlingswettbewerben teil und wurde sogar Landessieger. Als Preis gab es etwa Gutscheine, um Kurse am Wifi zu absolvieren. Damit habe ich die Werkmeisterschule besucht und diese auch abgeschlossen. Zudem folgte die Ausbildung als Radio- und Fernsehtechniker“, gibt er preis. Anfänglich seien Sonderegger und er als gemeinsame Unternehmer aufgetreten, dann habe jeder seine Firma geführt. „Wir haben 30 Jahre Tür an Tür gearbeitet – stets ohne Probleme“, schildert Mattle.
Der Ursprung seines politischen Handelns könne auf seine Schulzeit zurückgeführt werden. „Ich war Klassen- und Schulsprecher und dabei habe ich bemerkt, dass man etwas bewegen kann, wenn man Menschen hinter sich hat. So wollten sie uns den Schulausflug streichen, doch wir haben rebelliert – mit Erfolg“, lächelt Mattle.
Die Sendung wird am Dienstag, dem 2. Dezember 2025, um 20 Uhr bei Radio U1 Tirol ausgestrahlt. Wiederholt wird sie am Montag, dem 8. Dezember 2025, um 20 Uhr. Zudem kann sie jederzeit auch auf YouTube, Spotify, Apple Podcast sowie auf der Radio-U1-Tirol-Homepage nachgehört werden. Einfach auf den QR-Code klicken.
„Wer mit 30 nichts ist, ist auch mit 40 nichts“
Sein politischer Werdegang begann 1986 als Gemeinderat in Galtür, rasch wurde er Vize-Bürgermeister. „Der damalige Bürgermeister war Adolf Türtscher – ein prominenter Wirt, der mich auch etwas gelten hat lassen“, betont Mattle, „im Dezember 1991 stand er in meiner Werkstatt. ,Du musst Bürgermeister werden’, sagte er. Ich entgegnete ihm, dass ich gerade eben meinen Betrieb gegründet habe und noch ziemlich jung dafür sei. Er ging dann zur Tür, drehte sich mit einer Zigarette im Mund um, sah mich an und sagte wiederum: ,Wer mit 30 nichts ist, ist auch mit 40 nichts.’ Das war eine klare Ansage. Ich stellte 1992 eine Liste mit einem äußerst jungen Team auf und wurde direkt zum Bürgermeister gewählt.“
„Damit kann man nicht seine eigene Verantwortlichkeit abgeben“
Der schlimmste Tag seiner Laufbahn sei der 23. Februar 1999 gewesen, als sich um 16.03 Uhr eine riesige Lawine oberhalb von Galtür löste. 31 Menschen, darunter 12 Kinder, starben. „Diese Erinnerungen sind tief und fest verankert. Ich war nicht geschult für solche Situationen, habe oft aus dem Bauch und dem Herzen herausgehandelt. Die Staatsanwaltschaft hat die Verfahren zwar eingestellt, doch damit kann man nicht seine eigene Verantwortlichkeit abgeben. Es tut mir heute noch gut, über das alles zu sprechen“, sagt Mattle.
Um die 6000 Schreiben habe er damals erhalten – darunter auch einen Brief von der heuer verstorbenen Antonia Amor, der Mutter des Moderators Vitus Amor. „Ich kann mich genau erinnern und habe diesen Brief noch“, sorgt Mattle für Gänsehaut.
„Die Sprache in der Politik ist ,rauer‘ geworden“
In seine jetzige Funktion als Landeshauptmann sei er „gut hineingewachsen“: Bis zu zehn Termine stehen pro Tag an. Die politische Kultur habe sich aber verändert. „So ist die Sprache ,rauer’ geworden, weil sich die Gesellschaft ein Stück weit zerrüttet hat. Corona hat dazu sehr viel beigetragen.“
Eine seiner stärksten Stützen sei seine Ehefrau Daniela, mit der er seit 40 Jahren verheiratet ist. „Wir haben großes Glück“, lächelt er.
Weitere spannende Details gibt’s am 2. Dezember 2025 auf Radio U1 Tirol (Wiederholung: 8.12. um 20 Uhr).

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