Ein Literat, ein Liebhaber, ein Geheimnis zwischen Wien und Kirchstetten (NÖ) – das alles offenbaren 100 bisher verschollene Briefe, die W. H. Auden an seinen Liebhaber „Hugerl“ schrieb.
Er war einer der größten Lyriker des 20. Jahrhunderts. Doch sein Herz gehörte auch einem einfachen Arbeiter. Mehr als 50 Jahre nach seinem Tod tauchen Briefe auf, die ein neues, menschliches, ja verletzliches Bild von W. H. Auden zeigen – dem britisch-amerikanischen Dichter, der viele Sommer in Kirchstetten verbrachte.
Der Name des Geliebten: Hugo Kurka, genannt Hugerl, geboren 1937, Mechaniker, Einbrecher, Strichjunge. Ein Mann mit Schattenseiten und doch derjenige, der dem Dichter aus New York und Oxford Nähe schenkte.
Nach einem ORF-Beitrag über Auden meldete sich eine Frau, die Hugerls Nachlass geerbt hatte – ein überraschender Sensationsfund, geschrieben von Audens schon zittriger Hand. Darin Zärtlichkeit, Einsamkeit, Eifersucht. Auden nennt den Wiener „mein lieber Hugo“ und bittet ihn, auf sich aufzupassen. Er schickt Geld, vermittelt Anwälte, selbst als Kurka seinen VW-Käfer für einen Banküberfall missbraucht.
„Wir sehen hier einen Auden, der in Hugo auf Augenhöhe Trost findet“, so Sandra Mayer von der Akademie der Österreichischen Wissenschaften. In den 1960er Jahren war Homosexualität in Österreich noch strafbar. Doch in Kirchstetten fragte niemand, wer der junge Wiener war, der abends mit Auden Wein trank. „Vielleicht wussten sie es. Vielleicht wollten sie es nicht wissen“, so Literaturwissenschaftler Helmut Neundlinger.
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