Häftlinge entlassen

Alle Geiseln frei – doch diesen Preis zahlt Israel

Außenpolitik
13.10.2025 13:25

Alle 20 verbliebenen Geiseln, die mehr als zwei Jahre im Gazastreifen festgehaltenen wurden, sind nun frei. In Israel wird gejubelt, auch US-Präsident Donald Trump ist zu einem Besuch eingetroffen und sprach vor der Knesset vom „Ende des Krieges“. Doch jetzt ist der zweite Teil des Deals im Gange ...

Nach 738 Tagen sind alle Geiseln wieder frei und Israel jubelt. Doch das Land musste im Gegenzug für die Übergabe der Geiseln rund 2000 palästinensische Häftlinge freilassen. Darunter sind bis zu 250, die zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt wurden. Mittlerweile sind bereits zahlreiche inhaftierte Palästinenser in Ramallah, einer Stadt im Westjordanland, angekommen und wurden dort von ihren Familien empfangen.

Terroristen unter Gefangenen
Unter den 250 Gefangenen, die freigelassen wurden, befindet sich beispielsweise Iyad Abu al-Rub, ein Kommandeur des Islamischen Dschihad, der verurteilt wurde, weil er in den frühen 2000er-Jahren Selbstmordanschläge in Israel organisiert hatte, bei denen 13 Menschen gestorben sind. Schon in der Vergangenheit hat Israel hohe Preise gezahlt, um die Freilassung von Geiseln zu erreichen. Ein Beispiel dafür ist der Fall Gilad Shalit: Für seine Befreiung musste Israel 2011 über 1000 palästinensische Gefangene freilassen. Einer dieser freigelassenen Straftäter war der spätere Chef der Hamas und Planer des 7. Oktobers, Yahya Sinwar.

Diese 20 Geiseln kehrten heute zu ihren Familien zurück.
Diese 20 Geiseln kehrten heute zu ihren Familien zurück.(Bild: X/@TaraBull808)

Rührendes Wiedersehen der Geiseln mit Angehörigen
Nach der Freilassung der ersten Geiseln brach in Israel unbändiger Jubel aus. „Wir sind alle unglaublich bewegt“, sagt Danielle Aloni, die selbst Geisel der Hamas war. Sie ist die Schwägerin von David Cunio, einem der insgesamt 20 noch lebenden Geiseln. Die sieben am Morgen freigelassenen Geiseln wurden vom Roten Kreuz, eskortiert von israelischen Spezialeinheiten, aus dem Gazastreifen geholt und zu einer Einrichtung in der Nähe der Grenze gebracht. Dort wurden sie einer ersten körperlichen und geistigen Untersuchung unterzogen und trafen auf ihre Familien. Bilder zeigen das rührende Zusammentreffen der Freigelassenen mit ihren Angehörigen.

Eitan Mor, wird von seinen Eltern innig umarmt.
Eitan Mor, wird von seinen Eltern innig umarmt.(Bild: AP/Israeli Defense Forces)
Matan Zangauker wird von seiner Mutter in die Arme geschlossen.
Matan Zangauker wird von seiner Mutter in die Arme geschlossen.(Bild: AP/Israeli Defense Forces)
Guy Gilboa-Dalal ist wieder mit seiner Familie vereint.
Guy Gilboa-Dalal ist wieder mit seiner Familie vereint.(Bild: IDF)

Sorge vor gesundheitlichen und psychischen Folgen
Die Freude ist groß, aber nicht ungetrübt. Medizinische Experten warnten etwa vor einer Überernährung der Geiseln, die sehr lange unter Hunger gelitten hatten. Es drohe das sogenannte „Refeeding-Syndrom“, bei dem der Organismus durch zu viel Nahrung in kurzer Zeit überlastet werden könne. Auch die massiven psychologischen Folgen für die Freigelassenen dürfen nicht unterschätzt werden.

Nur sterbliche Überreste von vier Geiseln werden übergeben
Die palästinensische Terrororganisation Hamas sollte auch alle 28 toten Geiseln am Montag – und damit innerhalb der im Rahmen der Waffenruhe vereinbarten 72-Stunden-Frist – übergeben. Nun haben die Geiselfamilien nach eigenen Angaben erfahren, dass die Hamas nur vier der 28 toten Geiseln übergeben wollen. Die Angehörigen sind schockiert und fordern die israelische Regierung auf, zu handeln. Offiziellen Angaben zufolge wurden davon erst zwei Leichen an das Rote Kreuz übergeben.

Trump begrüßt Netanjahu am Flughafen.
Trump begrüßt Netanjahu am Flughafen.(Bild: AP/Evan Vucci)

Trump-Rede im israelischen Parlament
Am Vormittag war auch Donald Trump in Israel gelandet. Der US-Präsident traf mit Geisel-Angehörigen zusammen und hielt in Jerusalem vor der Knesset eine Rede, in der er von einem „unglaublichen Triumph für Israel und die Welt“ sowie dem „Ende des Krieges, des Terrors und des Todes.“ sprach. Netanjahu hatte dagegen zuvor gesagt, der Kampf sei noch nicht vorbei. „Es liegen noch große Sicherheitsherausforderungen vor uns.“ Einige Feinde versuchten, sich zu erholen, um erneut anzugreifen, hatte der israelische Regierungschef gesagt. In seiner Rede vor dem israelischen Parlament erklärte er Trump jedoch schon jetzt zum „größten Freund, den Israel jemals im Weißen Haus hatte“.

Trump von Parlamentsmitglied unterbrochen
Die Rede des US-Präsidenten wurde kurzzeitig unterbrochen. Der „Störer“ war Ayman Odeh, ein Parlamentsabgeordneter. Auf seinem X-Account schrieb er: „Das Maß an Heuchelei im Plenum ist unerträglich.“ Er forderte dazu auf, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die in Gaza begangen wurden, anzuerkennen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Odeh musste die Knesset daraufhin verlassen.

Netanjahu wird nicht nach Ägypten reisen
Trump ist nach seinem Besuch in Israel zu einer „Nahost-Friedenszeremonie“ anlässlich des von ihm vermittelten Abkommens in den ägyptischen Küstenort Sharm el Sheikh weitergereist. Dort treffen sich mehr als 20 Staats- und Regierungschefs. Der israelische Ministerpräsident Netanjahu wird doch nicht – wie ursprünglich geplant – an dem internationalen Gipfeltreffen teilnehmen. Dem Vernehmen nach gab es Proteste anderer Länder, die bei einem Auftritt Netanjahus bei der Friedenszeremonie wohl nicht angereist wären. Offiziell heißt es, er könne wegen Zeitdruck vor dem jüdischen Feiertag Simchat Tora (Freude der Tora) nicht teilnehmen.

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