Bangen um Geiseln

Tal Shoham in Tel Aviv: „Es ist noch nicht vorbei“

Außenpolitik
12.10.2025 09:28

Hunderttausende Menschen haben am Samstagabend in Tel Aviv den Waffenstillstand im Gaza-Krieg gefeiert und gehofft, dass die für Montag versprochene Freilassung der übrigen Geiseln tatsächlich stattfindet. Der Austro-Israeli Tal Shoham, selbst 505 Tage in Geiselhaft, hielt eine bewegende Rede.

„In Gaza traf ich andere Geiseln: Omer, Guy und Evyatar. Unsere Seelen waren miteinander verbunden und unser Schicksal wurde eins. Wir stärkten uns gegenseitig, teilten alles miteinander“, erzählte Shoham vor rund 400.000 Menschen, darunter auch Angehörigen der Verschleppten, am Platz der Geiseln in Tel Aviv.

„Bis alle zu Hause sind, ist unsere Geschichte nicht zu Ende“
Im Februar waren er und Omer Wenkert im Rahmen eines Geisel-Deals freigekommen, Guy Gilbao Dalal und Evyatar David blieben bis heute in Gefangenschaft. In der ersten Nacht im Spital nach der Freilassung habe er beschlossen, weiterzukämpfen, bis auch sie zurückkehren, so der österreichisch-israelische Doppelstaatsbürger. „Bis alle zu Hause sind, ist unsere Geschichte nicht zu Ende“, betonte er.

Tal Shoham rief auch zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern auf. „Wenn wir nur wissen, wie man gut kämpft, wird die Kluft größer werden. Wenn wir stattdessen lernen, die Gemeinsamkeiten zwischen uns zu finden, wird die Einheit wachsen“, sagte er.

Tal Shoham (m.) bei der Großkundgebung am Samstagabend in Tel Aviv
Tal Shoham (m.) bei der Großkundgebung am Samstagabend in Tel Aviv(Bild: Screenshot/kameraOne)

Jubel für Trump, Buhrufe für Netanyahu
Bei der Großkundgebung in der israelischen Küstenmetropole sprach auch der US-Sondergesandte Steve Witkoff. Er hob die entscheidende Rolle von US-Präsident Donald Trump für den vereinbarten Waffenstillstand samt Freilassung der Geiseln hervor. „Wir alle sind Präsident Trump zu tiefstem Dank verpflichtet“, so Witkoff. Als der Name Trump fiel, wurde er von langem Applaus und „Danke Trump“-Rufen unterbrochen.

Als Witkoff auch die Rolle von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hervorhob, schlug der Jubel jedoch in Buh-Rufe und Pfiffe um, die Witkoff fast aus dem Konzept brachten. „Leute, lasst mich meine Gedanken zu Ende bringen“, bat er. Netanyahu habe alles für dieses Land gegeben, betonte er. Viele Angehörige und Freunde der Geiseln werfen Netanyahu jedoch vor, nicht genug für die Freilassung der Verschleppten getan zu haben.

Kushner, Witkoff und Ivanka Trump bei der Kundgebung
Kushner, Witkoff und Ivanka Trump bei der Kundgebung(Bild: AP/Emilio Morenatti)
Die Dankbarkeit für Trump, der den Deal einfädelte, ist groß.
Die Dankbarkeit für Trump, der den Deal einfädelte, ist groß.(Bild: AP/Francisco Seco)
Nach mehr als zwei Jahren sollen endlich die letzten überlebenden Geiseln nach Hause kommen.
Nach mehr als zwei Jahren sollen endlich die letzten überlebenden Geiseln nach Hause kommen.(Bild: AFP/JACK GUEZ)

Auch Ivanka Trump und ihr Mann Jared Kushner sprachen kurz zu der Menschenmenge und würdigten neben dem US-Präsidenten auch Witkoffs Rolle für den Verhandlungserfolg. „Es war mir eine Ehre, mit einem so besonderen Menschen zusammenzuarbeiten“, sagte Kushner. Trumps Tochter übermittelte eine Botschaft ihres Vaters. „Der Präsident wollte, dass ich das mit Ihnen teile, wie er es schon so vielen von Ihnen persönlich gesagt hat: Er sieht Sie, er hört Sie. Er steht Ihnen bei“, sagte die Präsidententochter an die Familien der Geiseln gerichtet.

Hamas: Freilassung startet Montagfrüh
Israel und die Hamas hatten Trumps Friedensplan begrüßt. Dessen erster Teil sieht die Freilassung aller verbleibenden Geiseln im Gazastreifen vor. 47 Menschen kamen bisher noch nicht frei, 20 davon sind nach israelischen Angaben noch am Leben. Ein hochrangiges Mitglied der Hamas bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass die Geiselfreilassung am Montagmorgen beginnen wird. Im Rahmen des Deals sollen danach rund 2000 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen freikommen. Die israelische Armee hatte sich zuvor aus Teilen des Gazastreifens zurückgezogen und seit Freitagmittag gilt eine Waffenruhe.

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