Hans Nittnaus feiert

Mit Weinglas auf Zeitreise durch glanzvolle Ära

Burgenland
29.09.2025 06:00

Auf ein halbes Jahrhundert und 50 Ernten blickt Vorzeigewinzer Hans Nittnaus aus Gols zurück. Geprägt ist seine Ära von Geradlinigkeit, Mut zum Wagnis und Perfektion.

Eigentlich hatte Hans „John“ Nittnaus (70) den Traum, Rockgitarrist zu werden. Doch zu seinem beruflichen 50-Jahre-Jubiläum griff er nicht zum Saiteninstrument und stimmte harte Klänge an. Stattdessen klirrten die Gläser, denn im Werdegang des Ausnahmekünstlers gab der vinophile Lebensrhythmus klar den Ton an.

„Habe Wein gemacht, weil ich musste“
1975 hatte Nittnaus auf der Weinbauschule Klosterneuburg maturiert. „Zu diesem Zeitpunkt hat mir mein Opa den Schlüssel zum Keller in die Hand gedrückt und gesagt: ,Do, moch den Wein, ich geh in den Weingarten’“, schildert der Paradewinzer. Ab dann ging der Großvater nicht mehr in den Keller. „Und ich habe Wein gemacht, weil ich es machen musste“, sagt Nittnaus.

Auf dem Flug durch die Weingeschichte
Um die Höhepunkte seiner Laufbahn außergewöhnlich geschmackvoll zu würdigen, hat Hans Nittnaus eine Masterclass aus Kollegen, Weinexperten und Freunden einberufen. Beim „Flight 1“ hoben die Zeitreisenden mit Traminer 1974 und Neuburger 1981 in andere köstliche Sphären ab.

Das Weingut Nittnaus in Gols birgt allerlei vinophile Schätze. Wahre Raritäten kredenzten die ...
Das Weingut Nittnaus in Gols birgt allerlei vinophile Schätze. Wahre Raritäten kredenzten die Söhne des Hauses bei 15 „Flights“. (Bild: Karl Grammer)

Familiär wurde es beim „Flight 2“: Welschriesling 1986 Kabinett Ried Kellern Gols – „Anita geheiratet, Martin kam zur Welt“, Rheinriesling 1989 Kabinett Ried Altenberg Gols – „Andreas geboren“. Für den Riesling kam nach diesem Jahrgang das Aus: „Die Konkurrenz war zu groß.“ 1994 folgte das Gründungsjahr der Winzervereinigung Pannobile mit neun Top-Betrieben. „Damals hielt der französische Stil Einzug.“

Beeindruckende Fülle einer ganzen Epoche
Glas für Glas sind die Jahre verflogen, der Bogen spannte sich vom Chardonnay Ried Bergschmallister Jois 2017 („die Mineralität ist voll da“) über den Blaufränkisch Tannenberg 2011 („ein Langstreckenläufer aus einem der besten Rotweinjahre Österreichs“) bis zu Comondor weiß 2023 („ein Unikat“). Alle Flights hatten eines gemeinsam: „Sie wurden ausgewählt, weil sie prototypisch für ein Stück Andersdenken, Neuwagnis oder Selbstreflexion stehen.“

Die Masterclass verfolgte mit größter Aufmerksamkeit und Neugierde die vinophile Zeitreise im ...
Die Masterclass verfolgte mit größter Aufmerksamkeit und Neugierde die vinophile Zeitreise im Hause Nittnaus.(Bild: Karl Grammer)

Viel Applaus geerntet
Trotz aller Leidenschaft für die Kunst des Weinanbaus schwang im Leben des Ausnahmewinzers Musik immer mit. An der Hochschule in Wien hatte er Klavier studiert. Mit Bravour! Nach der genüsslichen Weinreise quer durch fünf Jahrzehnte ließ Hans Nittnaus vor dem Masterclass-Publikum erneut sein Können an der Tastatur aufblitzen. Nach dem Schlussakkord stand eines fest: Ob Musik oder Wein – für den Perfektionisten aus Gols gibt es immer Standing Ovations!

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