Mo, 20. August 2018

Rodman in Pjöngjang

09.01.2014 10:53

Ständchen und Basketballspiel zu Kims Geburtstag

Gänzlich unbeirrt von der Kritik aus Washington hat Ex-NBA-Star Dennis Rodman zum wiederholten Male seinen guten Freund Kim Jong Un besucht und sogar ein Freundschaftsspiel einer US-Delegation gegen eine nordkoreanische Basketballer-Auswahl organisiert. Anlässlich des Diktator-Geburtstages - das genaue Alter ist nicht bekannt - sang Rodman vor dem Spiel ein Ständchen und ließ sich in Pjöngjang von Kim, dessen Gattin und 14.000 Zusehern bejubeln.

Die "Basketball-Diplomatie", die Dennis Rodman seit geraumer Zeit im stalinistischen Nordkorea betreibt, sorgt zwar in den USA und auch international für gehöriges Kopfschütteln. Doch für den Basketball-Punk ist der als einer der skrupellosesten Machthaber der Welt geltende Kim "ein Freund fürs Leben". Und weil man den Geburtstag eines guten Freundes gebührend feiern muss, liegt es im Fall von Rodman nahe, ein Match zu veranstalten.

Ehemalige NBA-Stars begleiteten Rodman
Mit im Gepäck hatte der 52-Jährige bei seiner vierten Nordkorea-Reise unter anderem die ehemaligen NBA-Stars Kenny Anderson, Cliff Robinson und Vin Baker. Vor Anpfiff der Show-Partie stimmte Rodman "Happy Birthday" an und verneigte sich vor Kim, seiner Frau und einer Reihe hochrangiger Regimevertreter, die das Geburtstagsständchen mit tosendem Applaus begleiteten.

Rund zwei Stunden lieferten sich die Amerikaner ein Spiel mit den Nordkoreanern. Während der ersten Hälfte ging es noch etwas ernster zur Sache, am Ende siegte Nordkorea laut Angaben der Nachrichtenagentur AP mit 47:39. Danach vermischten sich die zwei Teams, Rodman nahm neben Kim Platz und verfolgte von der Tribüne aus das Sportevent, zu dem es auch ein Video auf YouTube gibt.

Ein "historisches" Spiel
"Das war historisch", erzählte Rodman nach dem Spiel. Es sei eine große Ehre für ihn gewesen, anlässlich Kims Geburtstages in Pjöngjang spielen zu dürfen, betonte der 52-Jährige. Er gab aber auch zu, dass "viele Menschen gemischte Gefühle für mich und den Führer des nordkoreanischen Volkes" aufbrächten. Dabei sei Kim ein "großer Führer, der für sein Volk sorgt und den das Volk liebt".

In den USA hört man das gar nicht gerne. Selbst NBA-Comissioner David Stern kritisierte den Trip. Die Spieler hätten sich "vom Geld blenden lassen", sagte er CNN. "Wir haben das nicht abgesegnet. Wir würden so etwas nicht ohne Absprache mit dem US-Außenministerium tun." Nordkorea sei ein gefährliches Land.

Senator McCain: "Ich halte Rodman für einen Idioten"
US-Senator John McCain fand noch deutlichere Worte für Rodman: "Ich halte ihn für einen Idioten." Der Basketballspieler verstehe nicht, dass er einem "sehr brutalen, skrupellosen jungen Mann" zu Propaganda verhelfe. Die Familie des US-Amerikaners Kenneth Bae, der in Nordkorea zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt worden war und schwer krank sein soll, zeigte sich entsetzt. "Das ist kein Spiel, es geht um das Leben eines Menschen", sagte die Schwester Baes, Terri Chung.

Als Rodman ein CNN-Moderator im Interview am Dienstag auf den Fall Bae angesprochen hatte, war der 52-Jährige ausgerastet und hatte gebrüllt: "Ich scheiß drauf, was Sie denken!" Am Donnerstag entschuldigte sich der Ex-Profisportler allerdings für den Ausraster. "Ich hatte getrunken. Das ist keine Ausrede, zu dem Zeitpunkt des Interviews war ich sehr enttäuscht", schrieb er in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP.

Nordkorea gilt als eines der Länder auf der Welt, die am grausamsten mit seiner eigenen Bevölkerung umgehen. Amnesty International spricht von einer "verheerenden Menschenrechtslage", Millionen hungernden Menschen und rund 200.000 politischen Gefangenen. Während der jüngsten politischen Säuberung hatte Kim im Dezember sogar seinen Onkel und Mentor hinrichten lassen.

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