Seit über einer Woche funktioniert in vielen Moskauer Bezirken das mobile Internet nicht mehr, zahlreiche Services sind nicht mehr möglich. Die Russen decken sich mit Landkarten aus Papier und Pagern ein – und befürchten, dass dies erst der Beginn von etwas deutlich Schlimmerem ist.
Viele fühlen sich zurückversetzt in das Jahr 2000. Finster starren die Menschen in der Moskauer U-Bahn auf ihre Bildschirme, die schreien: „Kein Internet!“ Damit sich Freunde und Bekannte für Treffen finden können, müssen sie sich nun – wie in alten Zeiten – wieder anrufen. Aufgrund gegebener Umstände haben die Messenger den Geist aufgegeben, eine andere Möglichkeit gibt es nicht, berichtet ein Korrespondent von „Bereg“, einer Vereinigung unabhängiger Journalisten.
„Entschuldigen Sie, wissen Sie, wie man die Mrusowski-Gasse findet?“, fragt eine verzweifelte Frau mit einem Smartphone in der Hand. Sie geht nacheinander auf Menschen zu, die gerade Netzempfang suchen. Diese schütteln schuldbewusst den Kopf. Karten ohne Internet funktionieren nicht, sich mit dem WLAN zu verbinden, gelingt der Moskauerin nicht.
Kabelgebundenes Internet ist wieder „in“
Umso weniger ist es verwunderlich, dass laut dem russischen Medienunternehmen „RBK“ in den vergangenen Tagen in der Metropole jede Menge Landkarten aus Papier über den Ladentisch gegangen sind. Auch Funkgeräte und kabelgebundenes Internet sind Google Trends zufolge wieder gefragt.
Der Onlineversandhandel „Wildberries“ berichtet von einem wachsenden Interesse an Funkgeräten, Festnetztelefonen und Pagern – obwohl es in der russischen Hauptstadt seit mehreren Jahren keine Paging-Infrastruktur mehr gibt und eine Nutzung solcher Kommunikationsmittel unmöglich ist. Medienberichten ist zudem zu entnehmen, dass MP3-Player wieder voll im Trend sind.
„Schmeißt die Telefone weg“
Was die Russen wirklich von der aktuellen Lage halten, ist aufgrund der massiven Repressalien durch den Kreml kaum aus ihnen herauszubekommen. Doch einige mutige Stimmen sprechen Bände. Mit Galgenhumor schildert ein Mann dem unabhängigen Nachrichtenportal „Sotavision“: „Schmeißt die Telefone weg, man braucht sie nicht mehr.“
Ein anderer beschwert sich, dass er nicht auf seine Sachen in der Abholstation zugreifen könne, weil es dort keine Internetverbindung gebe. Ein weiterer Russe meint: „Das ist der Vorbote für etwas noch Schlimmeres. ... Ich denke, wir werden bald ins Mittelalter zurückkehren.“ Dem wird beigepflichtet: „Das Land ist im Kriegszustand.“
Skurril: Ein Mobilfunkanbieter rief infolge den „Bereg“-Journalisten an und meinte: „Wir möchten Ihnen 50 Prozent Rabatt auf unlimitiertes Internet anbieten. Das Angebot gilt nur bis Ende der Woche!“
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