Zwei Tage, ehe sich der bis dato letzte Sieg zum dritten Mal jährt, haben Österreichs Abfahrer respektive Vincent Kriechmayr am Freitag endlich wieder zugeschlagen. Nach 23 Weltcup-Abfahrten ohne rot-weiß-roten Sieger war die Erleichterung im ÖSV-Team nach Kriechmayrs Triumph in Courchevel spürbar. Ob der 34-jährige Oberösterreicher nun noch eine Saison anhängt, ließ er offen. Für Kriechmayr hat sich nichts verändert, er weiß es noch nicht.
„Natürlich war das bitter, dass wir drei Jahre so vergackt haben. Aber wir haben es versucht, die anderen waren einfach besser“, sagte der nunmehr 20-fache Weltcupsieger (je zehn in Abfahrt und Super-G). „Schade, dass es so lange gedauert hat. Ich freue mich über den Moment, schauen wir, was passiert.“ Die Kritik sei durchaus verständlich gewesen. „Es ist mir komplett gleich, wenn wir kritisiert werden. Wenn wir drei Jahre keine Abfahrt gewinnen, ist es klar, dass das nicht der Anspruch für eine österreichische Speedmannschaft ist. Wir machen uns eh selbst am meisten Druck.“
Grundsätzlich würden „super junge Athleten“ hinten nachkommen. „Und der Hasi ist heute auch einmal in die Hocke gegangen. Ich gratuliere ihm, sein bestes Resultat in der Abfahrt“, meinte Kriechmayr in Richtung des fünftplatzierten Raphael Haaser.
„Noch keine Entscheidung getroffen“
Kriechmayr blieb nach seinem Sieg bescheiden. Der Erfolg werde seine Entscheidung, wie es mit ihm weitergeht, auch nicht beeinflussen: „Ganz und gar nicht. Ich habe für mich noch keine Entscheidung getroffen. Das hängt auch von gewissen Dingen ab, aber jetzt genieß‘ ich den Moment.“ Nachgefragt, ob diese „Dinge“ privater Natur seien, verneint er dies, hielt sich sonst aber bedeckt. Vor Beginn der Saison hatte er eigentlich vorgehabt, seine Karriere zu beenden.
Haaser sah bei sich einen großen Schritt in die richtige Richtung. „Dranbleiben, weiterarbeiten und das konstanter zeigen“, hofft Haaser. Er qualifizierte sich nun nicht nur aufgrund der 500-Punkte-Regel, sondern erstmals als Abfahrer für das Weltcupfinale. Zu Kriechmayrs Sieg meinte Haaser vielsagend: „Endlich haben wir wieder eine Ruh‘, die Abfahrtskrise ist behoben – bis zum Finale wahrscheinlich, sollten wir wieder ‘obeleeren‘.“
„Hut ab“
Kriechmayr habe es sich verdient. „Er bleibt immer dran, arbeitet an sich, Hut ab.“ In Sachen Rücktritt sei Kriechmayr „alt genug, dass er das selbst entscheiden kann“. In diesem Moment schaltete sich aber Kriechmayr ein, der da zugehört hatte. „Der Hasi hat gestern gesagt, dass ich es verpasst habe, in Pension zu gehen, so denkt er wirklich und jetzt redet er diplomatisch daher“, erklärte Kriechmayr lachend. Haaser dazu: „Er ist Gott sei Dank noch da, obwohl er schon in seiner wohlverdienten Skipension sein könnte.“
Der sechstplatzierte Daniel Hemetsberger relativierte das starke Mannschaftsergebnis ein wenig. „Ich habe gestern erwähnt, dass es eher eine technische Abfahrt ist, das liegt uns besser.“ Er hoffe aber, dass es nun beim Ende der Abfahrtsflaute bleibt. Rang sechs war für ihn das beste Saisonergebnis.
„Haben das nicht zu Fleiß gemacht“
Zur Negativserie sprach Hemetsberger Klartext. „Es ist für uns auch nicht lustig, wir fahren ja auch, um zu gewinnen. Wir haben es einfach nicht geschafft, wir haben das nicht zu Fleiß getan.“ Auch wenn es nur zu Rang 15 reiche, gebe man alles. Er gibt vielleicht aktuell sogar noch etwas mehr, kämpft er doch mit Knieproblemen. „Wenn dir die Knie wehtun, ist halt der Zug (am Ski) weg.“ Ob er sich einer Operation unterziehen muss, ist offen. „Das werden wir nach der Saison abchecken.“
Marco Schwarz ging nach Rang 33 hart mit sich ins Gericht. „Es ist ziemlich alles schiefgegangen, was schiefgehen kann. Ich bin über den Innenski runtergerodelt und würde mir am liebsten selbst eine runterhauen. Wenn ich nicht sauber über den Außenski fahre, muss ich mich selbst an der Nase nehmen.“ Er hofft wie der gesamte Weltcuptross, dass die beiden Super-G-Rennen in Courchevel stattfinden können. „Wettertechnisch wird morgen sehr schwierig werden, erzwingen kann man nichts.“
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