Bindermichl-Tunnel

80-prozentige Teuerung schockt Linz und Land

Vor der Eröffnungsfeier streiten die Eröffnungsredner: Weil sich die Baukosten des Linzer Bindermichl-Tunnels letztlich nahezu verdoppelt haben, bittet die klamme Bundes-Asfinag jetzt Stadt und Land doppelt zur Kasse. Doch Oberösterreichs Spitzenpolitiker weigern sich, statt vereinbarter 24 nun 43 Euromillionen nach Wien zu überweisen: „Kommt nicht in Frage!“

Wie exklusiv berichtet, reagierte auch der Bundesrechnungshof auf die Preisexplosion mit einem Donnerwetter: Er kritisierte schwere Fehler und Mängel bei der Planung, Kontrolle, Kostenschätzung und einer Auftragsvergabe. Hatten die Bauherrn noch mit 97 Millionen Maut- und Steuereuro gerechnet, kamen die Prüfer schon auf 175 Millionen Gesamtkosten. Nun sind es satte 180!

Nur sündteurer Stauraum?
187 hätte es laut WAG gekostet, alle lärm- und abgasgeplagten Autobahn-Anrainer abzusiedeln - in 1300 Neubauwohnungen in ruhigerer Lage. Auch die verkehrstechnische Sinnhaftigkeit des großspurigen Umweltprojektes wurde bereits von Experten in Frage gestellt: Ob der überlastete A 7-Bindermichl-Tunnel nur ein sündteuer Stauraum für 90.000 Fahrzeuge ist, so lange als Fortsetzung der A 26-Westring fehlt? Doch diesen einzigen Ausweg aus der Linzer Stauhölle kann sich die verschuldete Asfinag nicht leisten, wenn sie die Autofahrer nicht mit einem höheren Vignetten-Preis oder einer neuen Pkw-Maut zusätzlich schröpfen kann.

Die Mauteintreiber bitten aber schon die Stadt Linz und das Land Oberösterreich zur Kasse, die sich vertraglich verpflichtet haben, ein Viertel der Bindermichl-Baukosten beizusteuern. Doch aus den schriftlich vereinbarten je zwölf wurden nun heimlich je 21,6 Millionen Steuereuro, die weder Stadtchef Franz Dobusch (SP) noch Landes-Vize Franz Hiesl (VP) zahlen wollen: „Die Stadt hat dieses Projekt weder geplant noch umgesetzt, also haben wir keinerlei Schuld an dieser Preissteigerung“, sieht sich der Oberlinzer völlig aus dem Schneider.

 

 

 

Foto: Koller

Sonntag, 09. Mai 2021
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