Er ist einer von 100.000 Syrern, die sich in Österreich seit 2015 ein neues Leben aufgebaut haben. Mit Conny Bischofberger spricht Aboud Alibrahim (31) über den „Massenmörder Assad“, Werte und Heimatgefühle, das österreichische Sozialsystem und den sehnlichsten Wunsch seines fast 70 Jahre alten Vaters.
Er steht am offenen Fenster seiner 50-Quadratmeter-Wohnung in der Linzer Altstadt und winkt schon von Weitem. Wir sind alte Bekannte, Aboud Alibrahim und ich. Der syrische Flüchtling hat nach seiner Ankunft in Österreich für zehn Monate bei uns gelebt. Oben im dritten Stock strömt mir der Duft von starkem, schwarzem Tee entgegen, den wir später, wie es in seiner Heimat üblich ist, auf dem Teppich sitzend, mit viel Zucker trinken.
Drei schneeweiße Britisch-Kurzhaar-Katzen leisten uns dabei schnurrende Gesellschaft. Die Mutter heißt „Sajtouna“, was auf Arabisch „Olive“ bedeutet, ihre beiden Katzenkinder „Qarniya“ (Augapfel) und „Ruqaa“ (Fleck). Wir sind per Du und sein Deutsch ist wirklich so perfekt, wie es sich liest.
Als wir später noch über den Weihnachtsmarkt bummeln, erzählt er mir, dass auch sein Arbeitgeber aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation sparen muss. „Hoffentlich kann ich meine Anstellung behalten“, meint der Deutschtrainer nachdenklich. Aber im nächsten Moment ist die Sorge verflogen, und er strahlt schon wieder über das ganze Gesicht. Die Freude über die historischen Ereignisse in Syrien überwiegt.
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