Die Ärzte reagierten blitzschnell, als sie am Mittwoch bei ihrer Arbeit in der Ambulanz des Böhler-Spitals in Wien von einem Knall aufgeschreckt wurden: Eine Frau, die vor dem Spital einen Herzinfarkt am Steuer erlitten hatte, wurde sofort versorgt – obwohl die Ärzte dafür gegen Regeln verstoßen mussten.
Der Aufprall war bis in die Ambulanz des Böhler-Spitals zu hören: Bei voller Fahrt hatte eine Pkw-Lenkerin genau vor dem Krankenhaus einen Herzinfarkt erlitten. Das Stoppschild gegenüber dem Eingang des Spitals in der Pasettistraße stoppte das Fahrzeug. Die Ärzte zögerten keine Sekunde und rannten gleich mit einer Trage auf die Straße, um die Patientin zu versorgen – obwohl sie im weiterhin teilgesperrten Spital nur schlecht dafür gerüstet sind.
Notversorgung in gesperrtem Schockraum
Wie auch der Bettentrakt und die OP-Säle ist auch der Schockraum des Spitals weiterhin wegen der Brandgefahr gesperrt. Die Ärzte setzten sich über die Anordnung jedoch, ohne mit der Wimper zu zucken, hinweg. Augenblicke später waren die Systeme im Schockraum hochgefahren und die Patientin konnte dort ausreichend stabilisiert werden, um zur Weiterbehandlung in eine spezialisierte Klinik transportiert werden zu können.
Ärzte zu Verstößen gegen Regeln gezwungen
Es war nicht das erste Mal, dass die Ärzte zum Wohl der Patienten die behördliche Sperre des Schockraums missachteten, etwa als kurz nach der Sperre letzten April ein Mann mit Bauchstich in die Ambulanz taumelte. Situationen wie diese führen vor Augen, wie dringend eine nachhaltige Lösung für das Spital ist, denn so haben die Ärzte nur die Wahl: Entweder die Sperre des Schockraums missachten oder gegen ihren Standeseid verstoßen. Für sie selbst ist das allerdings keine Wahl: „Natürlich“ sei das Wohl der Patienten wichtiger als die behördliche Anordnung, unterstreichen die Böhlerianer.
Abbrucharbeiten für Containerspital begonnen
Zumindest ist ein Ende des Dilemmas der Böhler-Ärzte absehbar: Am Tag vor dem Unfall begannen die Abrissarbeiten am bisherigen Parkhaus des Krankenhauses. Auf dieser Fläche soll bis Mitte 2025 jenes Containerspital entstehen, das bis zum geplanten Neubau des Spitals wieder eine komplette Unfallversorgung in der Brigittenau sicherstellen soll. Dass die Baufirma dabei mit Arbeitnehmerschutzvorschriften eher locker umging und (siehe Bild oben) ein Arbeiter seelenruhig genau unterhalb der bröckelnden Mauer stand, ließ im Spital gleich den Witz kursieren, dass sich die AUVA offenbar um Nachschub an Arbeitsunfällen sorge.
Die Abbrucharbeiten sollen rund um den Jahreswechsel abgeschlossen sein. Ungefähr dann soll auch der Sieger im europaweiten Bieterverfahren für die Errichtung des Containerspitals feststehen. Parallel dazu werden weiterhin jene Bereiche des alten Gebäudes bestmöglich an die Brandschutzvorschriften angepasst, die während der Interimslösung weiterhin genutzt werden.
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